Etwas Rebellion ist ganz normal
21.07.2026 Region Bremgarten, Jugend, ZufikonInterview mit Patrick Oegerli, Leiter der Jugendarbeit Zufikon
Am Freitag, 21. August, feiert die Jugendarbeit Zufikon ihr 15-jähriges Bestehen. Patrick Oegerli ist mit einer 70-Prozent-Anstellung seit vier Jahren deren Leiter. Er erzählt von den aktuellen ...
Interview mit Patrick Oegerli, Leiter der Jugendarbeit Zufikon
Am Freitag, 21. August, feiert die Jugendarbeit Zufikon ihr 15-jähriges Bestehen. Patrick Oegerli ist mit einer 70-Prozent-Anstellung seit vier Jahren deren Leiter. Er erzählt von den aktuellen Herausforderungen.
Roger Wetli
Wie betrachten Sie Ihre Rolle in der Jugendarbeit von Zufikon?
Patrick Oegerli: Ich bin die Bezugsperson für die Jugendlichen. Sie kommen zu mir mit positiven und negativen Anliegen. Grundsätzlich mache ich sehr viel Beziehungsarbeit.
Die Räume der Jugendarbeit Zufikon liegen direkt neben dem Schulareal. Wie stark hilft das, mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen?
Das hilft sehr. Zum Beispiel öffnet der Jugendtreff am Freitag um 15.30 Uhr, also gleich nachdem die Schule zu Ende ist. Viele kommen dann auf direktem Weg zu uns. Das funktioniert gut. Früher war der Standort der Jugendarbeit beim Gemeindehaus. Der jetzige Ort ist dafür sicher besser geeignet, da er auf direktem Schulweg liegt. Die Jugendlichen halten sich gerne dort auf, wo etwas läuft.
Wie verhalten sich diese Jugendlichen?
Eigentlich ganz anständig. Natürlich testen sie auch gewisse Grenzen. Aber etwas Rebellion ist in diesem Alter ganz normal.
Sie sagen, dass Sie viele Gespräche führen. Entsteht aus diesen auch etwas?
Ja, oft. Die Jugendlichen erzählen mir von ihren Ideen. So helfe ich ihnen zum Beispiel beim Erstellen von alkoholfreien Getränken, sogenannten Mocktails, beim Kochen oder bei kreativen Ideen. Auch bei Ausflügen, für deren Organisation oder Einlass sie allein noch zu jung sind, helfe ich. Das sind beliebte Projektideen der Jugendlichen.
Wie helfen Sie den Jugendlichen in solchen Fällen?
Indem ich als Erwachsener die Ausflüge organisiere, die Reise buche, die Ausschreibungen mache und die Finanzierung regle. Ein oft geäusserter Wunsch ist zum Beispiel der Besuch des Europaparks. Wir waren aber auch bereits im Alpamare.
Begleiten Sie die Jugendlichen bei diesen Ausf lügen als Jugendarbeiter und Erwachsener?
Ja. Denn das gehört ebenfalls zu meinem Aufgabengebiet. Oft würden sie an solchen Orten ohne Begleitung auch gar nicht hereingelassen.
Sie erwähnten, dass Sie neben positiven Anliegen auch ein offenes Ohr für negative Geschichten haben. Wie gehen Sie damit um? Greifen Sie allenfalls aktiv ein?
Bei krassen Geschichten lernte ich, diese einzuordnen. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung und Ansichten. Zu einem Konflikt braucht es aber immer mehrere Parteien. Und von der anderen Seite wird das Geschehen dann oft anders wahrgenommen. Ich höre dann vor allem zu und versuche, zwischen den Parteien zu vermitteln.
Schalteten Sie auch schon mal andere Institutionen oder Instanzen ein?
Ja. Bei gravierenden Sachen tausche ich mich mit der Schulsozialarbeit aus. Wobei zwischen ihr und mir sowieso ein regelmässiger Austausch stattfindet. Ich lernte aber auch, mich selbst abzugrenzen.
Wie gestaltet sich generell die Zusammenarbeit mit der Schule?
Sehr gut. Wir haben immer wieder gemeinsame Projekte. Zudem ist die Jugendarbeit Zufikon auch immer Teil des Oberstufenrats, des Schulballs und des Schulfestes.
Am Freitag, 21. August, feiert die Jugendarbeit Zufikon ihr 15-jähriges Bestehen. Was haben Sie für Pläne für dieses Fest?
Es gibt einen «Tag der offenen Tür» von 16 bis zirka 19 Uhr. Ziel ist es, mit den Eltern, den Anwohnern und generell der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Dazu organisieren wir draussen ein «Bubble Soccer», also ein Fussballturnier, bei dem die Jugendlichen in aufblasbaren Bällen spielen. Zudem werden Waffeln angeboten. Auch wird es eine Fotowand mit Eindrücken aus der Jugendarbeit geben.
Weitere Spielgeräte der Jugendarbeit werden bei Bedarf zur Verfügung gestellt.
Wie stark involvieren Sie bei der Durchführung dieses Festes die Jugendlichen?
Sie sollen ihren Teil dazu beitragen und mich bei der Organisation unterstützen. Es wäre zudem schön, wenn sie etwas aus ihrem Treffalltag zeigen würden. So könnten die Anwohner sehen, dass es in der Jugendarbeit zwar auch mal etwas laut werden kann, während dieser Lautstärke aber durchaus etwas Konstruktives entsteht.
Wie gross ist denn das Problem mit dem Lärm in der Jugendarbeit?
Solange ich da bin, hält es sich in Grenzen. Das Areal um die Jugendarbeit herum ist aber öffentlich zugänglich und oft ein beliebter Ort für die Jugendlichen. Dieser wird auch aufgesucht, nachdem der Jugendtreff geschlossen ist. Da kommt es von Zeit zu Zeit zu Konflikten mit der Nachbarschaft, weil die Jugendlichen zu laut sind. Aber die Heranwachsenden wären wohl auch hier, wenn es keine Jugendarbeit gäbe.
Was erhoffen Sie sich von diesem «Tag der offenen Tür» der Jugendarbeit Zufikon?
Dass allgemein eine gute Stimmung herrscht. Das wäre toll. Und dass die Jugendlichen dann den Erwachsenen «ihre» Jugendarbeit mit etwas Stolz und Begeisterung vor Ort präsentieren.
Wie geht es nach diesem Jubiläumstag mit der Jugendarbeit Zufikon weiter?
Mit dem neuen Schuljahr gibt es wieder neue 6.-Klässlerinnen und 6.-Klässler, die in die Jugendarbeit kommen dürfen. Ziel ist, dass diese uns kennenlernen. Dafür laden wir sie nach den Schulsommerferien in die Jugendarbeit ein. Wir geben wie immer unser Bestes, um auf ihre Bedürfnisse und Wünsche einzugehen.

