Grosser Vertrauensbeweis
22.05.2026 Region Unterfreiamt, Villmergen, Dintikon, Finanzen, AbstimmungenAltersheimverein Villmergen-Dintikon: Einstimmiges Ja zum 15-Millionen-Kredit
Da kommt selbst der Präsident ins Staunen. Nur zwei Fragen und kein einziges kritisches Wort – und schon sind die 15 Millionen Franken für den neuen Anbau im Trockenen. Die neue ...
Altersheimverein Villmergen-Dintikon: Einstimmiges Ja zum 15-Millionen-Kredit
Da kommt selbst der Präsident ins Staunen. Nur zwei Fragen und kein einziges kritisches Wort – und schon sind die 15 Millionen Franken für den neuen Anbau im Trockenen. Die neue strategische Ausrichtung der Oberen Mühle überzeugt alle Mitglieder.
Chregi Hansen
Den Stimmenzähler braucht es nicht. Alle 91 Mitglieder sagen Ja zum Kredit über 15 Millionen Franken für den neuen Annex-Bau. Für Präsident Mike Lauper keine Selbstverständlichkeit. «Wir spüren von eurer Seite ein enorm grosses Vertrauen, dafür bedanken wir uns», sagt er im Namen des Vorstands. Am liebsten hätte er gleich zum Apéro eingeladen, um auf diesen Meilenstein anzustossen. Zum Glück sind die drei verbliebenen Traktanden schnell abgehandelt. Und kann sich der Präsident bei einem Glas Wein bei allen persönlich für das Ja bedanken.
Auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren
Umgekehrt kann Lauper von allen Seiten viel Lob entgegennehmen für das Projekt. Denn die 15 Millionen Franken sind mehr als ein Baukredit für einen neuen Anbau. Dahinter steckt eine neue strategische Ausrichtung der Oberen Mühle. Vorstand und Geschäftsleitung haben sich in den letzten anderthalb Jahren ganz viele Gedanken gemacht über die Zukunft und sich dazu auch die Unterstützung von externen Organisationen und Dienstleistern geholt. «Wir müssen bereit sein für die gesellschaftlichen Veränderungen der Zukunft», macht Lauper deutlich. Das bedeutet: Klassische Altersheime früherer Jahre werden nicht mehr gefragt sein. «Wir müssen uns einerseits spezialisieren und andererseits neue Angebote machen. Dies auch in Zusammenarbeit mit externen Partnern», so Lauper.
Zehn Themenbereiche haben Vorstand und Geschäftsleitung in Zukunft besonders im Fokus. Die Spannbreite reicht von Fragen der Pflege und Betreuung über Dienstleistungen für Dritte bis hin zur Attraktivität als Arbeitgeber, den Gastronomiebereich und die IT-Unterstützung. Zentrales Element in dieser gesamten Planung stellt aber die Infrastruktur dar. Nur mit einem Ausbau lassen sich die verschiedenen Ziele überhaupt erreichen. «Das Bauprojekt ist eine einmalige Chance. Wenn wir die Gelegenheit jetzt nicht nutzen, kommt sie nie mehr», ist für Mike Lauper klar. Denn der neue Annex-Bau wird gemeinsam mit der Überbauung Oberdorf der Xaver Meyer AG realisiert, wodurch sich viele Synergien nutzen lassen. «Bereits vor zehn Jahren wurden die ersten Ideen dazu entwickelt, jetzt endlich sind wir so weit», freut sich Lauper.
Alles spielt ineinander
Der Abriss des bestehenden Anbaus und der Neubau bringen ganz viele Vorteile mit sich. Vorteile, ohne die sich die neue Strategie nicht realisieren lässt. Die komplette Unterkellerung des Annex-Gebäude führt zu einer Anpassung und Optimierung der ganzen Logistik, von der Anlieferung über die Lagerhaltung bis zur Entsorgung. Davon soll nicht zuletzt die Gastronomie profitieren. «Auf die müsst ihr ein Auge haben. Denn die gastronomischen Bedürfnisse werden sich verändern», mahnt einer der Anwesenden. Die Obere Mühle kauft zudem neue Parkplätze in der Tiefgarage der Überbauung Oberdorf, der Vorplatz kann neu autofrei gestaltet werden. Eine eigene Kita macht die Institution attraktiver als Arbeitgeber, aber sie soll auch der Villmerger Bevölkerung zur Verfügung stehen und die Obere Mühle noch mehr zu einem Ort der Begegnung machen. Im Anbau gibt es Platz für die Podologie und den Coiffeursalon, die derzeit eine der wenigen Alterswohnungen besetzen. Dazu wird die Spitex Räume beziehen, was neue Formen der Zusammenarbeit ermöglicht.
Mit einer Tagesbetreuung sollen pflegende Angehörige entlastet werden. «Das trägt dazu bei, dass ältere Menschen länger zu Hause leben können», so Mike Lauper. Es gibt genügend Räume im Anbau für alle Büros und Schulungsräume. Dies wiederum macht Platz frei im Hauptgebäude und ermöglicht Anpassungen. So soll hier endlich eine eigene Demenzabteilung eingerichtet werden, die auch Zugang zu einem geschützten Garten erhält – etwas, was gefordert ist, aber bisher nicht möglich war. In den oberen zwei Etagen sind dann 12 weitere Alterswohnungen geplant. Deren künftige Bewohner sollen Dienstleistungen der Oberen Mühle nutzen können. Und haben die Spitex gleich im Haus. «Solche Angebote sind wichtig, damit unsere Betten frei bleiben für diejenigen, die schwerer pflegebedürftig sind», so Lauper. Dabei will sich die Institution in Zukunft noch mehr spezialisieren. Im Fokus stehen die Palliativ Care, die geplante Demenzabteilung sowie Multimorbidität. «All diese Themen können wir nicht gleichzeitig angehen. Die neue Strategie ist daher auf zehn Jahre ausgelegt», verdeutlicht der Präsident.
Finanziell kerngesund
Das Konzept überzeugt nicht nur die Mitglieder, sondern auch die Banken. Beide angefragten Unternehmen sind noch so gern bereit, die Hypothek von 13 Millionen zu gewähren. Und dies zu günstigen Konditionen. «Wir stehen finanziell gut da, sind schuldenfrei, und die Gebäude wurden immer gut unterhalten. Wir haben auch bewiesen, dass wir Investitionen jeweils schnell wieder amortisieren», sagt Lauper. Zudem verbessert sich durch die zusätzlichen Angebote der Cashflow von aktuell rund 850 000 Franken auf rund 1,3 Millionen. Laut Berechnungen ist die Investition bereits nach 17 Jahren komplett abgeschrieben. «Wir können den Schritt wagen», ist daher für den Präsidenten klar.
Nach dem einstimmigen Ja soll es schnell gehen. Das Baugesuch soll noch vor den Sommerferien aufliegen. Baustart soll im Frühling 2027 sein, die Bauzeit wird auf zwei Jahre geschätzt. Da in dieser Zeit der Anbau wegfällt, braucht es viele Anpassungen und auch Containerlösungen für den Betrieb. «Aber wir haben so viele kreative Köpfe im Team, da finden wir sicher gute Lösungen», ist Mike Lauper überzeugt. Und mit dieser Überzeugung steht er nicht allein da.

