Zwei Fliegen auf einen Schlag
17.04.2026 Wohlen, Jugend, SchuleProjektierungskredit für Doppelkindergarten Anglikon beantragt
Der Kindergarten «Wohlermatte» in Anglikon ist schon länger ein Politikum. Denn hierbei handelt es sich um eine teure Mietlösung. Nun plant die Gemeinde den Bau eines neuen ...
Projektierungskredit für Doppelkindergarten Anglikon beantragt
Der Kindergarten «Wohlermatte» in Anglikon ist schon länger ein Politikum. Denn hierbei handelt es sich um eine teure Mietlösung. Nun plant die Gemeinde den Bau eines neuen Doppelkindergartens. Sie will dabei das Farn-Projekt kopieren.
Chregi Hansen
Die Wohler Schulraumplanung kommt nicht zur Ruhe. Aktuell laufen die letzten Bauarbeiten für die Sanierung der Bezirksschule, im Farn wird derzeit ein neuer Doppelkindergarten gebaut, das Provisorium am Oberdorfweg soll schon bald halbiert werden und danach ins Bünzmatt und Junkholz transportiert werden. Und nun beantragt der Gemeinderat noch einen Projektierungskredit in der Höhe von 155 000 Franken für einen neuen Doppelkindergarten in Anglikon.
Allerdings: Dieser Schritt kommt nicht überraschend. Und er ist erst noch dringlich. Denn der laufende Mietvertrag für den Kindergarten «Wohlermatte» läuft im Sommer 2028 aus. Verlängert werden kann er jeweils nur um fünf Jahre. Wird er also nicht gekündigt, muss der Vertrag bis 2033 erfüllt werden. Dies aber wäre ein sehr teure Miete. Die Mietkosten betragen (inklusive zweier Parkplätze) 4750 Franken. Inzwischen wurden Gespräche geführt, ob die Miete reduziert werden kann, da der spätere Mieterausbau amortisiert ist. Der Vermieter lehnt da ab. Es ist sogar möglich, dass die Miete nach oben geht.
Im Schulhaus gibt es Platz für Tagesstrukturen
Auch im Parlament war der Kindergarten «Wohlermatte» schon mehrfach Thema. Von hier kam die klare Forderung, auf die teure Mietlösung zu verzichten. Doch nicht nur die Kosten sind ein Problem. Das Raumprogramm an diesem Ort ist alles andere als optimal, die Aussenräume erfüllen die kantonalen Bedingungen nicht. Darum will der Gemeinderat nun hinter dem Schulhaus einen neuen Doppelkindergarten bauen. Dies bringt gleich noch einen weiteren Vorteil. Denn der zweite Angliker Kindergarten befindet sich aktuell im Schulhaus. Zügelt dieser in einen Neubau, wird Platz frei für die Tagesstrukturen.
Damit könnte einem grossen Wunsch der Angliker Familien entsprochen werden. Bis im Sommer 2025 gab es ein entsprechendes Angebot in einer Liegenschaft in Schulnähe. Aufgrund der geltenden Brandschutzbestimmungen konnten dort nicht genügend Betreuungsplätze bereitgestellt werden, um einen kostendeckenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Suche nach alternativen und geeigneten Räumlichkeiten blieb erfolglos. So musste das Angebot aufgegeben werden. Angliker Kinder müssen nun die Tagesstruktur im Bünzmatt nutzen, das für die meisten zu weit entfernt ist.
Mit dem Neubau können also gleich zwei Probleme gelöst werden. Man kommt weg von der teuren Mietlösung in einem Mehrfamilienhaus und kann selbst wieder Tagesstrukturen anbieten in Anglikon. Zudem rücken Kindergarten und Schule enger zusammen. Der notwendige Platz ist auch vorhanden – hinter dem Schulhaus kann ein solcher Doppelkindergarten problemlos erstellt werden. Das Grundstück befindet sich bereits in der Hand der Gemeinde, hier steht auch schon ein Schulprovisorium. Und wie der Gemeinderat in seinem Bericht schreibt, würde auch nach Bau des Kindergartens noch genug Land bleiben, was wegen der Hanglage allenfalls für Investoren interessant ist.
Projekt Farn kopieren
Einen interessanten Weg will die Gemeinde bei der Planung des neuen Kindergartens gehen. Denn hier soll der im Bau befindliche Doppelkindergarten Farn so gut wie möglich kopiert werden. Auch in Anglikon wird also auf Holzelemente gesetzt. Grundrisse, Schnitt und Fassaden bleiben gleich. Lediglich die Fundation, die Werkleitungen und die Umgebungsgestaltung müssen den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Damit lassen sich nicht nur Kosten reduzieren, insbesondere bei der Planung, auch die Ausführung wird erleichtert, kann man doch auf Erfahrungen aus dem Farn zurückgreifen.
Mit dem Auszug des Kindergartens aus dem Schulhaus sollen die leer werdenden Räume für die Tagesstrukturen umgebaut werden. Dabei können viele Synergien im Gebäude genutzt werden. So etwa ein gemeinsamer Eingang, gemeinsame Sanitärräume, die Mitbenutzung des Gymnastikraums im Untergeschoss und die Umnutzung von Räumen in Sitzungszimmer, Büro oder Lager.
Der Gemeinderat rechnet für dieses Bauprojekt mit Kosten von 2,25 Millionen Franken. Dies scheint viel zu sein. Rechnet man es aber auf die Abschreibungsdauer von 35 Jahren, so ergibt sich ein anderes Bild. Dann ist die bestehende Mietlösung für den Einfachkindergarten Wohlermatte beinahe doppelt so teuer wie ein einzelner Kindergarten im Neubau. Und das, gerechnet mit einem gleich bleibenden Mietpreis, was nicht wahrscheinlich ist.
Tempo gefragt
Um die Planung voranzutreiben, ist ein Projektierungskredit in der Höhe von 155 000 Franken notwendig. Dabei ist Tempo gefragt. Damit der Kindergarten Wohlermatte auf Sommer 2028 gekündigt werden kann, muss die neue Lösung bis dann bereitstehen. Der Baustart müsste dafür im Sommer 2027 erfolgen. «Das Terminprogramm ist ambitioniert, jedoch realistisch», ist sich der Gemeinderat bewusst. Jetzt liegt es am Einwohnerrat, den ersten wichtigen Schritt zu machen.

