Mit Fleissarbeit kreativ sein
11.08.2026 Region Oberfreiamt, Mühlau, ArbeitSommerserie «Redaktoren schnuppern»: Als Floristin im «Floristik & Kaffee natürlichschön» in Mühlau
Wider Erwarten geht es nicht um 5 Uhr früh los. Um 8.30 Uhr beginnt mein Praktikum im «Floristik & Kaffee ...
Sommerserie «Redaktoren schnuppern»: Als Floristin im «Floristik & Kaffee natürlichschön» in Mühlau
Wider Erwarten geht es nicht um 5 Uhr früh los. Um 8.30 Uhr beginnt mein Praktikum im «Floristik & Kaffee natürlichschön» vom ehemaligen Restaurant Krähenbühl. Blumen arrangieren, einen Kranz herstellen und Gäste bedienen.
Verena Anna Wigger
Der Arbeitsplatz ist vorbereitet. Rundherum stehen Heissleimpistole, Blütenköpfe, ein Strohring, ein Gefäss mit verschiedenen Blumen und weitere Vasen und Körbe. In einem der Behälter stehen Stängel eines Fruchtstands. Der Fachbegriff für die «Köpfe» lautet Nigella. Diese darf ich verarbeiten. Meine Arbeit beginnt, indem ich damit einen saisonalen Sommerkranz gestalte. «Es ist eine Fleissarbeit», sagt Floristin Priska Häfliger, als sie mir zeigt, wie sie sich das Endprodukt vorstellt. Köpfchen für Köpfchen wird mit Heissleim betupft und auf den Kranz aufgelegt.
Eine heisse Sache
Dabei ist darauf zu achten, dass der Heissleim nicht auf die Haut kommt. Ich kann jetzt nicht sagen, es wäre nie passiert, und es war höllisch heiss, doch schnell wegrubbeln und den Finger kurz in den Mund stecken und schon ist es wieder gut. Priska Häfliger, die das beobachtet, offeriert Lavendelöl. «Das hilft, den Schmerz zu lindern», sagt sie. Doch ich beisse die Zähne zusammen und reihe weiter Köpfchen an Köpfchen, damit möglichst kein Loch in der Optik entsteht. Mal lege ich sie längs, dann stelle ich wieder eines auf. So, dass ein harmonisch lebendiges Bild entsteht. Eine Reihe aussen, eine Reihe innen, sodass der Kranz eine schöne Wölbung erhält. Es macht Spass, mir liegen wohl Fleissarbeiten. Unter den spezialisierten Augen der Floristin darf ich die dennoch entstandenen «offenen Stellen» mit kleinen Blüten füllen. Irgendwie scheine ich es verstanden zu haben, denn zum Ende der Arbeit befestigt meine Praktikumschefin ein einfaches Band um den Kranz und hängt ihn in den Verkaufsraum.
Der Laden und das Angebot
Zuvor hat sie mir das liebevoll dekorierte Ladenlokal und die Arbeitsräume gezeigt. Da im Moment sommerliche Temperaturen herrschen und Ferienzeit ist, gibt es weniger Kundschaft im Blumengeschäft. Arbeit, die gemacht werden darf, hat es auf alle Fälle. Nach den Sommerferien hat sie den Auftrag, ein Restaurant neu zu dekorieren. Auch diese Gestecke und Arrangements bereitet sie so weit wie möglich vor. Es kommen aber immer wieder Gäste aus dem Café und nehmen ein Mitbringsel, einen Gutschein oder eine Deko mit. Da heisst es jeweils die Arbeit weglegen und die Kundschaft bedienen. Heute Morgen bin ich stille Beobachterin, arbeite weiter oder gebe Auskunft. Die Zeit fliegt nur so dahin.
Ein Ruf aus der Küche zeigt, dass ich für den Service von Stammgästen auf der Terrasse benötigt werde. Mit Block und Bleistift heisst es vorbeigehen. Weil mir die Gäste zum Teil bekannt sind, gibt es erst ein Hallo und dann nehme ich die Getränkebestellungen auf. Hinter der Theke gebe ich die Bestellung ab und bereite die Tablare für den Kaffee vor. Unterteller, Zucker, Rahm, ein Gebäck und einen Löffel dazulegen. Alles auf das schöne, kleine Serviertablett, denn hier wird der Kaffee mit viel Liebe zum Detail serviert. Diese Liebe für die kleinen Gesten und die Gastfreundschaft machen es aus. Nun muss nur noch die Kaffee- oder Espressotasse gesetzt werden. Karin Amstutz, die Chefin vom Café und frischgebackene Wirtin, hält mir die Tür auf. Natürlich habe ich den Espresso und den Kaffee verkehrt herum gesetzt, doch die Gäste nehmen es mit Humor und helfen mit.
Heimische Gewächse
Die Spezialität des «Floristik & Kaffee natürlichschön» sind Trockenblumen und einheimische Gewächse, die sie als Gestecke und Mitbringsel anbieten. Diese werden frisch oder trocken verarbeitet. Doch auf Bestellung arbeiten sie auch mit frischen Schnittblumen. Die Geschäftsausrichtung, so erklärt die leidenschaftliche Floristin, «passen wir der Nachfrage unserer Kunden an».
Einen Strauss binden
Nun darf ich nach kurzer Einweisung einen Strauss aus Sonnenblumen, Kugeldisteln, Gräsern, Staticen und Zweigen mit Fruchtstand zusammenstellen. Damit mir dies leichter fällt und ich die Spiraltechnik nicht anwenden muss, hat sie mir eine hohe Vase hingestellt. Die Pflanzen stecke ich im 45-Grad-Winkel ein und positioniere sie so, dass der Strauss eine runde Form erhält – mit einer Abstufung vom höchsten Punkt aus, damit es harmonisch verläuft. Darauf hat sie mich hingewiesen und die nächsten Blumenköpfe etwas tiefer gesetzt, mit einer gleichmässigen Anordnung, damit der Strauss am Ende von allen Seiten gut zur Geltung kommt. Mit den Hilfsmitteln und der Freude, etwas gestalten zu dürfen, wird auch der Strauss fertig und kann im Verkaufsraum platziert werden. Verkauft wird er nicht. Ich bekomme ihn als Geschenk für meine Arbeit. Wobei ich eher ein Geschenk hätte dalassen sollen. Ich hatte Spass, in die Arbeit der beiden Gastgeberinnen zu blicken, einzutauchen und einen halben Tag mitzuarbeiten.
Ein Jahr mit lieben Stammgästen
Dass es nicht nur mir gefällt, sondern auch den Gästen, zeigen die zahlreichen Stammgäste, die auch an einem Dienstagvormittag in der Sommerferienzeit die Terrasse des ehemaligen Restaurants Krähenbühl bevölkern. Nun ist es bereits ein Jahr her, dass Priska Häfliger und ihre Schwester Karin Amstutz den Laden von Beinwil nach Mühlau verlegt haben. Denn am ehemaligen Standort verändert sich die Situation. Damals kam die ehemalige Wirtin des «Krähenbühl» zu Häfliger ins Geschäft und ein Wort gab das andere. Am Schluss waren beide glücklich. So haben sich auch Freundschaften mit Musikern aus dem süddeutschen Raum ergeben, die an der Eröffnung waren und nun just an der Feier zum einjährigen Bestehen dabei sein werden. Der Wunsch, hier zu spielen mit der Kleinformation «Polka-Freunde», war schon da. Und jetzt, wo es passt, ist auch gleich noch das Jubiläum. Am 21. August feiern sie auf alle Fälle vor dem «Floristik & Kaffee natürlichschön» in Mühlau.
«Redaktoren schnuppern»
In dieser Sommerserie blicken Redaktorinnen und Redaktoren hinter die Kulissen von anderen Berufen. Sie begleiten jemanden mindestens einen halben Tag lang, packen mit an und berichten darüber.
Bereits erschienen: Stefan Sprenger als Kosmetiker, Ausgabe vom 14. Juli, Thomas Stöckli als Hilfsarbeiter in der ARA, Ausgabe vom 21. Juli, Monica Rast im Hundesalon, Ausgabe vom 24. Juli, Sabrina Salm in der Tofurei Engel, Ausgabe vom 28. Juli, Annemarie Keusch im Werkhof Arni, Ausgabe vom 31. Juli, Josip Lasic bei der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee, Ausgabe vom 4. August, Roger Wetli auf der Baustelle im Grien in Fi-Gö, Ausgabe vom 7. August.



