Wenn Vertrauen zur Falle wird
03.03.2026 Vereine, Region Unterfreiamt, Niederwil, Fischbach-GöslikonDer Seniorenrat Niederwil–Fischbach-Göslikon lud zu spannendem Vortrag
Schockanrufe, Liebesbetrug oder vermeintliche Krypto-Investitionen mit hohen Renditen – Betrüger setzen gezielt auf Emotionen und Zeitdruck. Auf Einladung des Seniorenrats ...
Der Seniorenrat Niederwil–Fischbach-Göslikon lud zu spannendem Vortrag
Schockanrufe, Liebesbetrug oder vermeintliche Krypto-Investitionen mit hohen Renditen – Betrüger setzen gezielt auf Emotionen und Zeitdruck. Auf Einladung des Seniorenrats Niederwil– Fischbach-Göslikon informierte die Regionalpolizei Bremgarten über aktuelle Maschen und Schutzmöglichkeiten.
Ein Telefon klingelt. Am anderen Ende meldet sich eine aufgelöste Stimme: Ein schwerer Unfall, sofort werde Geld benötigt. «Genau mit solchen Emotionen arbeiten Täter», erklärte Wachtmeister Georg Gartmann von der Regionalpolizei Bremgarten. «Sie setzen Menschen unter Druck, damit keine Zeit zum Nachdenken bleibt.»
Der Seniorenrat Niederwil–Fischbach-Göslikon hatte die Regionalpolizei bewusst eingeladen. Sicherheitsfragen beschäftigen viele ältere Menschen unmittelbar. Der Seniorenrat ist eine vom Gemeinderat eingesetzte Kommission mit klar definiertem Auftrag. Er vertritt die Anliegen älterer Menschen, wirkt bei der Ausgestaltung der kommunalen Alterspolitik mit und arbeitet eng mit Behörden und Organisationen zusammen.
Der Informationsnachmittag stiess auf grosses Interesse. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl mussten zusätzliche Tische und Stühle bereitgestellt werden. Die lebhafte Fragerunde nach dem Vortrag zeigte, wie stark das Thema Sicherheit ältere Menschen beschäftigt.
Mit Zeitdruck und Angst arbeiten
Gartmann zeigte auf, dass sich Kriminalität zunehmend auch in die digitale Welt verlagert. Gewalt spiele oft eine untergeordnete Rolle, entscheidend sei die Psychologie. «Die Täter erzeugen Stress, Zeitdruck und Angst – das blockiert den klaren Gedanken.» Besonders perfid seien sogenannte Romance Scams. Dabei bauen Betrüger über Wochen oder Monate eine scheinbare Liebesbeziehung auf, bevor finanzielle Hilfe gefordert wird. Soziale Einsamkeit ist auch bei Senioren verbreitet, sie sind darum beliebte Opfer. Im Kanton Aargau wurden im vergangenen Jahr 29 solcher Fälle registriert – mit einer Schadenssumme von rund 2,1 Millionen Franken.
Auch Anlagebetrug nehme zu. Versprochen würden hohe Renditen ohne Risiko, häufig im Zusammenhang mit Kryptowährungen. Auch hier ködern Täter gerne ältere Menschen, da sie oft über Vermögen verfügen. Gartmann formulierte es deutlich: «Hohe Rendite ohne Risiko gibt es nicht.» Wer zu schnellen Entscheiden gedrängt werde oder Fernzugriff auf den eigenen Computer gewähren solle, müsse misstrauisch werden. Keine Passwörter weitergeben, keine unbekannten Links öffnen und Bankgeschäfte nur über offizielle Kanäle tätigen – diese Grundregeln seien zentral. Letztes Jahr gab es im Kanton Aargau 234 Fälle mit einer Deliktsumme von ca. 20 Millionen Franken, in den allermeisten Fällen ist das Geld verloren.
Einbrechern das Leben schwer machen
Neben digitalen Maschen sprach der Referent auch klassische Delikte wie Diebstahl an. Taschen sollten zum Beispiel immer geschlossen und körpernah getragen werden. Beim Einbruchschutz seien einfache Massnahmen oft entscheidend: Türen abschliessen, Fenster – auch Kippfenster – schliessen und keine Hinweise auf längere Abwesenheiten geben (z. B. Briefkasten leeren lassen). Eine gute Massnahme seien zum Beispiel Schaltuhren für Licht oder moderne Lichtsteuerungen mittels App. Unter dem Strich kann man sagen, dass man potenziellen Einbrechern das Leben möglichst schwer machen soll. Alles in allem ist Niederwil in Sachen Einbrüche kein Hotspot. Letztes Jahr gab es im Dorf gerade mal vier Fälle. Unterstützt wurde Gartmann durch Patrik Marty von der Kantonspolizei Aargau, Gruppenchef der Polizeilichen Beratungsstelle. Er stand für vertiefende Fragen zur Verfügung und wies darauf hin, dass individuelle Sicherheitsberatungen möglich sind. Weiterführende Informationen kann man per E-Mail an patrik.marty@kapo.ag.ch in Erfahrung bringen.
Ein zentrales Anliegen des Nachmittags war der Umgang mit Unsicherheit. «Lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig», lautete eine der Kernbotschaften. Niemand müsse sich schämen, Opfer einer Täuschung geworden zu sein – Betrugsversuche träfen alle Altersgruppen. Der Anlass machte deutlich: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Doch wer Warnsignale kennt, Ruhe bewahrt und sich Zeit zum Überlegen nimmt, reduziert das Risiko erheblich. --str


