Ganz unterschiedliche Bedürfnisse
28.04.2026 Region Unterfreiamt, Meisterschwanden, SchuleMitwirkungsanlass in Meisterschwanden zur Sanierung der Schulanlage
Am Siegerprojekt hatten vor drei Jahren noch alle Freude. Doch inzwischen zeigt sich, dass der Umbau und die Sanierung viel teurer kommen als erwartet. Nun wurde in Meisterschwanden diskutiert, wie es mit ...
Mitwirkungsanlass in Meisterschwanden zur Sanierung der Schulanlage
Am Siegerprojekt hatten vor drei Jahren noch alle Freude. Doch inzwischen zeigt sich, dass der Umbau und die Sanierung viel teurer kommen als erwartet. Nun wurde in Meisterschwanden diskutiert, wie es mit dem Projekt weitergehen soll.
Chregi Hansen
Gemeindepräsident Ueli Haller freute sich, an diesem Samstag so viele Interessierte «in der schönsten Turnhalle der Schweiz» begrüssen zu können. Tatsächlich ist der Blick aus dem Fenster der Halle direkt auf den See fantastisch. Überhaupt hat die Schulanlage Eggen mit ihren sechs Gebäuden viel Charme. Doch der Eindruck täuscht – die zwischen 1969 und 2001 erstellten Trakte sind in die Jahre gekommen und genügen den heutigen Anforderungen nicht mehr.
Seit sechs Jahren beschäftigt sich die Gemeinde darum mit einem möglichen Umbau samt Sanierung. Dies auch, weil die Oberstufe inzwischen nach Fahrwangen gezügelt ist und im Dorf selber nur noch die Primarschule beheimatet ist. Im Jahr 2022 wurde ein Studienwettbewerb durchgeführt, in welchem das Projekt Flipper alle überzeugen konnte. 2023 wurde ein Projektierungskredit in der Höhe von 1,9 Millionen Franken bewilligt. «Damals rechneten wir mit Gesamtkosten von 20,3 Millionen Franken», schaut Vizepräsidentin Nicole Lanz auf die damalige Situation zurück.
Für Transparenz sorgen
Inzwischen haben sich die Kosten fast verdoppelt – wird das Projekt wie geplant umgesetzt, kostet es wohl 39 Millionen. Gleichzeitig drohte ein Loch in der Kasse und damit eine Erhöhung des Steuerfusses von aktuell 60 auf 70 Prozent. Darum hatte der Gemeinderat vor einem Jahr in Sachen Schulhaussanierung einen Marschhalt angeordnet. Kommende Woche müssen die Meisterschwander nun an einer ausserordentlichen «Gmeind» über das Budget und damit den Steuerfuss entscheiden. «Uns war es wichtig, den Mitwirkungsanlass zum Schulhaus noch vorher durchzuführen und damit Klarheit zu schaffen, was auf die Gemeinde zukommt», machte die zuständige Gemeinderätin Lanz deutlich.
Mehr als 100 Einwohner und Einwohnerinnen nahmen die Einladung an, um sich informieren zu lassen und die eigene Meinung zu diesem Thema in die Diskussion einfliessen zu lassen. «Es geht nicht darum, eine Entscheidung zu fällen. Es geht darum, eure Ansichten abzuholen und damit einen Schritt weiterzukommen», sagte Gemeindepräsident Haller. Und letztlich gehe es auch um Transparenz, «die hat in den letzten Jahren bei diesem Thema teilweise gefehlt», entschuldigt sich Vizepräsidentin Lanz. Dass so viele Meisterschwander diesen schönen Samstagmorgen opferten, um sich hier für ihr Dorf zu engagieren, freute die beiden sehr. Dabei waren die Interessen der Beteiligten sehr unterschiedlich. Zum Teil haben sie Kinder, die hier zur Schule gehen. Engagieren sich in Vereinen. Oder sorgen sich einfach um die Finanzen der Gemeinden.
Drei Varianten auf dem Tisch
Nicole Lanz nahm sich viel Zeit, um die Entwicklung des Projekts im Detail vorzustellen. In den letzten Jahren wurde bei der Schulanlage nur wenig investiert. Es braucht jetzt eine umfassende energetische Sanierung und Anpassungen an die heute geltenden Vorschriften, etwa bei der Erdbebensicherheit, beim hindernisfreien Zugang oder bei den Gruppenräumen. Auch möchte man einen neuen Kindergarten bauen und mehr Platz für die Vereine schaffen. Das Projekt Flipper sah den Abbruch des Trakts C vor, um einen grösseren Pausenplatz zu schaffen. Dafür sollte der eigentliche Schulhaustrakt aufgestockt werden. Vorgesehen waren auch der Bau eines neuen Vierfach-Kindergartens, ein Spielplatz für die Bevölkerung und neue Vereinsräume im Sockelgeschoss der Turnhalle. Auch wenn es architektonisch überzeugend ist, so übersteigen die Kosten von 39 Millionen Franken die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde.
Projekt hat Auswirkungen auf den Steuerfuss
Darum haben die Planer nun eine Variante «Flipper light» ausgearbeitet. Diese verzichtet beispielsweise auf eine Aufstockung und damit die Schaffung weiterer Schulzimmer. Dies auch, weil die Schülerzahlen wohl weniger stark wachsen als einst angenommen. Auch sollen nur drei statt vier Kindergärten gebaut werden. Auch im Aussenbereich sind Abstriche geplant. Die Kosten sinken so auf geschätzte 27 Millionen Franken. Dem setzt nun der Gemeinderat eine dritte Variante entgegen, die sich auf das wirklich Wesentliche konzentriert. So bliebe Trakt C stehen und würden die Kindergärten ins Schulhaus verlegt. Hierfür wird noch mit Kosten von 23 Millionen Franken gerechnet. «Das ist aber eine sehr grobe Schätzung. Und da es sich rechtlich um ein neues Projekt handelt, braucht es wieder einen neuen Kredit», machte der für die Finanzen zuständige Gemeinderat Stefan Schüpbach deutlich.
Apropos Finanzen. Das Problem sind weniger die Baukosten – derzeit kann Geld zu günstigen Zinsen aufgenommen werden. Das Problem sind die jährlichen Abschreibungen, die gesetzlich vorgeschrieben sind und die Rechnung der Gemeinde belasten. «Je nach Variante macht dies zwischen 9,3 und 5,5 Steuerpunkte aus», rechnete Schüpbach vor. Und dies völlig unabhängig von der laufenden Diskussion um den Steuerfuss. «Es geht um grosse Beträge, aber es ist auch ein grosses Projekt», so der Gemeinderat. Und er warnte davor, noch lange abzuwarten mit der notwendigen Sanierung. Denn Bauen werde tendenziell immer teurer. «Und um eine Sanierung kommen wir nicht herum», sagte er.
Herausfinden, in welche Richtung es gehen soll
Danach kam der grosse Moment für die anwesenden Einwohner und Einwohnerinnen. In zufällig ausgelosten Gruppen und immer wieder wechselnden Konstellationen diskutierten sie verschiedene Themen. Gefragt wurde beispielsweise, wie die drei Varianten ankommen. Welche Aspekte allenfalls fehlen. Oder welche Empfehlungen sie dem Gemeinderat mit auf den Weg geben wollen. Dieser nahm an den Diskussionen teil und hörte gut zu, was die Bevölkerung zu sagen hat. «Der Morgen ist für uns wichtig, um zu sehen, in welche Richtung wir weiterarbeiten sollen», sagt denn auch Gemeindepräsident Ueli Haller. Wie es nun mit der Schulanlage Eggen weitergeht, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Vorerst bleibt die Halle 70 sicher die «schönste Turnhalle der Schweiz».


