Heiter, aber nicht plump
12.06.2026 Region Oberfreiamt, Theater, BünzenTheatergruppe Bünzen führt im Herbst «toi, toi, toi» auf – eine Eigenproduktion in allen Bereichen
Sie sind gefordert, im doppelten und dreifachen Sinn. Jonas Arnet ist Co-Autor und musikalischer Leiter, Patrick Grob OK-Präsident, Regisseur ...
Theatergruppe Bünzen führt im Herbst «toi, toi, toi» auf – eine Eigenproduktion in allen Bereichen
Sie sind gefordert, im doppelten und dreifachen Sinn. Jonas Arnet ist Co-Autor und musikalischer Leiter, Patrick Grob OK-Präsident, Regisseur und Co-Autor. «Ja, die Verantwortung ist gross», sagen die beiden. Ein Probenbesuch zeigt, dass dem in Bezug auf Begeisterung und Herzblut genauso ist.
Annemarie Keusch
Allzu viel verraten, das wollen Patrick Grob und Jonas Arnet nicht. «Noch nicht», sagen sie und lachen. «toi, toi, toi» heisst das neuste Werk, das die Theatergruppe Bünzen im Herbst auf die Bühne bringt. Es stammt aus der Feder der beiden langjährigen Freunde Grob und Arnet. «Das zu machen, war seit der Schule unser Traum», erzählen sie. In Bünzen, wo beide seit Jahren mitwirken, wird er nun wahr. Oder wurde genauer gesagt schon vor zwei Jahren wahr. «Uf de Ned Devine» hiess damals das Stück. Basierend auf dem Film haben Arnet und Grob ein Theaterstück geschrieben. «Jetzt gingen wir einen grossen Schritt weiter», sagt Patrick Grob. Das Theater basiert nicht mehr auf einer Geschichte, die es gab. Die beiden entwickelten und schrieben alles selbst.
Entstanden sei eine «irrwitzige Komödie – mit unverhofften Musikausbrüchen». Im Zentrum stehe eine Theatergruppe, die «Bünztaler Rampesäu», die eigentlich einen Schiller aufführen will. Aber was, wenn plötzlich die Besetzung der Hauptrolle verschwindet? Improvisieren. «Ich mache mir keine Sorgen, dass das Publikum oft lachen wird», sagt Jonas Arnet. Heiter sollte es sein, positiv, aber nicht plump. «Tiefe ist wichtig.» Gesellschaftliche Themen werden angesprochen. Etwa das Miteinander in einem Verein. Und es entstehen poetische Bilder. «Gerade in der aktuellen Zeit tut so etwas gut», ist Jonas Arnet überzeugt.
Bisweilen herrscht Hektik auf der Bühne
Screwball-Komödie – so liesse sich «toi, toi, toi» wohl am besten einordnen. Mit ganz viel auch skurrilen Momenten. «Die Logik des Handelns wird zugunsten der Komik auch mal beiseite gelassen», sagt Patrick Grob. Auf der Bühne wird es bisweilen hektisch zu und her gehen. Und das erst noch aus einer für das Publikum ungewohnten Perspektive. Bei ihrem ersten eigenen Theaterstück wagen die beiden Autoren also einiges. «Auch in der Inszenierung ist es nicht einfach», sagt Patrick Grob. Als Regisseur ist «toi toi toi» ebenfalls seine Premiere. Zudem amtet er als OK-Präsident der aktuellen Theaterproduktion.
Der Schreibprozess beschäftigte die beiden Freunde viele Monate. Schon im letzten Frühling begannen sie, Ideen zu sammeln. «Eine gute Idee ist noch lange keine gute Geschichte», sagt Jonas Arnet dazu. Zwischenzeitlich hätten sie kämpfen müssen. «Wir haben ganze Stränge und Charaktere wieder verworfen. Ja, einfach war es nicht immer.» Bei den ersten Leseproben im Februar war denn auch erst die Hälfte des neuen Stückes geschrieben. «Natürlich löste das auch etwas Druck aus.
Schliesslich hat die Theatergruppe uns das Vertrauen ausgesprochen und wir stehen in der Verantwortung.» Entsprechend gaben und geben sie Vollgas.
Schon früh vieles auswendig
Was sie dabei beflügelt und was auch beim Probenbesuch mehr als deutlich wird: der Rückhalt des Ensembles. «Sie leben das Stück förmlich», schwärmt Patrick Grob. Das werde darin deutlich, dass viele mit Herzblut zusätzliche Aufgaben wahrnehmen – ob beispielsweise im Bereich des Bühnenbilds oder der Requisiten. 17 Schauspielerinnen und Schauspieler stehen auf der Bühne
– zwei Kinderrollen sind doppelt besetzt. Die Proben laufen dabei auf Hochtouren und finden zweimal wöchentlich statt. «Es läuft wirklich gut, fast beängstigend», sagen Jonas Arnet und Patrick Grob. Grob mache seine Sache als Regisseur sehr gut, «aber er ist streng». Etwa, was das Auswendiglernen des Textes betrifft. Seit Anfang Monat bleiben die Textbücher in den Taschen. «Zum Glück nahmen es alle mit Humor, dass ich jeweils nicht zu denen gehörte, die den Text früh auswendig konnten.» Auch die Musikproben gehörten früh dazu. Jonas Arnet hat die meisten Stücke bereits komponiert. Wieder nimmt die Musik einen grossen Platz ein. «Relevant für die Handlung und gleichzeitig ein Lückenfüller», beschreibt es Arnet.
Zweistöckiges Bühnenbild
Noch bleiben vier Monate, bis es bei der Premiere am 10. Oktober ernst gilt. Zehn weitere Aufführungen werden folgen. «Natürlich hoffen wir, an die Erfolge des Vereins anknüpfen zu können», sagen Patrick Grob und Jonas Arnet. Dafür geben sie alles. Die Voraussetzungen sind gut. Der sehr offene Umgang miteinander. Das gemeinsame Lachen und trotzdem akribische Vorbereiten des Theaterstücks. Und auch die äusseren Umstände. «Wir können zwei Wochen früher als üblich auf die Bühne», sagt Patrick Grob. Gerade weil das Timing bei «toi, toi, toi» sehr wichtig ist, sei das ein grosser Vorteil.
Schritt für Schritt geht es vorwärts. Das Bühnenbild steht – und ist zweistöckig. Die einzelnen Szenen werden gemeinsam weiterentwickelt. Ob sie nun schon vor dem Text vom E-Scooter steigen soll? Wer ihm hilft, die Verkleidung anzuziehen? Antworten wird das Ensemble auch auf diese Fragen finden.
Mehr Infos: www.theater-buenzen.ch



