Regierungsrätin Martina Bircher als Festrednerin in Dottikon
Von der Realschule bis in die Regierung des Kantons Aargau: Martina Birchers Lebensweg verlief nicht geradlinig. Gerade deshalb will sie der Schule Sorge tragen.
Was wäre, wenn ...
Regierungsrätin Martina Bircher als Festrednerin in Dottikon
Von der Realschule bis in die Regierung des Kantons Aargau: Martina Birchers Lebensweg verlief nicht geradlinig. Gerade deshalb will sie der Schule Sorge tragen.
Was wäre, wenn plötzlich niemand mehr abstimmen geht? Nicht aus Protest. Sondern einfach aus Mangel an Interesse? Diese Frage stellte Martina Bircher an den Anfang ihrer Rede, die sie unter das Thema Vertrauen stellte. «Demokratie erfordert das Mitmachen der Menschen. Und Mitmachen wiederum braucht Vertrauen», ist die SVP-Politikerin überzeugt, Und darum ist letztlich das Vertrauen der Kitt der Gesellschaft. Und dieses Vertrauen entstehe nur da, wo der Staat nachvollziehbar handelt und wo die Menschen fair und gleich behandelt werden.
Das fange schon in der Schule an. Die Schule ist die erste staatliche Institution, der ein Kind begegnet. «Und die Kinder fragen sich: Sind die Regeln für alle gleich? Werde ich ernst genommen? Bekomme ich eine faire Chance? Die Antwort auf diese Fragen prägt das Kind», ist Bircher überzeugt. Und darum müsse man der Schule als Staat Sorge tragen, so die Aargauer Bildungsdirektorin. Das Schweizer Bildungssystem lasse auch Umwege zu, wie sie selbst erfahren hat. Bircher war erst in der Real, dann wechselte sie in die Sek, hat das KV gemacht und später studiert. «Mir sind bei Bewerbungen diejenigen lieber, die einen ungeraden Weg gegangen sind. Diese Personen sind hartnäckig und durchsetzungsstark», ist sie darum überzeugt.
Zurück zur Demokratie: Diese sei alles andere als bequem, wirke oft gar langsam und schwerfällig. Und sie kann auch anstrengend sein. Weil eben nicht immer alle gleicher Meinung sind. Als Beispiel nennt die Bildungsdirektorin das Thema Frühfranzösisch, um das in der Schweiz derzeit gerungen wird. Es werde darum gestritten, wann das ideale Alter sei, um diese Sprache zu lernen. «Es wird national darüber diskutiert. Aber das ist doch ein gutes Zeichen», findet Bircher.
Zur Demokratie gehört auch, dass man verlieren kann
Demokratie heisst auch, sich auszutauschen und abzuwägen. Und nicht einfach von oben herab zu bestimmen. Es gehöre auch zur Demokratie, mal zu den Verlierern einer Abstimmung zu gehören. Und trotzdem zu wissen, dass «am nächsten Tag das Land noch steht». Damit kehrte Martina Bircher an den Anfang ihrer Rede zurück. Auch wenn sich die Menschen nicht mehr für den Staat interessieren würden, könnte dieser weiter funktionieren. «Aber es wäre das Ende der Demokratie als gelebte Haltung. Als tägliche Entscheidung», sagt sie.
Vertrauen entstehe nicht durchs Zuschauen, sondern durchs Mitmachen. Und sie forderte die Anwesenden auf, mit ihren Kindern über Politik zu reden. Ihnen zu erklären, warum es wichtig ist, sich zu engagieren und mitzumachen. In der Politik oder in den Vereinen. In der Schweiz habe man sich entschieden, sich zu vertrauen. Und genau das solle man am 1. August feiern.
--chh