Steine in den Weg gelegt
27.02.2026 Zufikon, Region Bremgarten, Literatur, BücherSteven Schneider las im Zufikerhuus
Unzählige Kolumnen hat Steven Schneider zusammen mit seiner Frau Sybil Schreiber in der Coopzeitung veröffentlicht. In Zufikon las der Journalist aus seinem ersten Roman «Die schnellste Frau der Welt».
...Steven Schneider las im Zufikerhuus
Unzählige Kolumnen hat Steven Schneider zusammen mit seiner Frau Sybil Schreiber in der Coopzeitung veröffentlicht. In Zufikon las der Journalist aus seinem ersten Roman «Die schnellste Frau der Welt».
Erika Obrist
Was mag das für eine Frau gewesen sein, die in den 1920er-Jahren erfolgreich Autorennen gefahren ist und die in ihrer Heimat Tschechoslowakei recht bekannt war? Steven Schneider stiess im Internet auf ihren Namen Eliska Junek und begann zu recherchieren. «Ich habe wenig gefunden über sie», sagte er bei der Lesung im Zufikerhuus, zu der der Seniorenrat in Zusammenarbeit mit der Gemeindebibliothek eingeladen hatte. «Also habe ich eine eigene Geschichte über sie geschrieben.» Der Frau, die als Alzbeta Pospisilova auf die Welt gekommen ist, Leben eingehaucht.
Mutig und freiheitsliebend
Im Buch «Die schnellste Frau der Welt» beschreibt Schneider seine Hauptfigur als mutig schon in Kinderjahren, als freiheitsliebend und auch etwas abenteuerlustig. Er erzählt ihre Lebensgeschichte vom 7. bis 27. Altersjahr. Dazu die kurze Zeit zwischen zwei grossen Autorennen auf Sizilien und auf dem Nürburgring in Deutschland. Mal rückblickend, mal vorausblickend, mal in der Gegenwart. Die beiden Erzählstränge verwebt er zu einem dichten Leben, in dem Erfolge und Misserfolge einander die Hand geben. «Ich habe Eliska Junek viele Steine in den Weg gelegt», schmunzelte Steven Schneider.
In aller Kürze stellte er erst den Inhalt des Romans vor. Er handelt von Alzbeta Pospisilova, die sich im Ersten Weltkrieg in ihren Vorgesetzten Vincent Junek verliebt. Nach einer heimlichen Abtreibung bricht sie zu einer Reise nach Marokko auf. Ihr Ziel erreicht sie nicht und kehrt daher zu Vincent zurück und heiratet ihn. Ihr Mann ist äusserst erfolgreich im Beruf, hat daher viel Geld und fährt Autorennen. Sie tut es ihm gleich, kauft einen Bugatti – eine Teufelsmaschine zur damaligen Zeit – und ist höchst erfolgreich auf den Rennstrecken Europas unterwegs und lässt viele männliche Fahrer hinter sich. Beim Klassiker auf Sizilien liegt sie kurz vor Schluss – die Rennen dauerten damals an die sieben Stunden und führten über Schotterstrassen – sogar in Führung, als sie in Steine fährt, die auf der Piste liegen. Also das Rad flicken. Fünfter Platz. «Sie ist überzeugt, dass neidische Gegner ihr die Steine in den Weg gelegt haben», so Schneider. Den Sieg holte sie dann im gleichen Jahr in ihrer Kategorie auf dem Nürburgring nach.
Eindrückliche Persönlichkeit
Fünf kurze Sequenzen aus seinem Buch las Steven Schneider. Dabei kristallisierte sich die eindrückliche Persönlichkeit einer jungen Frau heraus, die kein «normales» Leben führte in der damaligen Zeit. Es ist das Bild einer selbstbewussten Frau, die sich akribisch auf ihre Rennen vorbereitet. Eine Frau an der Seite eines finanziell erfolgreichen Mannes, der sie in ihrem Freiheitsdrang unterstützt. Trotzdem fühlt sie sich in ihrer Ehe manchmal beengt, weil ihr Mann Entscheidungen fällt, ohne vorgängig ihre Meinung dazu einzuholen. Auch will sich kein Nachwuchs einstellen in der Familie. Liegt es an der früheren Abtreibung? Und der Reichtum ist ebenfalls gefährdet. Wie sagte es Steven Schneider eingangs doch? «Ich habe ihr Steine in den Weg gelegt.» Die Zeit fürs Schreiben hat sich der 62-jährige Autor von der Freizeit abgezwackt. Sich an Wochenenden zurückgezogen, von der Familie abgekapselt, um das Resultat seiner Spurensuche in Worte und Sätze zu giessen. Dabei musste er sich auch im Weglassen üben. «Ich hätte doppelt so viele Seiten schreiben können, wie das Buch nun umfasst», so Schneider. Und dieses ist nicht eben dünn ausgefallen.
«Ich fand den Roman höchst spannend – nicht nur, weil ich schnelle Autos mag», hatte Bibliotheksleiterin Simone Soricelli bei der Begrüssung zu den rund fünfzig Teilnehmenden gesagt. Sie hat das Buch also gelesen. Andere aus der Zuhörerschaft werden es demnächst tun, erwarben doch nicht wenige von ihnen beim Apéro ein Exemplar und liessen es sich vom Autor signieren.

