Schwelgen in schönen Erinnerungen
17.04.2026 Region Unterfreiamt, Dottikon, NaturDer Dottiker Hannes Leo Meier zieht ein positives Fazit zu seinem Projekt «Gehen im Freiamt»
Mit einem neuen Format lud der Dottiker dieses Jahr zum ersten Mal ein, sich dem Gehen tiefergehend zu widmen. An drei Tagen war er mit «Gehen im Freiamt» ...
Der Dottiker Hannes Leo Meier zieht ein positives Fazit zu seinem Projekt «Gehen im Freiamt»
Mit einem neuen Format lud der Dottiker dieses Jahr zum ersten Mal ein, sich dem Gehen tiefergehend zu widmen. An drei Tagen war er mit «Gehen im Freiamt» unterwegs mit interessierten Begleitern. «Es war umwerfend», so seine Bilanz. Und er sieht im Projekt grosses Potenzial.
Chregi Hansen
«Die drei Tage waren so eindrücklich, dass ich nach wie vor tief beeindruckt bin», sagt Hannes Leo Meier einige Tage danach. In kurzer Zeit und fast in Eigenregie hat er «Gehen im Freiamt» auf die Beine gestellt. Und auch wenn er sich mehr mitgehende Teilnehmer und Teilnehmerinnen gewünscht hätte, so zieht er eine positive Bilanz. Denn die drei Tage und die Feedbacks haben ihm gezeigt, dass das Konzept funktioniert. Und weil man die Reise auch auf einer App mitverfolgen konnte und er immer wieder mit Bildern und Texten Aussenstehende hat mitgehen lassen, entstand eine Wanderreise mit grosser Ausstrahlung.
«Gehen im Freiamt» war ein auf drei Tage angelegtes Projekt. Interessierte konnten sich dabei jeden Morgen einem «Morgenwalk» anschliessen oder später in der «Landschaft am Nachmittag» beim Skizzieren oder Notieren mit dabei sein. Beim ersten Angebot widmete man sich der tiefergehenden Bedeutung und der Wunderkraft des Gehens. Der frühere Theatermann, der heute als Geh-Coach wirkt, ist überzeugt, dass sich aus dem Gehen viel Kraft schöpfen lässt.
Bereits Ideen für ein nächstes Mal gesammelt
Meier gab den Treffpunkt für die Angebote jeweils kurz vorher bekannt und wartete dann gespannt, wer auftaucht. Und die Wege, die man ging, ergaben sich jeweils erst im Moment und im Austausch mit den Anwesenden. «Die Trennung in zwei Angebote pro Tag hat sich aber nicht wirklich bewährt. Es wird wohl beim nächsten Mal eher so sein, dass es am Nachmittag für Menschen, die dazukommen wollen, eine weitere Person geben wird, welche dieses Angebot leitet», sagt er rückblickend. Denn es war für ihn anstrengend, die Gruppe zu leiten, die Reise-App zu pflegen und sich gleichzeitig um die nächsten Angebote zu kümmern. Für die Zukunft brauche es also ein grösseres Team an seiner Seite. Auch müsse die Kommunikation vereinfacht werden, damit interessierte Menschen leicht erfahren können, wo der nächste Treffort sein wird. «Am besten kreieren wir hierfür dann eine eigene Homepage, über die alles kommuniziert wird», sagt er.
Viel Hilfe bekam er aber dieses Jahr schon von Christoph Kuhn, einem alten Freund aus seiner Zeit bei der Pfadi Wohlen. «Er hat das Backoffice übernommen und sich auch ideell sehr engagiert. Durch ihn fühlte ich mich getragen und in Ausnahmesituationen gestützt.» Meier startete sein Projekt am Sonntagabend in Bremgarten, wo er im «Spatz» nächtigte. Am Montag dann eröffnete er «Gehen im Freiamt» bei der Emaus-Kapelle, dem ersten Treffort. Ernüchtert stellte er aber fest, dass da niemand auf ihn wartete. So ging er eben erst einmal via Flachsee, Kloster Hermetschwil, Besenbüren und das «Niedermoos» den Weg bis nach Muri. Nach der Nacht im wunderbaren Hotel «Caspar» traf man sich am Dienstagmorgen vor der Klosterkirche. Der zweite «Morgenwalk» führte die nun fünf Gehenden – das Gehen betrachtend – zum Chapf. Nach einer Parforceleistung am Abend langte Meier zum Schluss dann in Berikon an. Am dritten Tag ging es von dort zusammen mit drei neuen Gehenden via Friedlisberg, Hasenbergturm, Widen und Eggenwil der Reuss entlang abwärts bis Fahr.
Viele positive Feedbacks
Abgesehen vom ersten Tag war er also immer in Begleitung. Am zweiten Tag waren es zum Beispiel drei Kantischülerinnen. Ihr Feedback fällt sehr positiv aus. «Ich habe ein grösseres Bewusstsein entwickelt, auf kleine Dinge zu achten, Schönheit und Magie der Welt in kleinen Dingen zu sehen, weiter und anders zu denken. Dieses Projekt hilft, ein grösseres Bewusstsein für kleine Dinge zu bekommen und somit das kleine Glück der Welt zu geniessen», sagt etwa Lynn Kuhn. Und Nora Ammann gab Meier folgendes Feedback: «Der Spaziergang hat mir gezeigt, wie gut Bewegung und frische Luft den Geist auffrischen können. Besonders gut haben mir die Inputs zur Blickhaltung während dem Gehen gefallen und wie viel die Haltung ausmachen kann. Ich denke, du solltest dieses Projekt auf jeden Fall wieder einmal machen, um noch mehr Leute auf das aufmerksam zu machen.»
Während der drei Tage hat der Dottiker regelmässig Texte und Bilder veröffentlicht. Auch hier gab es etliche positive Kommentare. So schrieb eine Erlebnispädagogin aus Elm: «So eine tolle Idee. Würde ich doch immer noch im Aargau wohnen ...» Ein Mann aus Aarburg meinte: «Ich konnte digital hier und dort mit dir mitlaufen. Du hast wohl eine schöne Erfahrung gemacht. Die Idee werde ich mir merken.» Und eine der Mitwanderinnen am dritten Tag schrieb: «Das Gehen an der Reuss – überhaupt das Wandern überall, wo Gewässer fliesst –, das entspannt mich. An solchen Orten auszuruhen, ist für mich Glück. Zudem spürt man bei Hannes Leo die Begeisterung für das Freiamt, welches er wie seine Hosentasche zu kennen scheint. Diese Stimmungen und dazu sein authentisches Wissen und seine Zugänge zum Gehen, dies übertrug sich wunderbar auf uns alle und schaffte eine leichte, aber auch in einer gewissen Art besinnliche Stimmung.»
Für die Zukunft braucht es mehr Unterstützung
Diese Rückmeldungen freuen den Initianten des Projekts sehr. Das mache deutlich, dass die Idee Potenzial und Ausstrahlung hat. Um das Angebot aber ausbauen zu können, freut sich Meier auf ein erweitertes Team und auf finanzielle Unterstützung. «Das Lancieren, Bewerben und Durchführen des Projekts erfordert Engagement, Zeit und auch Geld. Es wäre schön, wenn ‹Gehen im Freiamt› in Zukunft breit abgestützt und alimentiert würde», sagt er. «Gehen im Freiamt» sei eine super Idee. «Die darf man nicht aus der Hand geben.»
Weitere Erkenntnisse, die er in diesen drei Tagen gesammelt hat: Ein gutes Team ist Gold wert. Landschaftsbetrachtung verdient mehr Öffentlichkeit und Praxis. Gehen ist eine Superkraft. Gute Orte zum Übernachten sind essenziell. Auch Zufallsbekanntschaften auf dem Weg können Wunder wirken. Das Freiamt ist eine wunderbare Wandergegend. Und das schöne Wetter setzte dem i noch das Tüpfchen auf.
Die wundersame Wirkung des Gehens anderen näherbringen
Hannes Leo Meier würde gerne mit Institutionen zusammenarbeiten, die sich interessieren für Resilienz und psychische Gesundheit, ebenso mit Firmen und Gemeinden, denen das betriebliche Gesundheitsmanagement am Herzen liegt. «Und ich freue mich auf eine Homepage, welche diese Idee in ihrer Gesamtheit aufnimmt und über die kommenden Jahre hilft, das Projekt begleitend weiterzuentwickeln», so sein Wunsch. Ebenso wünscht er sich für die Zukunft mehr Unterstützung durch ein tragfähiges Team. Damit er sich noch mehr darauf konzentrieren kann, den Begleitern die wundersame Wirkung des Gehens näherzubringen, was ja eines der zentralen Ziele von «Gehen im Freiamt» ist. Und da ist der Dottiker voll und ganz in seinem Element.


