Beide Tanten hätten Freude
24.04.2026 Region Unterfreiamt, Essen und Trinken, Literatur, BücherKulinarische Lesung mit Peter Denlo in der Bibliothek Niederwil
Er ist der geborene Entertainer: Der Berner Krimiautor liest nicht bloss aus seinem ersten Roman, sondern plaudert aus seinem Leben, gibt Kochtipps, bereitet Leckereien zu, sammelt Geld für ...
Kulinarische Lesung mit Peter Denlo in der Bibliothek Niederwil
Er ist der geborene Entertainer: Der Berner Krimiautor liest nicht bloss aus seinem ersten Roman, sondern plaudert aus seinem Leben, gibt Kochtipps, bereitet Leckereien zu, sammelt Geld für Flüchtlinge aus Burma und verkauft daneben Messer. Das Publikum ist begeistert.
Chregi Hansen
Ganz am Schluss bildet sich wieder eine lange Schlange vor der mobilen Küche auf der Bühne. Diesmal gibt es würzigen Fleischsalat zum Probieren. Den hat Peter Denlo zuvor mit Unterstützung eines Zuschauers in wenigen Minuten zubereitet. «Das ist das Schöne am asiatischen Kochen. Es gibt zwar einiges zu tun beim Schnippeln. Aber dazu kann man Wein trinken. Gekocht ist es dann blitzschnell», verrät der Autor und Hobbykoch.
Es ist die zweite Probierrunde an diesem Abend. Zuvor wurde bereits ein feuriges Tofu gereicht. Beide Rezepte sind auch in Denlos erstem Kriminalroman «Zungentod» enthalten, welches man nach der Lesung kaufen kann. Auch das Messer, welches er zum Schneiden empfiehlt, ist erhältlich, genau so wie die Anmeldungen zu seinen Krimidinners, die er und sein Team regelmässig durchführen. Der Berner ist nicht nur ein glänzender Unterhalter, sondern auch ein guter Verkäufer. Wenn er mit dem Schreiben nicht so viel Erfolg hätte, man könnte ihn sich gut auch als Marktschreier vorstellen. Weil er bestens mit dem Publikum interagieren kann.
Wobei: Eigentlich hat die Niederwiler Bibliothek an diesem Abend zu einer (kulinarischen) Lesung eingeladen. Der Berner Peter Denlo ist mit seinem ersten Kriminalroman «Zungentod» zu Gast im Freiamt. Vorgelesen werden auch einige wenige Stellen aus dem Buch, wobei Lesen das falsche Wort ist.
Denlo spielt die Szenen richtiggehend, schlüpft mit Mimik und Aussprache in die Rolle der Protagonisten. Das wundert nicht – Denlo ist ausgebildeter Schauspieler und schreibt vor allem Stücke fürs Theater, die Bühne liegt ihm im Blut. «Ich war als Kind kein guter Schüler, habe lieber den Clown gespielt», berichtet er dem Publikum in Niederwil.
In LA zum Schauspieler geworden
Im Weiteren erfahren die Gäste an diesem Abend, dass er schon früh gern gekocht hat. Sehr zur Freude seiner «Bern-Tante», die sich gewünscht hat, dass er einmal ihre Beiz in der Berner Altstadt übernimmt. «Aber ich hatte keine Lust, jedes Wochenende zu arbeiten.» Seine «Thun-Tante» hat hingegen seinen Traum unterstützt, Schauspieler zu werden.
Heute hätten beide Freude an ihm. Denlo hat sich in Los Angeles zum Schauspieler ausbilden lassen und da die Liebe zur asiatischen Küche entdeckt. «Als arbeitsloser Schauspieler hat man kein Geld. Asiatisches Essen war günstig, gesund und erst noch lecker», erzählt er. Via Berlin kehrte er wieder in die Schweiz zurück. Und weil er hier weiterhin nur wenig Geld verdiente, kam er auf die Idee, in Restaurants zu spielen. «Da ist das Essen inbegriffen», witzelt er. Daraus entstanden die Krimidinners, für die Denlo heute vor allem bekannt ist. Und für die er jetzt eben doch oft am Wochenende arbeitet.
Heute bieten er und sein Team ganze Krimi-Weekends an, bei denen die Teilnehmenden als Detektive die Täter ermitteln. «Wir sind eine kleine, gemütliche Familie, die gerne mordet», erklärt er augenzwinkernd. Auch in seinem ersten Roman, den er während Corona geschrieben hat, weil er nicht auftreten durfte, wird fleissig gestorben. Schon nach einer Viertelstunde Lesung gibt es drei blutige Leichen – «Jetzt habt ihr sicher Hunger. Keine Angst, es gibt keine Blutwurst», leitet der Berner zum ersten Kochen über. Und während er die kleinen Leckereien zubereitet, doziert er über die Wahl der richtigen Nahrungsmittel, die perfekten Messer und Pfannen, warum man Sesamöl nicht zum Anbraten nutzen soll und woher seine grosse Liebe zu Burma kommt, wo auch ein Teil seines Romans spielt.
Verbindungen nach Burma
Das Publikum kommt kaum aus dem Lachen heraus – den vielen Toten in der Geschichte zum Trotz. Nur einmal wird es ernst – als Peter Denlo über die politische Situation in Burma spricht. Nach der grossen Hoffnung 2011 mit den ersten demokratischen Wahlen kam es 2021 zu einem weiteren Militärputsch – Millionen mussten flüchten. Darunter auch ein guter Freund Denlos, für den er regelmässig Geld sammelt. «Es ist eine unglaubliche Tragödie, was dort passiert. Und hier liest man nichts davon», erzählt er. Und fordert das Publikum auf, die Menschen in Burma nicht zu vergessen.
Die Sache mit dem Koriander
Nach diesem sehr emotionalen Moment schlüpft der Berner wieder in seine Rolle als Entertainer. Er lobt das Publikum, weil hier schon alle Tofu gegessen haben («sonst gibt es immer jemanden, der es nicht kennt»). Erklärt, warum gewisse Menschen Koriander nicht mögen, und liest zwischendurch weiter aus seinem ersten Burma-Krimi, zu dem er gerne eine Fortsetzung schreiben würde – wenn er denn Zeit hätte («Dialoge schreiben sich eben einfacher als Prosawerke»). Worum es in «Zungentod» genau geht, wird an diesem Abend nicht ganz klar – aber man kann sich ja das Buch kaufen am Schluss des Abends. Wobei: «Die meisten kaufen sich das Buch bloss wegen der enthaltenen Rezepte, damit muss der Autor umgehen können», witzelt Peter Denlo. Aber ob literarisch oder kulinarisch – glänzend unterhalten wird man dennoch – und einige Tipps fürs nächste asiatische Kochen kann man auch gleich mitnehmen.


