Wohlen weiterentwickeln – diesen Anspruch begrüssen wir
23.06.2026 Wohlen, LeserbriefeZu «Wohlens Gesicht mitprägen», in der Ausgabe vom Freitag, 19. Juni.
Im Interview mit dem «Wohler Anzeiger» gewährte Gemeinderat Olivier Parvex vergangene Woche interessante Einblicke in die Arbeit seines Ressorts. Wir begrüssen seinen ...
Zu «Wohlens Gesicht mitprägen», in der Ausgabe vom Freitag, 19. Juni.
Im Interview mit dem «Wohler Anzeiger» gewährte Gemeinderat Olivier Parvex vergangene Woche interessante Einblicke in die Arbeit seines Ressorts. Wir begrüssen seinen Anspruch, Wohlen weiterzuentwickeln. Besonders erwähnt wurde dabei das Isler-Areal, das er als «Filetstück» bezeichnete. Das ist tatsächlich eine treffende Analogie. Denn ein Filet ist nur dann ein Genuss, wenn man es rechtzeitig vom Grill nimmt. Lässt man es zu lange liegen, bleibt am Ende nur noch ein Stück Kohle übrig.
Ich persönlich habe keine abschliessende Meinung dazu, ob das Isler-Areal ganz, teilweise oder überhaupt überbaut werden soll. Eine klare Meinung habe ich hingegen zum bestehenden Gestaltungsplan: Er gleicht einem Filetstück mit ranziger Bratensauce. Bis heute habe ich noch mit keinem Planer, Architekten oder Politiker gesprochen, der diesen Gestaltungsplan als gelungen be- zeichnet hätte. Die meisten verwenden deutlich weniger druckreife Begriffe. Der Gestaltungsplan sieht eine nahezu vollständige Überbauung vor – bis direkt ans Bünzufer. Grünflächen sind kaum vorgesehen, stattdessen dominieren versiegelte Oberflächen. Ob das wirklich eine gute Idee ist, sollte offen diskutiert werden. Die Sommer werden nachweislich heisser, und dieser Trend wird sich in den kommenden Jahrzehnten weiter verstärken. Bis das Isler-Areal überbaut wird, dürfte der zugrunde liegende Ge- staltungsplan rund 20 Jahre alt sein. Um bei der Analogie zu bleiben: Dieses Filet lag bereits sehr lange auf dem Grill. Ob das Zentrum von Wohlen tatsächlich attraktiver wird, wenn sich die Innenhöfe während eines grossen Teils des Jahres in Hitzekessel verwandeln, darf zumindest hinterfragt werden.
Natürlich würde der Baurechtsvertrag dringend benötigte Einnahmen in die Gemeindekasse spülen. Gleichzeitig verursacht jede Überbauung auch Folgekosten: mehr Verkehr, mehr Einwohner, mehr Schulkinder und zusätzliche Infrastruktur. Deshalb stellt sich die Frage, ob eine redimensionierte Überbauung mit einem angemessenen Park- und Grünflächenanteil nicht besser zu Wohlen passen würde. Letztlich wird das Stimmvolk an der Urne entscheiden, ob das Baurecht vergeben und damit der bestehende Gestaltungsplan umgesetzt wird. Der Hitzesommer 2026 ist ein guter Zeitpunkt, die Diskussion darüber zu starten.
Philipp Simka, Präsident Verein Schöner Wohlen
