Leicht fällt es ihr gar nicht
12.06.2026 Region Oberfreiamt, Geltwil, Porträt, Arbeit, GewerbeAm 9. August ist Schluss – Cornelia Stähli nimmt Abschied von «ihrem» Restaurant Strebel
Das Herzblut ist nicht weg. Und es ist nicht, weil im «Strebel» die Gäste ausbleiben. «Aber irgendwann geht mir die Kraft aus», sagt Cornelia Stähli. Seit bald 15 Jahren wirtet und wohnt sie in Geltwil. Am 9. August verlässt sie das Restaurant. «Es geht ein Lebensabschnitt zu Ende.»
Annemarie Keusch
Leicht war es anfänglich nicht. «Obwohl ich in etwa wusste, was auf mich zukommt.» Schliesslich hatte Cornelia Stähli bereits einmal im «Strebel» gearbeitet. Und trotzdem war der Schritt in die Selbstständigkeit kein einfacher. Auch wenn es von Anfang an gut lief, die Gäste kamen. «Das Aufhören ist nun aber bedeutend schwieriger als damals das Anfangen.» Immer wieder während des Gesprächs füllen sich Cornelia Stählis Augen mit Tränen. Dass sie nach wie vor mit viel Herzblut dabei ist, das sagt sie nicht nur, sondern das ist auch deutlich spürbar. Entsprechend blickt sie dem nahenden Abschied nicht mit Ungeduld entgegen. «Im Gegenteil.»
Eine Schliessung drohte im «Strebel» schon vor rund eineinhalb Jahren. Die Personaldecke in der Küche wurde immer dünner, Bewerbungen gingen keine passenden ein. Obwohl sich diese Situation leicht entschärft hat, sagt Cornelia Stähli: «Wir sind seit viereinhalb Jahren am Kämpfen, damit wir das Restaurant Tag für Tag offenhalten können.» Dass damit ein grosser Aufwand einhergeht, liegt auf der Hand. «Ohne ehemalige und pensionierte Mitarbeitende, die uns immer wieder unterstützten, hätten wir das nie geschafft.»
Viel mehr als ein Arbeitsort
Am 9. August ist dennoch Schluss. «Weil mir irgendwann die Energie ausgeht und weil sich der Körper bemerkbar macht.» Stähli kämpft gegen Fussbeschwerden. Die vielen 15-Stunden-Tage in den letzten 15 Jahren haben eben Spuren hinterlassen. «Ich habe es immer gerne gemacht und daran hat sich noch nichts geändert. Der Entscheid basiert auf Vernunft und entspricht dem Wunsch, es fortan etwas ruhiger nehmen zu können. Aber eben, leicht fällt ihr der Abschied ganz und gar nicht. Etwa von den Gästen. Viele sind über die Jahre zu Freunden geworden. «Der ‹Strebel› ist für sie ein zweites Zuhause», weiss Cornelia Stähli. Sie hofft, dass die Besitzer des Restaurants erfolgreich nach neuen Wirten suchen. «Aber mir ist durchaus bewusst, dass das alles andere als einfach ist. Für die vielen Stammgäste würde mir das sehr leid tun.» Es geht aber auch um den Ort. Denn Stähli hat nicht nur hier gewirtet, sondern auch gelebt – mit ihrem Partner, zwei Ponys, einem Pferd, Ziegen und Hühnern. «Entsprechend war das für mich seit jeher viel mehr als ein Arbeitsort. Und entsprechend geht jetzt quasi ein Lebensabschnitt zu Ende.» Übrigens sucht sie noch einen geeigneten Platz für ihr Pferd und zwei Ziegen.
Der Abschied ist jeden Tag präsent und wird es mit jedem weiteren Tag etwas mehr. Am 9. August ist Schluss. «Warum dann? Weil wir dann jeweils in unsere Sommerferien starteten.» Aber das ist nicht der einzige Grund. Per Herbst können Stähli und ihr Partner ihr neues Zuhause, eine Wohnung, in Bettwil beziehen. «So passt es für uns entsprechend ideal.»
Aufräumen hat bereits begonnen
Zum letzten Mal hat sie nun «ihr» Restaurant für den Sommer dekoriert. «Das sind natürlich Momente, in denen mir der nahende Abschied schwerfällt.» Wenn am Morgen die Schmerzen am ganzen Körper stark sind, dann sei sie sich aber sicher, den richtigen Entscheid getroffen zu haben. Auch wenn die Gäste und auch die Mitarbeitenden traurig darüber sind. Das Aufräumen hat bereits begonnen. «Natürlich hat sich in den 15 Jahren einiges angesammelt», sagt die 56-Jährige und lacht. Ganz viel Dekoratives beispielsweise. «Fast jedes Stück hat eine Geschichte. Entsprechend fällt es mir nicht leicht, Dinge wegzuwerfen.» Das tut sie auch nicht. «Erst wenn ich weiss, dass ich es sicher nicht mehr brauche.» Was heisst das bezüglich ihrer beruflichen Zukunft? «Spruchreif ist noch nichts. Selbstständig werde ich aber ganz sicher nicht mehr tätig sein.» Das heisst nicht, dass Cornelia Stähli diesen Schritt rückblickend je bereut hat. Auch wenn sie in all den 15 Jahren abends immer die Letzte war. Auch wenn sie viel investiert hat. Auch wenn sie kämpfen musste. «Die vielen schönen Momente mit den Gästen haben das alles immer wettgemacht.» Und Stähli hat im Wirten ihre Passion gefunden und im «Strebel» ein Zuhause.
Mehr Zeit für Unternehmungen
Nun naht aber das Ende. Am 9. August schliesst das Restaurant, am 11. steht die Ustrinkete für die Stammgäste an. «Ich hoffe, nicht den ganzen Tag zu weinen.» Vorfreude empfindet sie trotzdem nicht. «Noch nicht. Viel eher macht mir dieser Tag Angst.» Auch wenn Stähli um die Vorzüge weiss, die ihr das künftige Leben bereithält. Mehr Zeit für sich, für die Familie, um etwas zu unternehmen. «Natürlich freue ich mich darauf. Auch wenn es anfangs ungewohnt sein wird.»
Die vielen schönen Momente, sie werden bleiben. An die Silvester-Nächte, die Emmentaler Abende, an unzählige schöne Begegnungen, laue Sommerabende auf der Terrasse und an die Ausflüge mit dem Personal. «Es gab so viele schöne Momente, jeden Tag. Und ich darf zufrieden zurückblicken», sagt Cornelia Stähli. Zuerst richtet sich ihr Blick aber noch nach vorn. Auf die letzten zwei Monate in «ihrem» Restaurant. Und noch weiter darüber hinaus. «Mitarbeitende in der Küche und im Service suchen nach wie vor neue Anstellungen», sagt sie beispielsweise. Stähli sagt nicht nur, dass ihr die Mitarbeitenden wichtig sind, sie lebt es eben auch. «Viele haben uns über all die Jahre begleitet. Das macht es nicht einfacher.» Die Dankbarkeit für die Treue ist spürbar. Nicht nur den Mitarbeitenden, sondern auch den Gästen gegenüber. «Ich hoffe umso mehr, dass die Geschichte des ‹Strebels› mit meinem Abschied nicht zu Ende geht.»
Gutscheine können noch bis am 20. Juli eingelöst werden.

