Die Allrounderin mit viel Energie
05.06.2026 Wohlen, Politik, ArbeitDie Vielseitige
Die neue Frau Vizeammann Sonja Isler
Sie hat sich das Ressort Gesellschaft, Soziales, Bildung gewünscht. Weil sie sich dort wohlfühlt und weil sie dort für die Menschen viel bewirken kann. Aber das Tätigkeitsgebiet ist ...
Die Vielseitige
Die neue Frau Vizeammann Sonja Isler
Sie hat sich das Ressort Gesellschaft, Soziales, Bildung gewünscht. Weil sie sich dort wohlfühlt und weil sie dort für die Menschen viel bewirken kann. Aber das Tätigkeitsgebiet ist auch riesig. Es reicht von der Kulturministerin bis zum Sportzentrum Niedermatten, vom Kindes- und Erwachsenenschutzdienst bis zur Berufsschule. Deshalb wird von Sonja Isler-Rüttimann viel Präsenz und Flexibilität erwartet. Die Gemeinderätin der Mitte will genau dieses in sie gesetzte Vertrauen erfüllen. Und so nebenbei ist sie auch noch die erste Frau Vizeammann von Wohlen. --dm
Serie: Die neuen Gemeinderatsmitglieder – eine erste Bilanz: Sonja Isler-Rüttimann, Ressort Gesellschaft, Soziales, Bildung
Dieses Ressort hat es in sich. Und verlangt ganz viel Präsenz, Flexibilität und ein funktionierendes Netzwerk. Für Sonja Isler-Rüttimann ist das Ressort Gesellschaft, Soziales, Bildung eine Herzensangelegenheit. Und die Rolle der Frau Vizeammann ist für sie eine Ehrensache.
Daniel Marti
Sie ist mit zwei tollen Resultaten förmlich in den Gemeinderat gerauscht. Bestresultat aller Kandidierenden und klarer Sieg in der Ausmarchung rund um den Job des Vizeammanns. Besser geht es kaum. Sonja Isler-Rüttimann (Jahrgang 1971) durfte bei den Wahlen im vergangenen Herbst gleich zwei Triumphe feiern. Mit ein wenig Optimismus durfte die Wahl in den Gemeinderat der breit abgestützten Mitte-Kandidatin erwartet werden. So einfach sei das nicht gewesen, blickt sie zurück. So deutliche Resultat habe sie nicht erwarten dürfen. Und die Freude über den doppelten Erfolg ist immer noch gross – auch wenn der Gemeinderatsalltag Einzug gehalten hat. Ihr Start in der Regierung sei «recht sanft» gewesen, erklärt sie. Zwei Monate hat sie sich Zeit gegeben fürs Einarbeiten. «Jetzt», betont sie, «ist die Arbeit im Gemeinderat anspruchsvoll.»
Sie arbeitet gern mit Menschen zusammen
Ihren Job im Kinderspital Zürich – sie leitet ein Dispositionsteam und ist verantwortlich für die Planungsapplikationen – reduzierte sie von 100 auf 80 Prozent. Seit Mai ist der Montag frei für die Politik. Aber ganz reicht dieser eine Extratag nicht. Denn Sonja Isler-Rüttimann will die Dossiers gut kennen und präsent sein. Schliesslich habe sie bei den Wahlen viel Vertrauen und Zuspruch erhalten. Sie fühle sich deshalb zwar nicht unter Druck, aber sie wolle das Vertrauen mit guten Leistungen rechtfertigen. «Und ich geniesse die Wertschätzung.»
Und Sonja Isler-Rüttimann ist mittlerweile ein Politik-Profi. Fast acht Jahre lang im Einwohnerrat (Juni 2018 bis Dezember 2025) geben Rückhalt. «Ich kenne den Prozess» und als ehemaliges Mitglied der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission kennt sie auch die Schlüsselpersonen. «Diese Erfahrung hilft», betont sie. Das machte den Start in die Regierung einfacher. Und dort durfte sie sich ihr Wunschressort Gesellschaft, Soziales, Bildung sichern. «Ich hatte das Privileg, dass ich gleich nach dem Gemeindeammann mein Ressort auswählen durfte. Und darum war die Auswahl klar», sagt sie. Sie arbeite eben gern mit Menschen zusammen, nennt sie einen weiteren Grund.
Die ersten Einblicke verraten ihr, dass sie am richtigen Ort wirken kann. Sie habe «eine hohe Komplexität, verbunden mit viel Verantwortung» angetroffen. Aber das passe für sie.
Doch lieber eine Stadt
Das Ressort gilt als umfassendes Tätigkeitsgebiet und als happige Herausforderung, aber auch als abwechslungsreich. «Und genau das ist es. Meine Arbeit ist breit gefächert. Sie reicht von der Kultur bis zum Sozialamt. Eben, der ganze Bogen der Gesellschaft.» Für die Wohler Gesellschaft da zu sein, das sei schon umfassend, sagt sie. «Es ist der Überbegriff für die Bevölkerung. Das gesellschaftliche Leben in Wohlen ist sicherlich breit gefächert und bunt», erklärt Isler. «Wir sind ja auch eine Stadt, allerdings mit Zügen eines Dorfes.» Da legt sich die Frau Vizeammann ziemlich fest, die städtischen Züge passen ihr. «Wohlen ist vielfältig, hat einen hohen Migrationsanteil.» Das mache beispielsweise die Integrationspolitik eben anspruchsvoll.
Zu den weiteren Bezeichnungen ihres Ressorts: Soziales, das wird ständig teurer. Bildung, das ist die Basis fürs Leben. Soziales sei bitte sehr nicht mit dem Sozialamt gleichzustellen, räumt sie ein. «Es geht um Sozialkompetenz, um die Mitgliedschaft beim Kesd oder bei der Mütter- und Väterberatung.» Das alles werde ihr zu schnell immer auf die Kosten reduziert. Obwohl die Kosten und Ausgaben auch sie beschäftigen. Aktuell beispielsweise die Zukunft der Ukraine-Flüchtlinge mit Status S. Da könnten mit der Erteilung der Niederlassungsbewilligungen grosse Kosten auf die Gemeinden zukommen.
«Kultur prägt mein Leben»
Stichwort Bildung. Die Volksschule ist bei Gemeinderat Thomas Geissmann angesiedelt, alle anderen Bildungsbereiche sind in der Obhut von Sonja Isler-Rüttimann, die Berufsschulen beispielsweise. Das zeigt auch, wie breit ihr Ressort tatsächlich aufgestellt ist. Unter den Titeln Gesellschaft oder Soziales werde ganz viel zusammengeführt, fügt sie an. Dazu kommen noch etliche «Nebenjobs».
Sonja Isler-Rüttimann ist auch Kulturministerin. Das ist sie übrigens sehr gern. «Kultur prägt mein Leben», sagt sie sofort. «Die Kulturszene Wohlen ist vielfältig.» Und ja, sie habe sich bereits mit der Kulturförderung auseinandergesetzt. Grundsätzlich werden da knappe Fördergelder eingesetzt. «Das ist eigentlich nicht der Ort zum Sparen. Kultur kostet Geld, das die Gemeinde jedoch nicht hat.» Ihr sei es deshalb wichtig, dass das Kulturkonzept gut umgesetzt wird. «Das Kulturangebot ist in Wohlen bunt», sagt sie, «das haben wir am Netzwerkanlass mit den Kulturschaffenden und den Kulturorganisatoren gespürt.» Darum müsse man der Wohler Kultur Sorge tragen. «Die Kultur macht Wohlen aus.» Das gilt auch für die Gemeindebibliothek. Deren Weiterentwicklung soll bald geklärt werden, für sie eine Herzensangelegenheit.
Sportzentrum: Fairness für die Vereine
Und so nebenbei ist Sonja Isler-Rüttimann auch Präsidentin der Betriebskommission Sportzentrum Niedermatten. «Und da steht einiges an», sagt sie sofort. Die Sanierung der Tennisplätze ist in die Wege geleitet, aber Sanierungen beim FC Wohlen und im Leichtathletik-Bereich sind bald unausweichlich. «Das ist eine grosse Aufgabe, da müssen wir sorgfältig auf alle Seiten zugehen.» Und die Vereinbarung, erstellt im Eröffnungsjahr 2004, zwischen Vereinen und Gemeinde sei nach wie vor gültig. «Das Sportzentrum steht im Eigentum der Gemeinde. Und die Anlage ist nach 22 Jahren in einem Top-Zustand», das alles müsse berücksichtigt werden. «Die Anlage gibt der Bevölkerung sehr viel, garantiert ein tolles Angebot vor allem auch im Nachwuchsbereich». Darum müsse die Gemeinde die Vereine bei ihrer Arbeit unterstützen. Auf die nächste Vorlage, die die Sanierung des FCW-Hauptplatzes betrifft, darf man gespannt sein.
Unmittelbar neben dem Sportzentrum ist der Schüwo-Park angesiedelt. Dass Sportzentrum und Schüwo-Park irgendwie unter einem Dach zusammengeschlossen werden, diese Vision verfolgt sie nicht. Für den Schüwo-Park müsse eine eigenständige Lösung angestrebt werden. Der Betrieb kostet jährlich gegen eine Million Franken, rechnet Isler vor, dessen sei man sich im Gemeinderat bewusst. «Dass diese Summe mit der Anlage erwirtschaftet werden kann, diese Rechnung geht nicht auf.» Auch hier wird der Gemeinderat zeitnah eine Vorlage präsentieren.
Sie mag die Rolle der Allrounderin
Ein sehr umfangreiches Ressort, Kulturministerin sowie Chefin der Betriebskommission Sportzentrum Niedermatten. Damit nicht genug. Am vergangenen Dienstag wurde Sonja Isler-Rüttimann noch in den Vorstand des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes (Kesd) des Bezirks Bremgarten gewählt. «Ich freue mich auf diese Tätigkeit. Ich gehe das mit grossem Respekt an», sagt sie spontan. Sonja Isler-Rüttimann ist definitiv eine Allrounderin. Dieser Bezeichnung stimmt sie übrigens gern zu.
Ist sie auch eine Alleskönnerin? «Nein, niemand kann alles», widerspricht sie postwendend. Sie sei sicher vielfältig interessiert, «und ich kann mich in viele verschiedene Rollen hineinversetzen.» Auch in die Rolle der Frau Vizeammann, immerhin ein Novum, dieser Posten wurde in Wohlens Geschichte bisher stets von einem Mann besetzt. Die Zusammenarbeit mit Gemeindeammann Roland Vogt sei ein wenig ausgeprägter als mit den anderen Gemeinderatsmitgliedern, erklärt sie. «Momentan unterstützt uns Roland Vogt, bis wir alle unsere Rolle gefunden haben.» Eine Mehrbelastung als Frau Vizeammann spürt sie bisher fast nicht. Sie ist jedoch jederzeit bereit, für den Gemeindeammann einzuspringen. Und Frau Vizeammann zu sein, bereitet ihr grosse Freude. Für die bestgewählte Gemeinderätin ist das eine Ehre.
Keine Wunder erwarten
Bei aller Abwechslung, bei aller Vielfältigkeit, zwei Probleme betreffen sämtliche fünf Regierungsmitglieder. Der fehlende Schulraum und die angespannte Finanzlage. «Beim Schulraum sitzt die gesamte Gemeinde im gleichen Boot», betont sie. «Jetzt gilt es, alles sorgfältig zu prüfen. Eventuell gibt es akzeptable Wege mit tieferen Kosten.» Sie erinnert daran, dass es zügig neue und sanierte Schulräume braucht. «Das ist kein freiwilliger Posten», da stehe die Gemeinde in der Verantwortung. Auch die schiefe Finanzlage der Gemeinde beschäftigt sie. In diesem wesentlichen Punkt wird Isler ihrer Linie treu bleiben, bereits als Einwohnerrätin setzte sie sich für eine Richtung ein. «Es braucht einen höheren Steuerfuss.» Ob sie damit im Gemeinderat gegenwärtig eine Mehrheit findet, das darf bezweifelt werden. Eines sei jedoch klar, «was die Gemeinde an Projekten realisiert und investiert, das müssen wir alle auch bezahlen.» Gewiss, rund 80 Prozent der Ausgaben sind gebunden. «Darum müssen alle Ausgaben gut überlegt sein.» Die Korrektur der finanziellen Lage sei eine schwierige Aufgabe. «Man darf vom aktuellen Gemeinderat keine Wunder erwarten», sagt sie realistisch. «Der Fokus liegt bei den Finanzen, aber nicht nur dort.»
Bitte mehr Selbstbewusstsein
Neben Finanzen und Schulraum, an welchen Problemen stört sie sich weiter? Da muss sie nicht lange studieren. Wohlen werde zu oft schlechtgeredet, «dabei sollten wir alle selbstbewusster sein und uns hinstellen und die vielen positiven Aspekte betonen.» Alle Bildungsstätten, riesiges Kulturangebot, einzigartige Sport-Infrastruktur, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. «Wohlen ist ein attraktiver Ort, hier sollten sich alle zu Hause und wohl fühlen», macht sie Werbung für «ihr» Wohlen. «Für dieses Wohlen setzen sich ganz viele Menschen ein», nicht nur Frau Vizeammann.
In ihrer Amtszeit im Gemeindehaus, das verspricht sie, wird sich Sonja Isler-Rüttimann genau in dieser Richtung einsetzen. Mehr Selbstbewusstsein und ein wenig Erholung für die Gemeindekasse. «Wohlen hat viel Potenzial, das muss man endlich besser nutzen.» Sonja Isler-Rüttimann will auch hier vorangehen.


