Geschichte und Gemeinschaft
04.08.2026 Region Unterfreiamt, VillmergenSchützen organisierten die Bundesfeier in Villmergen
Volles Festzelt, zusätzliche Festbänke im Freien und eine engagierte Festrede von Nationalrat Benjamin Giezendanner prägten die Bundesfeier beim Schützenhaus Villmergen.
...Schützen organisierten die Bundesfeier in Villmergen
Volles Festzelt, zusätzliche Festbänke im Freien und eine engagierte Festrede von Nationalrat Benjamin Giezendanner prägten die Bundesfeier beim Schützenhaus Villmergen.
Heinz Strebel
Das Festzelt war sehr gut gefüllt, auch im Aussenbereich reichten die vorhandenen Sitzplätze zeitweise nicht mehr aus. Zusätzliche Festbänke wurden aufgestellt, denn viele Besucherinnen und Besucher genossen den lauen Sommerabend lieber unter freiem Himmel. Die Schützengesellschaft Hilfikon/Villmergen bewies mit der Organisation viel Herzblut und traf mit ihrem Anlass offensichtlich den Geschmack der Bevölkerung.
Der grosse Publikumsaufmarsch zeigte sich auch in der Festwirtschaft. Nach Angaben von Mitorganisator Heinz Fuchs mussten kurzfristig sogar zusätzliche Würste organisiert werden. Ein Engpass, den wohl jeder Veranstalter gerne in Kauf nimmt.
Vizeammann René Schmidli hiess die Gäste im Namen des Gemeinderats willkommen und erzählte, wie die Idee zur diesjährigen Bundesfeier entstanden war. Beim Behördenschiessen habe die Schützengesellschaft der Gemeinde spontan angeboten, den Anlass zu übernehmen. Aus dieser unkomplizierten Zusage wurde eine rundum gelungene Bundesfeier. Schmidli dankte der Schützengesellschaft, der Musikgesellschaft Villmergen sowie den zahlreichen Helferinnen und Helfern für ihren grossen Einsatz, bevor er das Wort an Nationalrat Benjamin Giezendanner übergab.
Geschichte als Kompass
Benjamin Giezendanner, der seit sieben Jahren dem Nationalrat angehört, kam ohne Umschweife zur Sache. Mit hohem Redetempo, klaren Botschaften und gelegentlichem Schmunzeln führte der Aargauer Unternehmer seine Zuhörer von Bruder Klaus über Neutralität, direkte Demokratie und Eigenverantwortung bis zu den aktuellen Herausforderungen der Schweiz. Den Ausgangspunkt bildete das bekannte Zitat von Niklaus von Flüe: «Macht den Zaun nicht zu weit.» Für Giezendanner ist dieser Rat bis heute ein Aufruf zu Masshalten, Eigenverantwortung und einer selbstbewussten Schweiz.
Immer wieder knüpfte der Festredner an die Geschichte Villmergens an. Er erinnerte an die Villmergerkriege und bezeichnete den Austragungsort als geschichtsträchtigen Boden, der wesentlich zur Entwicklung der Eidgenossenschaft beigetragen habe. Es sei für ihn eine besondere Ehre, gerade hier sprechen zu dürfen. Sogar seinen Töchtern habe er zur Einstimmung ein Buch über die Geschichte Villmergens mitgebracht.
Verantwortung beginnt bei jedem Einzelnen
Neben Freiheit, Neutralität und direkter Demokratie rückte Giezendanner vor allem den gesellschaftlichen Zusammenhalt ins Zentrum. Im Nationalrat werde zwar engagiert debattiert. Mit einem scherzhaften Seitenhieb auf SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, mit der er sich gelegentlich auch einmal «aufs Dach gebe», sorgte er für spontane Lacher. Gleichzeitig betonte er, dass letztlich alle dasselbe Ziel verfolgten: eine lebenswerte Schweiz. Sein Eindruck sei sogar, dass die Gräben in Bundesbern in den vergangenen Jahren eher kleiner als grösser geworden seien. Nachdenklich wurde der Nationalrat beim Blick auf die Gesellschaft. Lösungen im Interesse aller würden schwieriger. Immer häufiger werde zuerst gefragt, welchen persönlichen Nutzen eine Entscheidung bringe. Stattdessen brauche es wieder mehr Menschen, die sich überlegten, welchen Beitrag sie selbst für das Gemeinwesen leisten könnten. Verantwortung beginne nicht erst in Bern, sondern im Alltag jedes Einzelnen.
Zwischen den ernsten Gedanken setzte Giezendanner immer wieder humorvolle Akzente. Das Publikum reagierte mehrfach mit spontanem Lachen und verabschiedete den Festredner nach rund 25 Minuten mit lang anhaltendem Applaus. Benjamin Giezendanner war bereits lange vor Beginn der Feier mit seiner Familie auf dem Festgelände anzutreffen und blieb auch danach noch unter den Besucherinnen und Besuchern.
Für den würdigen musikalischen Rahmen sorgte die Musikgesellschaft Villmergen. Gemeinsam sangen die Besucherinnen und Besucher stehend und aus voller Kehle alle vier Strophen der Nationalhymne. Punkt 20 Uhr läuteten die Kirchenglocken von Villmergen und setzten einen stimmungsvollen Schlusspunkt unter den offiziellen Teil. Danach übernahm das Duo Erwin Live die musikalische Unterhaltung. Mit bekannten Melodien leitete es nahtlos in den gemütlichen Teil des Abends über. Viele Gäste blieben noch lange auf dem Festgelände, genossen die angenehmen Abendtemperaturen und liessen den Nationalfeiertag bei Musik, guten Gesprächen und geselligem Beisammensein ausklingen.


