Die Ausstellung «100 Jahre Reformierte Kirche Wohlen» wurde mit einem Gottesdienst feierlich eröffnet
Der reformierte Gottesdienst am letzten Sonntag stand ganz im Zeichen der von Christine und Martin Bruggisser realisierten Jubiläumsausstellung, die ...
Die Ausstellung «100 Jahre Reformierte Kirche Wohlen» wurde mit einem Gottesdienst feierlich eröffnet
Der reformierte Gottesdienst am letzten Sonntag stand ganz im Zeichen der von Christine und Martin Bruggisser realisierten Jubiläumsausstellung, die über die herausfordernde Entstehungsgeschichte der Kirche Wohlen informiert.
Walter Minder
Der Weg, bis am 12. September 1926 die Reformierte Kirche Wohlen eingeweiht werden konnte, war herausfordernd (siehe auch Ausgabe vom vergangenen Freitag). Bereits vor Beginn des Gottesdienstes, in den die Eröffnung der Jubiläumsausstellung eingebettet war, vertieften sich die ersten Besucherinnen und Besucher in die von Martin Bruggisser mit den von seiner Frau Christine recherchierten Dokumenten, Fotos und Texten gestaltete Ausstellung, die sehr gut ins Ambiente des 1974/75 renovierten Kirchenraums passt.
Organistin Nadine Barandun eröffnete den Gottesdienst, ein passendes Geburtstagsgeschenk für die jubilierende Kirche. Pfarrerin Sabine Herold erwähnte in ihrer Begrüssung, ursprünglich sei dieser Gottesdienst als ganz normaler Gottesdienst geplant gewesen. «Dann gestalteten Bruggissers die beeindruckende Jubiläumsausstellung und wir möchten mit dem heutigen Gottesdienst die Gemeinde ‹gluschtig› auf den Besuch machen.»
Ein Blick in die Vergangenheit
Dann wies Bruggisser darauf hin, dass seine Frau gut eineinhalb Jahre in Archiven und weitere Quellen recherchiert hat, um den steinigen Weg bis zur Einweihung der Reformierten Kirche sachlich und historisch korrekt aufzuzeigen. Bis ins 19. Jahrhundert, als durch die Industrialisierung und durch den Ausbau der Strasse über den Mutschellen als Teil der wichtigen Verbindung zwischen Bern und Zürich vermehrt Reformierte ins Freiamt kamen, mussten diese für Gottesdienstbesuche den langen Fussweg nach Dietikon oder Ottenbach unter die Füsse nehmen. Die Aufhebung der Aargauer Klöster im Jahr 1841 sorgte aber dafür, dass diesen im Freiamt ein ziemlich kühler Wind ins Gesicht blies. Christine Bruggisser erwähnte, wie in Wohlen der Wunsch nach einer eigenen Reformierten Kirche wuchs, dass schwierige äussere Umstände wie der Landesstreik 1918, die Folgen des Ersten Weltkrieges, die Spanische Grippe 1918/19 oder die verheerende Maulund Klauenseuche 1919/20 die Zielerreichung aber stark beeinträchtigten, bis die neue Kirche auf dem Hübelacker beim Bahnhof endlich stand.
Auch heute grosse Herausforderungen
Pfarrerin Herold weiter: «Unsere Kirche befindet sich auch heute in einer schwierigen Lage und ich hoffe, dass wir gemeinsam mit Mut die Herausforderungen angehen, wie seinerzeit die Reformierten im Bünztal das Projekt einer eigenen Kirche in Wohlen.» In ihrer sinnreichen Predigt stand die passende Frage «Wo wohnt Gott?» im Mittelpunkt. Ihre abschliessende Antwort: «Gott wohnt nicht in einem Gebäude aus Stein, Gott wohnt dort, wo man ihn hereinlässt.» Michael Stalder, Kirchenpflegepräsident der Reformierten Kirchgemeinde Wohlen-Villmergen, drückte seine grosse Freude über die beiden Initianten der Jubiläumsausstellung aus. «Geschichte bewahrt sich nicht von selbst, dazu hat es auch in unserem Fall grosse Arbeit in Archiven gebraucht. Christine und Martin Bruggisser haben uns mit der Jubiläumsausstellung ein grosses Geschenk und bleibendes Erbe gemacht.» Sie durften dafür einen schönen Geschenkkorb und einen starken Applaus der Gottesdienstbesuchenden in Empfang nehmen.
Ausstellung bis Ende November
Pfarrerin Herold wies abschliessend darauf hin, dass die Ausstellung bis Ende November jeweils an den Gottesdiensten besichtigt werden kann. «Zudem werden Christine und Martin Bruggisser einmal wöchentlich die Türen der Kirche für Besuchende der Ausstellung öffnen.» Die genauen Daten werden auf der Website www.refwohlen.ch publiziert.