Gespräche, die verbinden
19.05.2026 Wohlen, Soziales, Kommende Events, KircheFemmes-Tische des KRSD eröffnen neue Wege zur Integration
Der Kirchliche Regionale Sozialdienst der Caritas lanciert ein neues Angebot. Die Femmes-Tische sollen Frauen mit Migrationserfahrung niederschwellige Gesprächsrunden in ihrer Muttersprache ermöglichen und so ...
Femmes-Tische des KRSD eröffnen neue Wege zur Integration
Der Kirchliche Regionale Sozialdienst der Caritas lanciert ein neues Angebot. Die Femmes-Tische sollen Frauen mit Migrationserfahrung niederschwellige Gesprächsrunden in ihrer Muttersprache ermöglichen und so Austausch, Information und Vernetzung fördern. Ein Einblick in Wohlen.
Es ist ein ruhiger Nachmittag im Emanuel-Isler-Haus. Auf einem Tisch stehen Tee und kleine Snacks, die Stühle sind im Kreis angeordnet. Einige Frauen sind zum ersten Mal hier, andere begrüssen sich bereits vertraut. Zunächst wird leise gesprochen, fast zögerlich. Doch nach wenigen Minuten verändert sich die Stimmung. Es wird gelacht, genickt, nachgefragt. Geschichten werden geteilt, Erfahrungen ausgetauscht.
Raum für wachsendes Vertrauen
Was hier entsteht, ist mehr als ein Gespräch. Es ist ein Raum, in dem Vertrauen wächst, in dem Frauen sich öffnen können – und in dem neue Verbindungen entstehen. Genau das ist die Idee hinter den sogenannten Femmes-Tischen. Dies sind moderierte Gesprächsrunden in verschiedenen Sprachen, die sich gezielt an Frauen mit Migrationserfahrung richten. In kleinen Gruppen von sechs bis acht Teilnehmerinnen werden Themen behandelt, die den Alltag betreffen: Familie, Gesundheit, Erziehung, Integration oder auch der Umgang mit Behörden. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Eine geschulte Moderatorin lädt die Teilnehmerinnen ein und führt mit Bildkarten oder kurzen Inputs ins Thema ein. Im Zentrum steht jedoch nicht ein Vortrag, sondern der Dialog. Jede Teilnehmerin kann ihre Erfahrungen einbringen, Fragen stellen und von den anderen lernen. Ein entscheidender Faktor ist dabei die Sprache. Die Gespräche finden in der Muttersprache der Teilnehmerinnen statt – etwa auf Persisch (Farsi/Dari) oder Ukrainisch. Für viele Frauen ist es entscheidend, sich in ihrer eigenen Sprache ausdrücken zu können – besonders dann, wenn es um persönliche oder komplexe Themen geht. Neben der inhaltlichen Diskussion gibt es auch einen informellen Teil. Bei einem kleinen Imbiss sitzen die Frauen zusammen, lernen sich besser kennen und knüpfen Kontakte. Für viele ist dies ein wichtiger Schritt aus der sozialen Isolation heraus. Freundschaften entstehen, Netzwerke wachsen.
Zuerst sehr alleine gefühlt
Wie wichtig solche Begegnungen sind, zeigt die Geschichte einer Teilnehmerin aus der Region, die anonym bleiben möchte. Sie kam vor einigen Jahren in die Schweiz und fühlte sich zunächst oft allein. «Ich hatte viele Fragen – über das Leben hier, über die Schule meiner Kinder oder über das Gesundheitssystem», erzählt sie. «Aber ich wusste nicht, an wen ich mich wenden kann.» Erst durch die Teilnahme an einer Gesprächsrunde änderte sich ihre Situation. «Dort konnte ich in meiner eigenen Sprache sprechen und habe gemerkt, dass andere Frauen ähnliche Erfahrungen machen. Ich habe nicht nur Informationen bekommen, sondern auch Mut gefasst.»
Gezielte Weiterentwicklung
Auch im Bezirk Bremgarten wird das Angebot derzeit gezielt weiterentwickelt. Unterstützt wird es durch den Kirchlichen Regionalen Sozialdienst (KRSD) Wohlen und Umgebung sowie den KRSD Mutschellen-Reusstal. Diese stellen unter anderem Räumlichkeiten zur Verfügung und tragen dazu bei, dass die Gesprächsrunden lokal verankert sind und möglichst viele Frauen erreichen können. Neu starten gleichzeitig Gesprächsrunden für ukrainisch- und persischsprachige Frauen. Die nächste persischsprachige Gesprächsrunde ist im Emanuel-Isler-Haus am Kirchenplatz 2 in Wohlen geplant – dort, wo auch der KRSD Wohlen und Umgebung angesiedelt ist. Die zentrale Lage erleichtert den Zugang und unterstreicht die lokale Verankerung des Angebots.
Eine der neuen Moderatorinnen ist Hengameh Matin, Praktikantin beim KRSD Wohlen und Umgebung. Sie hat kürzlich die Ausbildung zur Femmes-Tische-Moderatorin abgeschlossen und wird ab 2026 regelmässig Gesprächsrunden für persischsprachige Frauen anbieten. «Für mich sind Femmes-Tische ein Ort der Begegnung und des gegenseitigen Lernens», sagt sie. «In diesen Gesprächsrunden entsteht Vertrauen – und Schritt für Schritt auch mehr Selbstvertrauen.» Sie betont, dass es nicht nur um Informationen gehe, sondern vor allem um den Austausch. «Wenn Frauen sehen, dass andere ähnliche Herausforderungen haben, entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft. Das ist sehr stärkend.» Ergänzt wird das Angebot durch das Format «Femmes-Tische Plus». Hier werden bei Bedarf Fachpersonen eingeladen, um spezifische Themen zu vertiefen – etwa aus den Bereichen Gesundheit, Bildung oder Recht. So können die Teilnehmerinnen zusätzlich fundierte Informationen erhalten und gezielt Fragen stellen. Die Femmes-Tische im Bezirk Bremgarten zeigen eindrücklich, wie Integration im Alltag gelingen kann – nicht durch grosse Programme allein, sondern durch persönliche Begegnungen, durch Zuhören und durch gegenseitige Unterstützung. Interessierte Frauen sind herzlich eingeladen, an den Gesprächsrunden teilzunehmen.
--red
Nächster Termin für persischsprachige Femmes-Tische ist heute, 19. Mai. Kontakt für Interessierte: Hengameh Matin, KRSD Wohlen und Umgebung, matinhengameh@gmail.com, 076 263 85 65.

