«Ich fühle mich geehrt»
09.01.2026 Wohlen, Parteien, Politik, EinwohnerratErste Sitzung der neuen Amtsperiode am Montag (19 Uhr) im Casino
Das Dorfparlament steigt in die neue Legislaturperiode. Und die erste Sitzung ist den Wahlen reserviert. Julia Frischknecht (GLP) wird ziemlich sicher zur neuen Einwohnerratspräsidentin gewählt. ...
Erste Sitzung der neuen Amtsperiode am Montag (19 Uhr) im Casino
Das Dorfparlament steigt in die neue Legislaturperiode. Und die erste Sitzung ist den Wahlen reserviert. Julia Frischknecht (GLP) wird ziemlich sicher zur neuen Einwohnerratspräsidentin gewählt. Und der Rest ist reine Spekulation.
Daniel Marti
Es ist dem neuen Gemeindeammann Roland Vogt überlassen, die neue Amtsperiode des Einwohnerrates zu eröffnen. Eine kurze Ansprache soll es werden, liess er verlauten. Danach wird er das erste Wahlgeschäft durchführen. Dann wird die neue Einwohnerratspräsidentin das Zepter übernehmen. Das wird aller Voraussicht nach Julia Frischknecht sein. Nur einmal wurde in der 60-jährigen Geschichte des Einwohnerrates der Vizepräsident nicht zum Präsidenten gewählt. Der erfolgreichen Wahl von Frischknecht steht nichts im Weg.
Royaler Beigeschmack
Es müsse erst gewählt werden am Montag, aber «zugegebenermassen sieht es ganz gut aus», so Julia Frischknecht auf Anfrage. Natürlich, sie verspürt Vorfreude. «Ich fühle mich geehrt, ein solches Amt ausführen zu dürfen.» Für sie sei es jedoch nach wie vor «etwas surreal, als höchste Wohlerin» bezeichnet zu werden.
Frischknecht, die mitten im Politalltag gerne auch mal lacht und nicht immer alles so ernst nimmt, findet auch einen humorvollen Ansatz. Der Titel «Höchste Wohlerin» habe irgendwie einen «royalen Beigeschmack und im Zuge des wiederaufkeimenden Imperialismus ist das etwas fad im Abgang. Das sage ich natürlich nur, bis ich an der Macht bin», erklärt sie spasseshalber. Danach werde sie ihre Pläne zur «Einnahme der umliegenden Gemeinden aus ressourcentechnischen Gründen offen legen», meint sie mit einem Wink Richtung Weltpolitik. «Villmergen sollte mit einem offenen Auge schlafen», sagt sie schmunzelnd.
Von welcher Partei kommt der neue Vize?
Sollte Julia Frischknecht tatsächlich zur neuen Einwohnerratspräsidentin gewählt werden, geht dieses hohe Amt erstmals an die Grünliberalen. Nun stellt sich auch die Frage, wer denn künftig das Vizepräsidium bekleiden wird. Das ist dann die designierte Einwohnerratspräsidentin oder der designierte Einwohnerratspräsident der Jahre 2028 und 2029.
Deshalb liegt die Spannung bei der ersten Einwohnerratssitzung des Jahres vor allem bei der Wahl des Vizepräsidiums. Nur: Wer ist überhaupt jetzt an der Reihe? Von den letzten acht Präsidien – Julia Frischknecht eingerechnet – waren drei bei der SVP, zwei bei der Mitte, je eines bei FDP, SP und GLP.
Die Präsidien seit 2012: Marlis Spörri, SVP, 2012 und 2013. – Ariane Gregor, Mitte, 2014 und 2015. – Andrea Duschén, FDP, 2016 und 2017. – Edi Brunner, SVP, 2018 und 2019. – Meinrad Meyer, Mitte, 2020 und 2021. – Cyrille Meier, SP, 2022 und 2023. – Marc Läuffer, SVP, 2024 und 2025. – Julia Frischknecht, GLP, 2026 und 2027.
Gemäss den letzten vierzehn Jahren wäre nun eigentlich die FDP an der Reihe. Und an zweiter Stelle würde die Mitte folgen. Die Parteispitzen geben da recht unterschiedlich Auskunft, und wenig Inhaltliches. FDP-Fraktionspräsident Lionel Zingg sagt auf Anfrage: «Ich kann die Frage zum Vizepräsidium Einwohnerrat leider nicht beantworten.» Mitte-Präsidentin Stefanie Dietrich wird schon ein wenig konkreter: «Nein, die Mitte wird am Montag keine Kandidatur für das Vize-Einwohnerrats-Präsidium stellen.»
Warum diese Zurückhaltung? Die Parteien haben an ihrer sogenannten Elefantenrunde mit den Präsidien Stillschweigen vereinbart. Also, man muss sich am Montagabend überraschen lassen.
SVP will Wähleranteile geltend machen
Welche Rolle spielt die SVP? Sie ist die Wahlsiegerin des vergangenen Herbsts. «Ich darf nichts sagen», so Parteipräsident Roland Büchi. Wobei beim Ratspräsidium die SVP im letzten Jahr mit Marc Läuffer noch am Ruder war. Man werde die Wähleranteile geltend machen und die SVP werde diese Stärke im Einwohnerrat abbilden wollen, erklärt Büchi noch. Mehr Infos gibt auch er nicht.
Grünliberale, Mitte und eigentlich auch die SVP, weil sie soeben dran war, fallen theoretisch im Rennen ums Vizepräsidium weg. Bleiben noch FDP, SP, Grüne. Wobei eine Doppelbesetzung des Ratsbüros durch die linke Seite auch nicht unbedingt denkbar ist, zumal links und grün im Wahlherbst zu den Verlierern zählten. Oder eben doch wieder die SVP? Oder der Dorfteil Anglikon? Der erfahrene Einwohnerrat Mika Heinsalo winkt ab: «Nein, wir haben keine Ambitionen auf das Vizepräsidium.» Alles bleibt Spekulation.
Neun Neue, ein Comeback
Dies gilt auch für die wichtige und mächtige Finanz- und Geschäftsprüfungskommission. Hier gibt es neun Sitze zu verteilen. Die SVP, so sickerte durch, will hier unbedingt drei Mandate. Dies entspricht auch dem Wähleranteil. Und das FGPK-Präsidium? Dies lag die letzten beiden Jahren bei Daniel Heinrich (Mitte). Er war ein sehr kritischer Kommissionspräsident. Eigentlich nur gut für den Einwohnerrat. Ob es hier einen Wechsel gibt? Reine Spekulation.
Übrigens: Neun Personen erleben am Montag ihre Premiere im Einwohnerrat. Diese stammen von der SVP (6), Mitte (1), GLP (1) und Dorfteil Anglikon (1). Dagegen wird Ex-Gemeinderätin Denise Strasser von der FDP ihr Comeback im Dorfparlament feiern.
Dorfteil Anglikon wechselt zur Mitte
Fraktionswechsel im Einwohnerrat
Die Zweier-Vertretung des Dorfteils Anglikon wechselt die Fraktion. Von der FDP hin zur Mitte. Mit diesem Zuwachs kommt die Fraktion Mitte / Dorfteil Anglikon auf neun Sitze im Einwohnerrat. Die FDP bleibt auf vier.
Politische Anliegen wirksamer einbringen
Mika Heinsalso bestätigte schon Ende 2025, dass der Dorfteil Anglikon mit diversen Parteien das Gespräch führt betreffend Anschluss an eine Fraktion für die jetzt beginnende Legislatur. Nun ist der Entscheid gefallen: Der Dorfteil Anglikon verabschiedet sich von der FDP und schliesst sich künftig der Mitte an.
«Nach langjähriger Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Fraktion mit der FDP hat sich der Dorfteil Anglikon entschieden, die Fraktionszugehörigkeit im Einwohnerrat Wohlen zu wechseln. Ab sofort werden wir Teil der Fraktion Die Mitte sein», lautet die Stellungnahme. «Dieser Schritt erfolgt mit Blick auf die kommenden politischen Herausforderungen in unserer Gemeinde aus inhaltlichen und strategischen Überlegungen mit dem Ziel, unsere politischen Anliegen noch zielgerichteter und wirksamer einzubringen.»
Weiter bedanken sich die Vertreter des Dorfteils Anglikon für «die gute Zusammenarbeit mit der FDP in den vergangenen Jahren ausdrücklich und wünschen der FDP weiterhin viel Erfolg». Zudem wird versichert, dass «unsere politische Richtung und unser Engagement für eine verantwortungsvolle, sachorientierte und lösungsbasierte Gemeindepolitik unverändert bleiben». Die Einwohnerrätin Petra Koch und Einwohnerrat Mika Heinsalo freuen sich auf die kommende Zusammenarbeit mit der Partei Die Mitte, Einwohnerrat und Gemeinderat.
Die FDP bedauert
Was meinen die Freisinnigen zum Verlust des Fraktionspartners? «Mit dem Austritt von Hans-Rudolf Meyer aus dem Einwohnerrat hat die Hälfte der Gruppe des Dorfteils gewechselt. Deshalb ist es gut möglich, dass der Dorfteil Anglikon sich nun weiter links positioniert», sagt FDP-Fraktionspräsident Lionel Zingg. Und weiter: «Wir bedauern, dass sich der Dorfteil Anglikon für einen anderen Weg entschieden hat. Wir bedanken uns für die während vielen Jahren gute Zusammenarbeit und wünschen dem Dorfteil viel Erfolg im neuen Umfeld.» --dm

