Isi – die Schulkatze

  07.07.2026 Bremgarten, Schule

Das Bremgarter Schulhaus Isenlauf hat offiziell eine tierische Bewohnerin

Sie hat sich ihre Heimat selbst ausgesucht. Mit viel Beharrlichkeit, Charme und einer guten Seele hat es «Isi» am Ende geschafft. Die Verantwortlichen der Schule Isenlauf haben die Katze offiziell adoptiert. Täglich bereichert sie hier den Alltag von rund 200 Schülerinnen und Schülern, welche ihre fellige Freundin während der Sommerferien vermissen.

Marco Huwyler

Katzen haben bekanntlich ihren eigenen Willen. Und so liess sich «Isi» partout nicht blicken, als die Presse ihretwegen zu Besuch war. «Vielleicht ist sie gerade bei den Lamas. Sie legt sich gerne zu denen ins Gras», lächelt Maja Landolt. «Oder im Schwimmbad. Dort war sie gestern den ganzen Tag.» Eine wahrlich exklusive Nachbarschaft. Die ist einem gewiss, wenn man das Bremgarter Schulhaus Isenlauf seine Heimat nennt. Und ob die Therapietiere der St. Josef-Stiftung oder die abkühlungs- und sonnenhungrigen Gäste der Badi – sie haben alle jeweils Freude, wenn Isi bei ihnen aufkreuzt. Genauso, wie natürlich die rund 200 Kinder der Bremgarter Sereal. Isi ist eine Sympathieträgerin ohnegleichen.

Haustier am Arbeitsplatz

«Wenn ich am Morgen komme, sitzt sie oft schon bei einer Schülerin oder einem Schüler auf dem Schoss und lässt sich streicheln», erzählt Landolt. Sie ist Leiterin des Hausdiensts im Isenlauf. Und seit ein paar Wochen offiziell zweifache Katzenbesitzerin. Zu ihrem felligen Liebling zu Hause in Nesselnbach gesellte sich jüngst Isi in das landoltsche Haustierregister. Wobei sich die beiden Katzen der Hauswartin noch nie begegnet sind und dies voraussichtlich auch nicht tun werden. Denn das Katzentürchen von Isi – dank Chip exklusiv für sie zugänglich – führt nicht ins Daheim ihres Frauchens, sondern an deren Arbeitsplatz. Direkt ins Schulhaus Isenlauf. Dort, in der Fensterfront neben dem Eingang, wurde es in diesen Tagen angebracht. «Zuerst hat es etwas gedauert, bis sie merkte, dass sie nun nicht mehr auf Schüler zu warten braucht, um durch die Tür reinzuhuschen, doch mittlerweile hat sie es kapiert», lacht die Hauswartin. Isi ist zur Schulkatze geworden, die hier ein- und ausgehen darf, wies ihr beliebt.

Isi tut allen gut

Das Bestreben, das Büsi zu adoptieren, geisterte schon länger durch die Bremgarter Schulräumlichkeiten. In den Bemühungen dafür wurde Hauswartin Landolt stets von den Kindern und grossen Teilen der Lehrerschaft unterstützt. «Uns geht das Herz auf, wenn wir sehen, wie wichtig sie für manche Schüler geworden ist und wie liebevoll sich der gegenseitige Umgang zwischen Tier und Kindern gestaltet», sagt Stefan Dietrich. Und Kollegin Nicole Oehninger ergänzt: «Isi ist Seelentrösterin, Glücksquelle und Inspiration zugleich für unsere Kinder.» So wurde sie beispielsweise auch schon im Malunterricht gezeichnet, im Werken gebastelt und war Thema bei Aufsätzen. «Und wenn sie beschliesst, mal während einer Schulstunde in ein Klassenzimmer zu schauen, legt sie sich hin und hört scheinbar aufmerksam zu. Damit ist sie ein prima Vorbild», lacht Dietrich. «Fehlt nur noch, dass sie beginnt, Französisch zu sprechen», witzelt der Lehrer. «Isi ist auf jeden Fall auch pädagogisch wertvoll für uns.»

Zuerst unerwünscht

Dabei war es freilich nicht immer so, dass die Katze im Isenlauf ein gern gesehener Gast war. Im Gegenteil. «Wir haben immer wieder Anläufe genommen, sie von der Schule fernzuhalten», erklärt Oehninger. Man wollte sie nicht zu sehr an das Gebäude und die Schülerinnen und Schüler gewöhnen. Schliesslich hatte sie ein anderes Zuhause und andere Besitzer – in einer Wohnung der unmittelbaren Umgebung. Doch Isi liess sich nicht fernhalten vom Schulhaus. Immer wieder ist sie in einem unbeobachteten Moment reingehuscht. «Ich war einige Male spät abends nochmals da, um sie rauszulassen – wenn mir mal wieder jemand mitteilte, dass Isi eingesperrt sei», erzählt Dietrich, der ebenfalls in der Umgebung wohnt.

Zeitweise wurde die Katze nach einem Gespräch zwischen Schulleitung und Besitzerpaar für ein paar Wochen in der Wohnung eingesperrt, um ihr die hartnäckigen Schulbesuche abzugewöhnen. Ohne Erfolg. «Am ersten Tag ihres nächsten Freigangversuchs war sie wieder da», lacht Hauswartin Landolt. Und in ihr eigentliches Zuhause ging Isi, die eigentlich Findus hiess, irgendwann gar nicht mehr. «So stellte sie uns letztlich selbst vor die Wahl: Adoption oder Tierheim», berichtet Oehninger. Und Letzteres brachte niemand übers Herz. So liess sich die Schulleitung erweichen. Und nachdem auch die politische Vorsteherin im Rathaus ihren Segen erteilt hatte, wurde die Katze von der Schule übernommen und Hauswartin Landolt als offizielle Besitzerin bestimmt. Die Kinder hatten sie da schon längst umgetauft. In «Isi» – nach dem Schulhaus «Isenlauf». So steht es nun auch im «Katzenpass».

Fütterplan für Sommerferien

«Wir haben uns sehr darüber gefreut», lächelt Schülerin Telsa. Gemeinsam mit anderen Kindern und der Hauswartin hat sie Isi ein Plätzchen eingerichtet. Beim Eingang neben der Fundgrube. «Früher hat sie immer dort in den Kleidern in der Kiste geschlafen», schmunzelt die 14-Jährige. Nun hat Isi gleich daneben ein eigenes Bettchen erhalten. Und natürlich ihren Futternapf. «Das Füttern übernehmen wir gemeinschaftlich. Jeder schaut, dass das Schälchen nie leer ist und Isi auch immer Wasser hat», berichtet Hauswartin Landolt. Während des Schuljahres funktionierte dies prima. Jetzt, während der Sommerferien, ist die Organisation schwieriger. «Doch gemeinsam meistern wir das», sagt Landolt, die mit ihrem Team einen Fütterungsplan erstellt hat.

«Eine speziell coole Katze!»

Abgesehen davon dürfte es Isi ein bisschen langweilig werden in den nächsten Tagen. Auch wenn die «Prinzessin» ihren selbsterwählten «Palast» (O-Ton Dietrich) nun ganz für sich alleine hat. «Wahrscheinlich gefällt ihr das nicht so», mutmasst Oehninger. «Sie ist ein sehr geselliges Wesen. Sie mag es, mitten unter Menschen zu sein.» Isi sei geradezu lärmresistent. «Wenn man weiss, welchen Geräuschpegel Schulkinder im Verbund entwickeln können und sieht, wie sie gleichzeitig tiefenentspannt schnurrt und schläft, ist das beeindruckend», lacht die Lehrerin. «Isi ist extrem tolerant und auch selbstbewusst. Eine sehr spezielle Katze», findet auch Dietrich. «Eine speziell coole!», präzisiert Telsa prompt. Für die Teenagerin steht fest – sie wird auch während der Ferien – und nach ihrem eben erlangten Abschluss – des Öfteren im Isenlauf vorbeischauen. Selbstredend nicht aus Sehnsucht nach dem Schulstoff oder Lehrkräften. Und im Gegensatz zur Presse, dürfte Isi ihrem Streichelbesuch kaum die kalte Schulter zeigen. Denn kurz nachdem der Journalist verschwunden war, tauchte sie wieder auf. Wer Isi begutachtet und fotografiert, bestimmt die Schulkatze offensichtlich genauso selbst, wie wo sie wohnt.


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