Gute Idee, aber falsche Zone
12.05.2026 Wohlen, EinwohnerratEinwohnerrat verfolgt die Umzonung der Parzelle des ehemaligen Forstwerkhofs nicht weiter
Der Forstwerkhof in Richtung Bremgarten steht seit Jahren leer. Ein Postulat verlangte, dass der Gemeinderat abklärt, ob darin zum Beispiel eine Waldschule eingerichtet werden ...
Einwohnerrat verfolgt die Umzonung der Parzelle des ehemaligen Forstwerkhofs nicht weiter
Der Forstwerkhof in Richtung Bremgarten steht seit Jahren leer. Ein Postulat verlangte, dass der Gemeinderat abklärt, ob darin zum Beispiel eine Waldschule eingerichtet werden könnte. Der Kanton verneint. Der Einwohnerrat nahm diese Antwort zur Kenntnis und schrieb das Postulat ab.
«Unsere Vorgänger kämpften sehr für dieses Anliegen», verteidigte sich Gemeinderat Olivier Parvex-Käppeli. «Es stimmt also nicht, dass er sich nicht dafür eingesetzt haben.» Er reagierte dabei auf einen Vorwurf von Ruedi Donat (Die Mitte). Dieser hatte zuvor erklärt: «Beim ersten lauen Lüftlein kapituliert unser Regierung vor der kantonalen Verwaltung und will nicht kämpfen.» Gleichzeitig lobte Donat aber auch den Gemeinderat: «Die Abklärungen sind sehr gut. Das Postulat sollte deshalb jetzt nicht abgeschrieben, sondern aufrechterhalten bleiben.» Überzeugen konnte Donat damit nur seine Fraktion.
Für den Kanton ist der Fall ganz klar
Aufgrund des Postulats klärte der Gemeinderat ab, ob der ehemalige Forstwerkhof oder Teile davon als Aussenstelle für die Schule oder für die Vereine nutzbar gemacht werden könnten. Die favorisierte Option war ein Schulstandort in Waldnähe, um den Naturbezug und die ökologische Bildung zu fördern. Die kantonale Abteilung für Baugesuche sieht dafür jedoch keine Möglichkeit, da sich der Forstwerkhof in der Landwirtschaftszone befindet. Auch die Antwort des Kreisplaners der Departements Bau, Verkehr und Umwelt fällt negativ aus. Laut ihm kann keine neue Spezialzone für die gewünschte Nutzung festgelegt werden.
Das akzeptiert die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK). Deren Sprecher Patrick Schmid betonte im Einwohnerrat: «Eine Umzonung ist aktuell nicht möglich und wird es wohl auch im Rahmen der bald anstehen Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) nicht sein.» Trotzdem solle man das Thema warm halten. «Und im Rahmen dieser Revision wieder aufgreifen. Auch wenn die Chance auf Erfolg klein ist.» Schmid erklärte, dass die FGPK der Abschreibung des Postulats einstimmig zustimme. Im Namen der Grünen sagte Schmid: «Wir würden eine Waldschule begrüssen.»
Den Jungen von heute die Natur näher zu bringen, das finden alle Parteien von links bis rechts gut. Sie sehen aber auch ein, dass es nichts bringt, wenn der Kanton sich sperrt. «Wir begrüssen die Idee einer Waldschule und bedauern die Abschreibung. Wir stimmen ihr aber zu», sagt etwa Simone Allenspach von der SP Die GLP findet die innovative Nutzung von brachliegenden Liegenschaften unterstützenswert. Sprecher Philipp Stäger: «Naturvermittlung soll stattfinden. Wir danken dem Gemeinderat für die Abklärung und stimmen für die Abschreibung.»
Gemeinderat Oliver Parvex-Käppeli erklärte, dass die Antwort des Kantons auch für den Gemeinderat sehr enttäuschen sei. «Wir sprechen weiterhin mit dem Kanton. In Frage für eine Nutzung dieses ehemaligen Forstwerkhofes kommen wohl Landwirtschaftsbetriebe und Gärtnereien.» Er versprach dem Einwohnerrat: «Wir suchen weiterhin nach einer Lösung.»
Aufrecht erhalten oder reine Zwängerei?
Den Sinn einer Waldschule sehen auch die Fraktionen der FDP und der SVP. Renato Hübscher von der SVP brachte aber zwei weitere Aspekte ein. «Für mich das wichtigste Argument gegen eine Waldschule in den Gebäuden des ehemaligen Forstwerkshofs ist die Kantonsstrasse mit Tempo 80, die neben dem Gebäude durchführt. Die Überquerung für die Kinder, welche diese Waldschule besuchen würden, wäre sehr gefährlich.» Er sprach zudem von einem «nice to have.» Letzteres betonte auch Dieter Stäger von der FDP. Gemeinderat Thomas Geissmann machte sich stark für die Abschreibung. Schon 2020 wurde geprüft, ob der ehemalige Forstwerkhof zu einem Pfadiheim umgebaut werden könnte. Bereits damals habe der Kanton Nein gesagt. «Sollen wir das noch ein drittes, viertes oder fünftes Mal abklären?», fragte er rhetorisch. Er gab die Antwort gleich selbst. «Das wäre eine reine Zwängerei. Wir sollten vernünftig sein und das Postulat jetzt abschreiben.» Der Meinung von Geissmann folgte die Mehrheit des Einwohnerrates. Er nahm er einstimmig den Bericht zur Kenntnis und schrieb das Postulat mit 28 Ja- zu 9 Nein-Stimmen und einer Enthaltung ab. Doch damit ist das Thema nicht beerdigt. Bei der kommenden Revision des Bauzonenplans könnte es wieder aufgegriffen werden.
--rwi

