Der Apfel sucht den Stamm
17.04.2026 Wohlen, Film, Theater, PorträtPapa zeigt den Lebens-Drehort
Ein tolles Duo: Der Vater Cihan Inan ist Regisseur, der Sohn Finnigan Inan Schauspieler
Vater Cihan nimmt seinen Sohn Finnigan an den Drehort seines Lebens mit. Nach Wohlen.
Stefan ...
Papa zeigt den Lebens-Drehort
Ein tolles Duo: Der Vater Cihan Inan ist Regisseur, der Sohn Finnigan Inan Schauspieler
Vater Cihan nimmt seinen Sohn Finnigan an den Drehort seines Lebens mit. Nach Wohlen.
Stefan Sprenger
«Ich habe mit ihm einen Rundgang durch das Dorf gemacht», sagt Cihan Inan. Der Regisseur und einstige Schauspieldirektor am Theater Bern hat seine Wurzeln hier in Wohlen. Schule, Kanti, Kunstturnen, Freunde, Familie. Hier erlebte er ganz viel und hat auch viel fürs Leben gelernt. Sein Sohn Finnigan hat Wohlen als Heimatort in seinem Pass. Er wuchs in Berlin und Bern auf, hat Wurzeln in der Türkei und in Deutschland. «Es gibt viele Orte, die für mich Heimat bedeuten.
Und Wohlen gehört auch dazu.» Sein Vater Cihan Inan hat dickere Wurzeln hier. Vor wenigen Tagen zeigte er seinem Sohn das Dorf. «Das Elternhaus, das Junkholzschulhaus, die Kantonsschule – ich machte mit ihm eine Tour de Wohlen», so der 56-Jährige. Sein 17-jähriger Sohn meint: «Etwas hast du nicht erwähnt, den Friedhof.» Dort sind Saadet und Hasan Inan begraben, die Eltern respektive Grosseltern. «Familie ist das Allerwichtigste», sagt Finnigan Inan und beweist damit, wie reif er für sein junges Alter ist. Und das überrascht nicht, denn er spielte schon die Hauptrolle in einem Theaterstück am Schauspielhaus Zürich und hat auch in mehreren Filmen mitgewirkt.
Film, Schauspiel, Theater: Finnigan Inan wandert auf den Spuren seines berühmten Vaters Cihan Inan
«Alles hängt zusammen», sagen Vater und Sohn. Und dies spüren sie in Wohlen besonders. Der Vater startete von hier aus seine Karriere in der Theaterwelt und Filmindustrie. Der Sohn ist Schauspieler und feiert bald Premiere von einem Film, bei dem er mitgewirkt hat.
Stefan Sprenger
«My heart is full of na-na-na». Ein Theaterstück vor drei Jahren am Schauspielhaus in Zürich. 25 Vorstellung, meist ausverkauft. Die Hauptrolle: Finnigan Inan, damals 14 Jahre alt. «Morgens Schule, nachmittags Proben – und abends ging ich ins Fussballtraining», sagt Finnigan Inan. «Intensiv und toll», sei dies gewesen. Der Vater Cihan Inan ordnet ein: «Er spielte 90 Minuten die Hauptrolle auf der Bühne, konnte die Texte auswendig, das war eindrücklich und er hat es super gemacht. Alle anderen Schauspieler waren Erwachsene. Das macht mich natürlich riesig stolz.»
Forciert hat der Papa die Schauspielerei bei seinem Sohn nicht, «aber unterstützt», wie er sagt. «Es gefällt mir natürlich, dass er auch in diesem Metier ist. Er wusste durch mich ein wenig, wie der Hase läuft, das hat ihm sicherlich geholfen. Aber am Ende macht er alles allein. Und wenn er Spass hat, dann freut mich das umso mehr», sagt der 56-jährige Cihan Inan.
Dreharbeiten fühlen sich nicht nach Arbeit an
Und Finnigan Inan, 17 Jahre jung, hat riesig Spass. Anders ist es auch kaum zu erklären, dass er nebst dem erwähnten Stück am Schauspielhaus Zürich auch 2020 im Berner Stadttheater bei «Paradise City» mitspielte. Der Autor des Stücks war sein Papa, der zwischen 2017 und 2021 der Schauspieldirektor in Bern war. Doch nicht nur auf der Bühne fühlt sich Finnigan Inan wohl, sondern auch vor der Kamera.
Premiere des Kinderfilms steht an
2023 spielt er in «Waking up in Vegas» eine Hauptrolle. Der Film wurde 2025 für den besten Schweizer Kurzfilm nominiert. 2023 wirkt er in «Fiori d’aurora» mit, 2024 bei «Der Spatz im Kamin» und nun steht eine Filmpremiere an, bei der Finnigan Inan ebenfalls eine Nebenrolle hatte: Der Familienfilm «Plitsch Platsch Forever!», der unter anderen in Baden und Bremgarten gedreht wurde. «Ich spiele den Lehrling des Bürgermeisters. Eine lustige Rolle. Die Dreharbeiten haben sich für mich nicht nach Arbeit angefühlt, sondern die total neun Drehtage machten richtig Spass», erzählt er.
Berlin, Bern, Eskisehir, Wohlen
Finnigan Inan kam 2008 in Zollikon zur Welt. Als 3-Jähriger zog er mit seiner Mutter (einer Schauspielerin) nach Berlin und lebte dort bis 2018. Dann zog er zu seinem Vater Cihan Inan nach Bern. Mittlerweile lebt Inan mit einer neuen Partnerin und dem Sohn in Wallisellen. Finnigan Inan besucht die Kantonsschule in Stadelhofen.
Papa Cihan Inan sagt: «Er sucht nach seinen Wurzeln. Und er hat viele.» Der Apfel sucht seinen Stamm. Finnigan erklärt selbst: «Meine Mama ist Deutsche. Mein Vater ist Schweizer mit türkischer Herkunft. Die Wurzeln meiner Urgrosseltern reichen bis nach Bulgarien und Ägypten.» Er spricht Deutsch, Türkisch, Englisch, – und auch ganz ordentlich Französisch und Italienisch. Und als was fühlt er sich, wo ist seine Heimat? Berlin? Bern? Wohlen, sein Heimatort? Oder doch Eskisehir in der Türkei – wo seine Grosseltern herkommen? «Ich bin vielleicht ein Deutsch-Türk-Schweizer», meint er lachend. Ernst fügt er an: «Heimat ist da, wo Familie ist. Denn Familie ist das Allerwichtigste.» Als Vater und Sohn das Dorf Wohlen vor wenigen Tagen besuchen, machen sie eine kleine Rundreise. Cihan Inan zeigt ihm seine Heimat, wo er mit seinen Eltern und Geschwistern aufgewachsen ist. Beispielsweise das Junkholzschulhaus, das er einst als Schüler besuchte.
Und sie gehen – wie immer wenn sie in Wohlen sind – gemeinsam an das Grab von Saadet und Hasan auf dem Friedhof. Die Eltern von Cihan Inan stammen aus Eskisehir in der Türkei, haben aber die Mehrheit ihres Lebens in Wohlen verbracht. Sie sind 2017 und 2013 verstorben. «Meine Grossmutter hat mir Türkisch beigebracht», sagt Finnigan und erinnert sich gerne an sie zurück.
«Auffällig viel hängt an Wohlen»
Cihan Inan zeigt ihm auch die Kantonsschule Wohlen. An dieser Stelle erwähnenswert: Nach «180° – Wenn deine Welt Kopf steht» veröffentliche Regisseur Inan 2018 seinen zweiten Langspielfilm «Zone Rouge». Und die ganze Geschichte des Films basiert auf einer Klassenzusammenkunft an der Kanti Wohlen. «Alles hängt zusammen», meint Inan. «Und auffällig vieles hängt an Wohlen.» Sein Sohn findet: «Danke Papa. Es war cool, dass du mir hier alles gezeigt hast.»
Drehbuchautor, Regisseur und Dramaturg Cihan Inan – der aktuell einige Filmprojekte am Laufen hat – findet es toll, dass sein Sohn sich für dessen Wurzeln interessiert, dass er schauspielert. «Er hat alles noch vor sich. All die schönen Dinge im Leben. Ich beobachte. Und ich finde es wunderschön.» Wird Finnigan mal ein berühmter Schauspieler? Cihan Inan meint: «Es kommt, wie es kommt. Hauptsache, er hat Spass.» Finnigan Inan hat mehrere Träume. Er könnte es sich vorstellen, als Schauspieler sein Geld zu verdienen, aber auch den Job als Dolmetscher findet das Sprachtalent spannend. «Ich will die Welt bereisen. Ich will glücklich sein. Und ich will gut sein in dem, was ich mache. Was auch immer das sein wird.»
Oder doch Fussballprofi?
Sein grösster Traum ist aber der Fussball. «Profi zu sein, das wärs», sagt Finnigan Inan. Er spielt beim FC Schwamendingen als Verteidiger, doch ist zurzeit wegen einer Meniskusverletzung ausser Gefecht gesetzt. Als er vom Fussball erzählt, meint sein Vater: «Als Kind habe ich oft hier in Wohlen mit Ciriaco Sforza Fussball gespielt. Er war besser als ich – aber nur ein kleines bisschen.» Der Sohn schaut ihn an: «Wer ist das?» Der Sohn kennt seine Heimat noch nicht vollständig.
Kaya Inan beim CH-Filmpreis
Kaya Inan ist der Bruder von Cihan Inan. Er wurde 1983 geboren und ist ebenfalls in Wohlen aufgewachsen. Nach einer Rolle im bekannten Film «Achtung, fertig, Charlie» im Jahr 2003 studierte er Montage an der Filmakademie Baden Württemberg und schloss 2011 ab.
Kaya Inan – der heute mit seiner Familie (er hat zwei Kinder) in Deutschland lebt – hat im Laufe der Jahre zahlreiche Filme geschnitten, darunter auch «Papa Moll».
Für seine Arbeit wurde er schon mehrfach ausgezeichnet. 2016 erhielt er den Schweizer Filmpreis für die beste Montage (Film: «Above and below) und 2017 für «Cahier Africain». Für «Wanda, mein Wunder» erhielt Inan 2021 den NRW-Schnittpreis.
«Sie glauben an Engel, Herr Drowak?»
Vor wenigen Wochen war Kaya Inan erneut für den Schweizer Filmpreis nominiert. Der Film: «Sie glauben an Engel, Herr Drowak?» von Regisseur Nicolas Steiner. Den Titel konnte Kaya Inan an der Verleihung nicht holen, jedoch ist schon die Nomination beim Schweizer Filmpreis eine Auszeichnung. --spr


