Sommerpause im Probebetrieb
30.06.2026 Region Oberfreiamt, Theater, Kommende Events
Das Freilichttheater Beinwil ist mit seiner wundervollen Inszenierung auf Kurs
Am 7. August feiert das Freilufttheater Beinwil mit seinem Stück «Keis Wunder – es Wunder» Premiere. Nach den intensiven Proben und vor den 16 Vorstellungen erhalten die ...
Das Freilichttheater Beinwil ist mit seiner wundervollen Inszenierung auf Kurs
Am 7. August feiert das Freilufttheater Beinwil mit seinem Stück «Keis Wunder – es Wunder» Premiere. Nach den intensiven Proben und vor den 16 Vorstellungen erhalten die Mitwirkenden nun vier Wochen Pause.
Thomas Stöckli
«Ist es nicht ein Wunder, was in Beinwil alles passiert ist?» Für Dorfhistoriker Hans Bissig, verkörpert durch Andreas Bürgisser, ist das keine Frage. Auf einem geführten Dorfrundgang will er sein Wissen über den heiligen Burkard mit der Bevölkerung teilen, überzeugt, damit die Welt voranbringen zu können. Dabei hat er allerdings nicht mit Dorfnarr «Schagg», gespielt von Stephan Wottreng, gerechnet. Der Skeptiker tut alles, um den Dorfhistoriker aus dem Konzept zu bringen.
Streitlustiges Duo
Vor der ersten Durchlaufprobe sitzen sich die beiden schauspielerfahrenen Hauptdarsteller im Saal des Kirchgemeindehauses schräg gegenüber. Sie führen als roter Faden durchs Stück. «Wir brauchen einander», beschreibt Bürgisser in seiner Rolle als Dorfhistoriker die Beziehung zu «Schagg». «Unsere Geschichten ergeben in Kombination eine neue Dimension.» So reflektiert wie in diesem improvisierten Gespräch wird es allerdings nicht tönen, wenn sich die beiden nach Skript vor dem Theaterpublikum fetzen.
Zu gerne würde der selbsternannte Dorfhistoriker seine Führung wie geplant durchziehen. Da nervt es, wenn der Narr immer wieder mit hämischen Bemerkungen dazwischengrätscht. «Ja, ich fühle mich gestört», gibt «Bissig» unumwunden zu, «ich werde zu Unrecht komplett infrage gestellt.» Das wiederum macht «Schagg» Freude, wie aus dem Mund von Wottreng zu hören ist: «Meine kritischen Fragen machen die Geschichte überhaupt erst interessant», findet er – nicht ganz zu Unrecht.
Vernunft und ihre Grenzen
Bei aller Uneinigkeit; durch ihre unnachgiebige Art zeigen beide Figuren ganz klar auf, wie wichtig ihnen das Thema ist. Und das verbindet sie wiederum, schweisst sie zusammen. «Was ist ein Wunder?», lautet die zentrale Frage. Und was bedeuten Wunder überhaupt noch in der heutigen Zeit?
Oder was könnten sie wieder bedeuten, angesichts von Entwicklungen auf der Weltbühne, wie wir sie uns nie hätten vorstellen können?
«Ich wundere mich ja, dass Leute immer noch glauben», sagt «Schagg», «dabei gäbe es doch eigentlich genug Rationales, an dem man sich orientieren und erfreuen kann.» Sein Appell an die Menschen lautet denn auch, die Welt mit Vernunft und Verstand wahrzunehmen. «Was funkst du mir dazwischen, wenn ich die Leute verführen will?», verschafft sich nun Bissig wieder Gehör. «Schagg» schwadroniert von «Opium fürs Volk» und so geht es munter hin und her.
«Stört es dich nicht, als ‹Narr› bezeichnet zu werden?», die Frage lässt Wottreng erstmals aus der Rolle fallen. Walter Küng, Autor und Regisseur, springt ein: Es gehe nicht um den tumben Spassmacher, sondern um die shakespearesche Narrenfigur, die als einzige auch die unbequemen Tatsachen aussprechen darf.
Von einem Spielort zum nächsten
Mittlerweile trudeln die weiteren Darstellerinnen und Darsteller im Pfarrhaus ein. In den vergangenen Wochen haben sie intensiv an ihren Szenen geprobt. Wie in einem Puzzle werden die einzelnen Elemente nun erstmals zusammengesetzt. Gemeinsam macht man sich auf den Weg, den ab August bis Anfang September das Publikum abschreiten wird, von einem Spielort zum nächsten. Rund ein Kilometer ist es insgesamt.
In der Ouvertüre, einem Weg, der innerhalb eines Zeitfensters individuell beschritten wird, werden die Zuschauer bereits ganz subtil in die Handlung einbezogen. Hier gibt es zudem Wundervolles zu bestaunen, über Lernerfolg, Liebe und Heilung, bevor Hans Bissig beim Lindenbaum zu seiner Führung begrüsst.
«Hausaufgaben» für die Pause
«Es läuft gut», bilanziert Walter Küng nach dem intensiven Probewochenende. «Wir haben es auf ein Level gebracht, dass wir jetzt in die grosse Pause gehen können.» Über den Sommer ruht nämlich der gemeinsame Probebetrieb. Das habe sich so aufgedrängt, weil viele Mitwirkende weg sind. Küng kann dem mittlerweile sogar etwas abgewinnen: «In der Pause kann sich alles setzen. Vom Kopf geht es in den Bauch, kriegt eine Selbstverständlichkeit», ist er überzeugt.
Seit Januar laufen die Proben bereits, bis zu viermal die Woche. «Da hilft eine Pause, die Spannung zu halten.» Ganz ohne Hausaufgaben schickt der Regisseur und Autor seine Darstellerinnen und Darsteller dann allerdings doch nicht in den Sommer: Sie sollen ihren Text jede Woche zwei- bis dreimal durchsprechen und vor der Wiederaufnahme der Proben eine Woche lang jeden Tag.
Nach der Pause wird an zwei Tagen nochmals jede Szene genau angeschaut, gefolgt von drei Durchlaufproben: «Hauptprobe eins und zwei sowie die Generalprobe», so Küng. Die Premiere vom Freitag, 7. August, ist ausgebucht. Ebenso die acht folgenden Spieldaten. Freie Plätze gibt es derzeit erst ab Ende August. Dernière ist am 5. September.


