Ja zu einer pragmatischen Lösung
17.03.2026 Wohlen, Schule, Einwohnerrat, BaugewerbeIn der Einwohnerratssitzung von gestern Abend ging es einmal mehr um den Schulraum
Das Parlament bewilligte gestern Abend zwei Kredite in der Höhe von 3,375 beziehungsweise 3,6 Millionen Franken für provisorischen Schulraum im Junkholz und Bünzmatt. Ein ...
In der Einwohnerratssitzung von gestern Abend ging es einmal mehr um den Schulraum
Das Parlament bewilligte gestern Abend zwei Kredite in der Höhe von 3,375 beziehungsweise 3,6 Millionen Franken für provisorischen Schulraum im Junkholz und Bünzmatt. Ein Rückweisungsantrag der SVP war ebenso chancenlos wie Zusatzanträge von Mitte-Links.
Chregi Hansen
Der neu gewählte Gemeinderat Thomas Geissmann versteckte seinen Frust nicht. «Wir haben jetzt endlich eine Schulraumstrategie. Und über Nacht kommt jemand mit einer neuen Idee und wirft alles über den Haufen. In Zukunft können wir uns alle Kommissionen sparen», erklärte er.
Geissmann reagierte damit auf einen Rückweisungsantrag von Manfred Breitschmid (SVP). Dieser fand, man solle mit dem Entscheid über die Zukunft des Containerprovisoriums noch zuwarten, denn allenfalls könne man den Standort am Oberdorfweg noch länger nutzen. Der Grundeigentümer habe Gesprächsbereitschaft signalisiert. Der Vorschlag kam ausser bei seiner Partei nicht gut an. Gemeinderat Olivier Parvex wies zudem darauf hin, dass das Provisorium am Oberdorfweg zonenfremd ist und die Ausnahmebewilligung an diesem Ort Ende Jahr ausläuft. «Ob sie verlängert werden kann, ist sehr unsicher», sagte er, dieses Risiko wolle man nicht eingehen
Nur kurzfristig günstiger
Aber auch der finanzielle Vorteil sei schnell dahin, wenn man die Provisorien jetzt nicht zügelt. Denn am Oberdorfweg falle Miete in der Höhe von 460 000 Franken pro Jahr an, an den neuen Standorten hingegen keine. Gemeinderat Geissmann machte deutlich, dass es am Oberdorfweg keinerlei Fachzimmer gebe. Zudem seien die Betriebszeiten im Junkholz und Bünzmatt unterschiedlich terminiert. «Was passiert am Oberdorfweg mit den Schülern des Bünzmatts, wenn das Junkholz fertig ist?», fragte Geissmann. Letztlich wurde die Rückweisung mit grossem Mehr abgelehnt (26 Nein zu 6 Ja).
Damit konnte im Parlament auf die beiden Geschäfte eingetreten werden. Daniel Heinrich sprach im Namen der FGPK von einer ausgereiften Vorlage. «Der Gemeinderat hat nach den verlorenen Abstimmungen reagiert und eine gute Strategie erarbeitet», lobte Heinrich. Dieser solle man jetzt auch folgen. Die FGPK signalisierte darum einstimmig Zustimmung zu den beiden Krediten.
Dem Wachstum geschuldet
Gemeinderat Thomas Geissmann wies auf die weiterhin steigenden Schülerzahlen hin. «Wohlen ist eben eine attraktive Gemeinde, viele kommen gerne zum Wohnen hierher. Und sie bringen eben auch Kinder mit.» Kollege Olivier Parvex sprach von einer «vernünftigen Lösung» die genau dort umgesetzt wird, wo der Schulraum fehlt. Zudem können gleichzeitig zwei nicht optimale Kindergärten (Bollmoos und Sorenbühlweg) aufgehoben werden. Der Gemeinderat habe auch darauf geachtet, dass die Kosten nicht explodieren, «Beide Kredite wurden gegenüber der ersten Variante deutlich gekürzt», erklärte er.
Aus den Fraktionen gab es mehrheitlich Zustimmung
Das Parlament war nicht überraschend mehrheitlich für die beiden Anträge. Schliesslich sind sie das Resultat aus der Ablehnung der beiden früheren Kredite durch das Volk. Die vorgelegte Variante bringt nun die nötige Zeit, um die nötigen Sanierungen durchzuführen und definitive Lösungen zu erarbeiten. «Mit der Zustimmung heute kommen wir zu genügend Schulraum. Nicht für die Zukunft, sondern für die jetzigen Schüler. Das sind wir unseren Kindern und Lehrpersonen schuldig», fand beispielsweise Manuel Sax von der GLP. Er lobte die Wiederverwertung der bestehenden Container, auch wenn die Gemeinde viel Geld ausgebe für eine temporäre Lösung.
Franziska Matter von den Grünen sprach von einer «pragmatischen Lösung», die dazu beitrage, die Bildungsqualität zu erhalten. Dass die Container nicht dem Minergie-Standard genüge, sei ein Wermutstropfen, den man im Sinne des Kompromiss in Kauf nehme. Für die Mitte geht man jetzt in die richtige Richtung, wie Sprecherin Stefanie Dietrich betonte. Doch das Thema Schulraum werde die Gemeinde noch weiter beschäftigen. Die FDP stört sich zwar an den hohen Kosten, aber das seien Altlasten, die es nun zu tragen gilt, so Dieter Stäger.
«Wir wollten nie teuren Provisorien, aber das Volk hat anders entschieden. Jetzt kommen sie eben doch. Und der Preis ist hoch», bedauert Martina Arnet von der SP Ihre Partei befürchtet zudem, dass die Provisorien zu langfristigen Lösungen werden. Ein Ja heute dürfe nicht dazu führen, dass man bei der Schulraumplanung wieder auf die Bremse tritt. Uneinig war die SVP. «Wir brauchen Schulraum, das steht nicht zur Diskussion», so deren Sprecher Peter Christen. Ob der vorgeschlagene Weg der richtige sei, darüber gehen die Meinungen in der Partei auseinander.
Einsparungen wieder rückgängig machen?
Damit waren die Weichen gestellt für ein Ja. Allerdings störten sich die Grünen, die SP und die Mitte an einigen Einsparungen, die der Gemeinderat im Vorfeld vorgenommen hat. Sie forderten, die Gelder für die überdachten Pausenplätze und die Optimierung des Aussenraums in beiden Fällen wieder in den Kredit aufzunehmen. Im Bünzmatt wären dies einmal 50 000 und einmal 65 000 Franken, im Junkholz 65 000 respektive 80 000 Franken. Gemeinderat Parvex verteidigte die Kürzungen. «Wir wollten nicht beim Schulraum selber sparen. Und auch ohne diese Mittel sind gute Lösungen im Aussenbereich möglich», ist er überzeugt.
Patrick Schmid von den Grünen forderte den Rat auf, selber Prioritäten zu setzen. «Gerade im Junkholz braucht es weitere Investitionen», ist er überzeugt. Dies nicht zuletzt in Hinblick darauf, dass die Bauten vielleicht länger stehen bleiben als geplant. Doch letztlich blieben die Zusatzanträge von Mitte-Links chancenlos. Alle vier wurden abgelehnt. Die beiden Kredite selber erhielten anschliessend grosse Zustimmung. Der Kredit über 3,6 Millionen für das Bünzmatt wurde mit 29 Ja zu 2 Nein bei acht Enthaltungen genehmigt, die 3,375 Millionen für das Junkholz mit 28 Ja zu 3 Nein bei ebenfalls acht Enthaltungen.

