Macht der Musik spielen lassen
09.06.2026 Region Oberfreiamt, Kultur, Kommende Events, TheaterOperette auf dem Niesenberg
Ein lauer Sommerabend mit Kultur und kulinarischem Genuss. «Ein einzigartiges Erlebnis», fasst es Hanna Matti zusammen. Genau das wird einem anfangs August an vier Abenden bei der Wirtschaft Niesenberg im Weiler Oberniesenberg ...
Operette auf dem Niesenberg
Ein lauer Sommerabend mit Kultur und kulinarischem Genuss. «Ein einzigartiges Erlebnis», fasst es Hanna Matti zusammen. Genau das wird einem anfangs August an vier Abenden bei der Wirtschaft Niesenberg im Weiler Oberniesenberg geboten. Denn dort findet wieder eine Operette statt: «Tylla spielt mit der Macht der Musik». Mit viel Herzblut ist ein Team um Hanna Matti mit dem Planen und Proben beschäftigt.
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Operette ist zurück im Oberniesenberg – Premiere am 2. August
Nach vier Jahren Unterbruch sind die «Fledermäuse» wieder mit einer Operette zu Gast bei der Wirtschaft Niesenberg. Ob es die letzte ist, das lassen die Organisatoren offen. Regisseurin und Projektleiterin Hanna Matti ging für das Stück auch zurück in ihre eigene Jugend.
Annemarie Keusch
«Till.» So wurde Hanna Matti in der Mittelschule immer wieder genannt. «Warum? Seiltanzen konnte ich nicht», sagt sie und lacht. Vielmehr war es ihre Lust am Organisieren, ihr Drang, etwas auf die Beine zu stellen, was ihr diesen Übernamen gab. Ihr neustes Werk «Tylla spielt mit der Macht der Musik» ist inspiriert von dieser Geschichte. «Nicht autobiografisch, sondern inspiriert durch Till Eulenspiegel», betont Hanna Matti. Sie ist Mitgründerin des Operetten-Ensembles «Die Fledermäuse», schrieb das Stück, ist Regisseurin, Projektleiterin. «Ich mache alles», meint sie lachend. Sie organisiert Anproben der Kostüme, macht das Budget, am Schluss die Abrechnung. «Seit Herbst ist dieses Operetten-Projekt quasi ein Vollzeit-Job», führt sie aus. Einer, den sie mit unbändiger Leidenschaft und Akribie ausfüllt. «Ich kann gar nicht anders. Seit ich angefangen habe zu singen, ist das so.»
Vier Jahre sind seit der letzten Operette auf dem Niesenberg vergangen. «Auch weil die musikalische Leiterin zwischenzeitlich bei anderen Produktionen mitwirkte», erzählt Hanna Matti. Ersatz zu finden, das wäre nicht einfach gewesen. Denn Sabine Bachmann (musikalische Leitung) gehört seit quasi dem Anfang der «Fledermäuse» zum Team. Ähnliches gilt für ihren Mann Sven Bachmann, der im Ensemble Klarinette spielt und auch eine Sprechrolle übernimmt. Beide sind Urgesteine des Salonorchesters «La Jalousie».
Aus Tyll wurde Tylla
Angefangen mit dem Schreiben ihrer neusten Operette hat Hanna Matti schon seit langer Zeit. «Als nach der letzten Aufführung ein Vakuum entstand und dieses gefüllt werden wollte.» Der Recherche-Aufwand sei gross gewesen. Weil sich Matti auf die Spuren Till Eulenspiegels machte. Dabei stiess sie auf das Buch «Tyll» des Autors Daniel Kehlmann. «Ich habe es regelrecht verschlungen.» Und sie liess sich inspirieren. Zu «Tylla spielt mit der Macht der Liebe». «Eine ganz andere Geschichte», verspricht die Regisseurin. Dass sie aus Tyll Tylla gemacht hat, habe keinen feministischen Hintergrund. Vielmehr habe die Frau in der aktuellen Welt einen ganz anderen Stellenwert. Dem wolle sie Rechnung tragen. Zudem sagt sie: «In der heutigen Welt voller Kriege will ich die Macht der Musik zeigen. Es wär viel schöner, wenn damit gespielt würde, anstatt mit Waffen.»
Entstanden ist eine Collage – unter anderem mit bekannten Melodien. Viel verraten will Hanna Matti diesbezüglich noch nicht. «Nur so viel: es wird eine Kostprobe aus Strauss’ ‹Die Fledermaus› geben.» Und wieder finden Chansons Eingang in ihr Werk. «Ich liebe diese Art von Musik. Logisch, gehört sie dazu, wenn ich selbst eine Operette schreibe.» Die Strassensängerin Tylla macht im Werk musikalische Sprünge durch die Jahrhunderte. Vier Schauplätze gibt es dabei: einen Dorfplatz im Spätmittelalter, den Prater Beisl zur «Reblaus», bei den Zigeunern in der Puszta und beim Hofopernball in Wien. Matti bleibt dabei nicht nur im Hintergrund. Auf ihrer Reise trifft Tylla die «Alte» und reist mit ihr durch das vom 30-jährigen Krieg zerrüttete Europa. Matti übernimmt die Rolle dieser «Alten».
Einst von Birrwil in den Weiler Oberniesenberg
Die Organisatoren freuen sich auf vier laue Sommerabende (2., 3., 4. und 7. August). Auf die Kombination von Operette und kulinarischem Genuss. Der Bühnenbau hat gestartet. «Wir freuen uns», sagt auch Jürg Meyer, Wirt und Besitzer der Wirtschaft Niesenberg. Die Operette ist seit 2009 bei ihm zu Gast. «Vorher spielten wir auf einer schwimmenden Bühne bei der Schifflände in Birrwil», erinnert sich Ulrich Fischer, verantwortlich für die Kommunikation. Der Uferschutz und die angeblich durch die Operette aufgescheute Nachtigall setzten diesem Projekt ein Ende. Meyers Mutter wirtete damals in der Schifflände und verwies an ihren Sohn.
«Schon damals antwortete er pragmatisch, wie er ist, und meinte, dann sollen wir eben zu ihm kommen.»
Die Operette auf dem Niesenberg ist eine Erfolgsgeschichte. Auch für Meyer. «Eine willkommene Abwechslung aus dem Alltag. Es gibt viel zu tun, aber es lohnt sich immer wieder.» Es ist die Ruhe, die Atmosphäre, die an diesem Ort geschätzt wird. «Und die zentrale Lage zwischen Seetal und Freiamt», sagt Ulrich Fischer. Dennoch, die kommende Operette könnte die letzte der «Fledermäuse» sein. «Vielleicht. Ich mag es nicht, in die Zukunft zu blicken, und fokussiere mich lieber auf das Hier und Jetzt», sagt Hanna Matti.
Eingeladen, das Outfit an Reisestationen anzupassen
Die entsprechenden Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der Vorverkauf ist angelaufen. «Es hat noch Tickets für alle Vorstellungen», sagt Meyer dazu. Nach vier Jahren Pause bestehe die Gefahr, in Vergessenheit geraten zu sein. Aber es ist auch die Chance, dass viele Stammgäste die Operette auf dem Niesenberg vermisst haben. «Dem ist durchaus so. Wir alle wurden in den letzten Jahren immer wieder darauf angesprochen», führt Meyer aus.
Sven Bachmann spricht von einem «Fest der Sinne», das auf das Publikum wartet. Von einem kulturellen Höhepunkt, der einzigartig geworden ist. «Das muss man gesehen haben», sind sich die Organisatoren einig. Übrigens werden Besucherinnen und Besucher, die Lust haben, am Aufführungsabend ihr Outfit einer von Tyllas ausgewählten Reisestationen anzupassen, dazu durchaus ermuntert. Zum Schluss wird das Publikum jeweils zum Tanzen eingeladen.
Informationen: www.diefledermaeuse.ch. Tickets, samt Nachtessen: Telefon 056 666 12 18, jeweils Montag bis Freitag, 9 bis 11 Uhr und 16 bis 18 Uhr.

