«Normale Zuschauer merken nichts»
21.04.2026 Mutschellen, Rudolfstetten, FilmMichèle Rohrbach spielt im Film «Plitsch Platsch Forever!» die Stadtpräsidentin
Als Schauspielerin ist die in Rudolfstetten aufgewachsene Michèle Rohrbach vor allem durch den Film «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» bekannt. Jetzt ist ...
Michèle Rohrbach spielt im Film «Plitsch Platsch Forever!» die Stadtpräsidentin
Als Schauspielerin ist die in Rudolfstetten aufgewachsene Michèle Rohrbach vor allem durch den Film «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» bekannt. Jetzt ist sie in einem neuen Werk zu sehen, das im letzten Sommer teilweise in Bremgarten gedreht wurde.
Roger Wetli
Sie leben heute in Wien. Wie war es, in der Heimat zu drehen und wieder mal zu Hause zu sein?
Michèle Rohrbach: Sehr schön. Ich wusste, dass der Film im Umkreis von Zürich gedreht wird, aber als mir dann mitgeteilt wurde, dass meine Drehtage in Bremgarten und Brugg sind, habe ich mich auf das Heimspiel gefreut. Wenn ich in der Schweiz bin, wohne ich bei meiner Familie in Rudolfstetten. Die Anreise zum Set nach Bremgarten hat mit der BDB nur ein paar Minuten gedauert. Ein sehr kurzer Arbeitsweg.
Fühlen Sie sich mehr als Österreicherin denn als Schweizerin?
Ich lebe zwar in Wien, bin aber eine Heimwehschweizerin. Dies, weil ich als Schauspielerin gerne in meiner Herzenssprache Schweizerdeutsch arbei-
Wie stark hat sich die Familie gefreut, dass Sie wieder für eine längere Zeit in der Schweiz waren?
Gefreut hat sich vor allem mein Partner, weil ich die Kinder mit zu den Grosseltern genommen habe und er sturmfrei hatte. Die Familie auf dem Mutschellen hat sich natürlich auch gefreut und es wurden alle gleich zur Kinderbetreuung eingeteilt. Ohne meine Eltern hätte ich den Dreh nicht machen können.
Gedreht wurde auch in Bremgarten. Wie stark haben Sie dabei die vertraute Umgebung wahrgenommen?
Eine meiner besten Freundinnen arbeitet beim «Fairdinand» in Bremgarten. Weil ich in Wien wohne, sehen wir uns nicht mehr oft. Dadurch war es für mich sehr speziell, dass ich sie in den Pausen besuchen konnte. Und einmal hatten wir gleichzeitig Feierabend und konnten zusammen heimfahren.
Wie stark ist Ihr Bezug sonst noch zu Bremgarten?
In Bremgarten verbinde ich natürlich jede Ecke mit einem Erlebnis aus der Jugend. Beim Saner habe ich meine ersten Ohrlöcher stechen lassen (schmunzelt). Das vergisst man ja nicht. Traurig bin ich aber auch über die vielen Geschäfte, die in der Altstadt zugegangen sind. Während des Drehs gab es noch den Borner. Dann haben sie über einen Zeitraum von einem Dreivierteljahr in allen Jahreszeiten eine Drohnenaufnahme von der Altstadt aufgenommen, eine coole Idee von Regisseurin Natascha Beller, um im Film die Zeit vergehen zu lassen – und irgendwann war der Borner verschwunden. Dafür gibt es für Bremgarten-Fans sehr schöne Luftaufnahmen der Altstadt.
Im Film werden für die Geschichte ja verschiedene Ortschaften zu einem Dorf zusammengefasst. Wie fühlt sich das für Sie an?
Wenn man die Region kennt, ist es einfach witzig, im Film zu sehen, wenn jemand mit dem Velo durch Bremgarten fährt und dann bei der Badi in Birmensdorf, Zürich, ankommt. Der normale Zuschauer merkt natürlich nichts, aber für uns ist das schon lustig. Weil man weiss, dass das in echt nicht geht, muss man wissend schmunzeln.
Gab es beim Dreh Missgeschicke?
Einmal fahre ich mit dem Velo durch die Altstadt von Bremgarten und bei dem Take bin ich wirklich fast in ein paar Statisten gefahren und man hört, wie ich «Ups» sage. Das ist nun genau so im Film.
Sie spielen in «Plitsch Platsch Forever!» die Stadtpräsidentin. Wie haben Sie sich in dieser Rolle gefühlt?
Ich trage im Film einen sehr teuren Anzug. Den hätte ich am liebsten behalten. Uns war wichtig, bei der Rolle der Stadtpräsidentin zu zeigen, dass sie trotz Mehrbelastung mit ihrem Baby einen guten Job macht, man aber auch sehen darf, dass sie an ihre Grenzen kommt. Sie ist ein Organisationstalent und ist auf gut Deutsch einfach immer «imene uhuere Stress». Zu den Verpflichtungen als Stadtpräsidentin kommt noch Mental Load hinzu. Ich glaube, es werden sich viele berufstätige Eltern wiedererkennen. Die Herausforderung war, dass die Figur einerseits streng und direkt rüberkommt, aber andererseits nicht unsympathisch. Diesen Spagat haben wir hoffentlich mit «Plitsch Platsch Forever!» geschafft.
Wäre es etwas für Sie, in Echt Stadträtin zu sein?
Im Film geht es auch um Demokratie und darum, dass wir mit unserer direkten Demokratie Dinge bewegen können, wenn wir es denn auch tun. Oft sagen Menschen, die das Zeug zur Politikerin oder zum Politiker hätten, Nein, das ist nichts für mich. Und dann sind es aber auch die Gleichen, die finden, es fehlt an guten Persönlichkeiten in der Politik. Ich glaube, mich würde niemand wählen (lacht).
In Ihren bisherigen Filmen spielten Kinder weniger wichtige bis keine Rollen. Wie war es, einen Kinderfilm zu drehen? Anders als Ihre bisherigen Filme?
Die Drehtage sind kürzer, weil Kinder nicht so lange arbeiten dürfen. Das war natürlich angenehm. Die Kinder haben wirklich schnell gelernt und waren schon nach ein paar Tagen Vollprofis. Mit ihnen zu drehen hat richtig Spass gemacht.
Ist der Film auch etwas für Erwachsene?
Ja sicher. Dieser Film verpackt in einer wahnsinnig charmanten, aufregenden und witzigen Geschichte so viele wichtige Themen, dass sich nicht nur Kinder darauf freuen können.
Welches sind Ihre nächsten Projekte?
Ich probe ein Theaterstück in Wien, das zweisprachig sein wird – also mit Laut- und österreichischer Gebärdensprache. Das ist eine riesige Herausforderung und komplettes Neuland für mich. Und im August spiele ich ein Gastspiel in Zürich. Leider ist es noch nicht offiziell, drum kann ich nicht verraten wo. Aber ich werde einbauen, dass eine Figur Schweizerdeutsch reden wird. Darauf freue ich mich besonders.
Vom KV zur Schauspielerin
Michèle Rohrbach wuchs in Rudolfstetten auf und absolvierte die kaufmännische Lehre in Zürich. Anschliessend studierte sie an der Zürcher Hochschule der Künste und bildete sich auch danach immer weiter. Rohrbach spielt in «Plitsch Platsch Forever» die Gemeindepräsidentin. Sie lebt heute in Wien.
Als Schauspielerin ist sie nicht nur in Filmen, sondern auch in Theaterproduktionen zu sehen.
--rwi
Der Film
Der Familienfilm «Plitsch Platsch Forever!» handelt vom Mädchen Pola und dessen bester und einziger Freundin Polly. Pollys Eltern betreiben ein Café in der örtlichen Badi. Aus Spargründen wird diese durch den Gemeinderat geschlossen. Polly und ihre Eltern ziehen deshalb weg. Um ihre Freundin zurückzuholen, möchte Pola die Badi retten. Zusammen mit einer Mitschülerin überzeugt sie die Gemeindepräsidentin, eine Petition für die Rettung der Badi zu starten und erlebt dabei allerhand.
Der Film wurde unter anderem in Bremgarten gedreht und wird seit Kurzem in verschiedenen Schweizer Kinos gezeigt.
--rwi


