Erfolgsgeschichte weiterführen
07.08.2026 Wohlen, Essen und Trinken, GewerbeWeit weg vom Neuanfang
Restaurant Sternen
Kurz vor Weihnachten geht eine Ära im Restaurant Sternen zu Ende: Rita Seiler und Remus Lochmann, das Wirte-Ehepaar, geht in Pension. Seit Anfang Mai ist das bekannt. Nun wollen vier Wohler Ortsbürger ...
Weit weg vom Neuanfang
Restaurant Sternen
Kurz vor Weihnachten geht eine Ära im Restaurant Sternen zu Ende: Rita Seiler und Remus Lochmann, das Wirte-Ehepaar, geht in Pension. Seit Anfang Mai ist das bekannt. Nun wollen vier Wohler Ortsbürger wissen, wie es um den Neuanfang steht. Sie haben einen Brief an den Gemeinderat geschrieben – der Stand der Arbeiten für den Neustart ist eher dürftig. --dm
Restaurant Sternen: Vier Ortsbürger wenden sich mit einem Brief an den Gemeinderat
Wie geht es weiter beim Restaurant Sternen? Anfang Mai wurde bekannt, dass das beliebte Wirteehepaar Rita Seiler und Remus Lochmann am 22. Dezember in den Ruhestand gehen wird. Bisher herrschte weitgehend Stillschweigen darüber, wie es weitergehen soll.
Daniel Marti
Die Nachricht, dass Rita Seiler und Remus Lochmann den «Sternen» verlassen werden (diese Zeitung berichtete), löste bei der grossen Stammkundschaft Bedauern aus. Dieser Weggang wird als herber Verlust in der Wohler Beizenlandschaft gewertet. Der «Sternen» und das Wirtepaar sind äusserst beliebt.
Über drei Monate sind seit der Nachricht verstrichen. Der «Sternen» gehört der Ortsbürgergemeinde. Deshalb ist der Gemeinderat für das Haus, das Restaurant und die Nachfolgeregelung zuständig.
Gezieltes und schnelles Handeln gefordert
Wie geht es weiter? Wie sieht es mit allfälligen Sanierungsarbeiten aus? Braucht es für die Kredit-Bewilligung eine ausserordentliche Gemeindeversammlung? Wie ist der Gemeinderat tätig? Diese Fragen wurden bereits im Juni anlässlich der «Gmeind» der Ortsbürger gestellt. Konkrete Informationen gab es nur wenige. Gemeindeammann Roland Vogt gab bekannt, dass sich Interessenten gemeldet haben und eine rasche Sanierung auch im Sinne des Gemeinderates sei.
Damit geben sich vier Ortsbürger in der Zwischenzeit nicht mehr zufrieden. Ruedi Donat, Walter Dubler, Kurt Meier, Hans Meyer wurden mit einen Brief beim Gemeinderat vorstellig. Sie fordern gezieltes und schnelles Handeln. Der Brief liegt der Redaktion vor.
Zur Ausgangslage: Das renovierte Restaurant Sternen der Ortsbürgergemeinde ist seit dem 1. Mai 2001 – also seit über 25 Jahren – in Betrieb. Rita Seiler und Remus Lochmann wirten seit dem 4. April 2008, also seit über 18 Jahren erfolgreich und haben den «Sternen» wieder aufblühen lassen.
Der «Sternen» sei «geprägt vom Engagement und von der herzlichen Gastfreundschaft von Rita Seiler und Remus Lochmann. Es ist ein geschätzter Ort der Begegnung für viele Leute aller Altersschichten, für Vereine, Musikbands, Kulturschaffende, Parteien», schreiben die vier Ortsbürger, die ein konkretes Beispiel nennen. Jüngstens wurde die Gartenwirtschaft mit Übertragungen von Fussball-WM-Spielen zusätzlich belebt. Das Viertelfinalspiel zwischen der Schweiz und Argentinien verfolgten beispielsweise über 200 Leute in der Gartenwirtschaft – und dies nachts um 3 Uhr.
Im ähnlichen Sinn weiterführen
Der «Sternen» habe sich zur Freude aller in den letzten 18 Jahren «hervorragend entwickelt», schreiben die vier Ortsbürger. «Es braucht kein neues Konzept. Es ist über die Jahre eines entstanden, das funktioniert und finanziell auch für die Ortsbürgergemeinde stimmt. Es wäre deshalb ideal, wenn Wirtsleute gesucht und gefunden werden, die in der Lage sind, das Restaurant im ähnlichen Sinn weiterzuführen.» Der bestehende Vertrag sowie die Mietkonditionen seien fair. Für die Ortsbürgergemeinde beziehungsweise die ganze Gemeinde liege der grösste Nutzen darin, dass der «Sternen» zur Zufriedenheit des Publikums funktioniere «und von der Bevölkerung akzeptiert wird. Auch künftig soll folgendes Ziel gelten: Leben und leben lassen.»
«Konstruktives Mitdenken»
Inzwischen wurde auch bekannt, dass an einer Mitte-Fraktionssitzung Frau Vizeammann Sonja Isler-Rüttimann betreffend «Sternen» informierte. Sie berichtete, dass der «Sternen» ab 1. April 2027 weitervermietet werden soll. Es werden noch Renovationen durchgeführt. Und es gebe bereits Bewerber.
Nachdem Rita Seiler und Remus Lochmann am 22. Dezember 2026 mit dem Wirten aufhören, würde es über drei Monate dauern, bis der «Sternen» wieder offen ist. «Das wäre falsch, weil dadurch der Schwung des bisherigen Erfolges verloren ginge», heisst es im Schreiben. Zudem seien die Renovationsarbeiten nicht derart kompliziert, «dass sie drei Monate dauern werden.» Mit einer professionellen Planung können die Renovationsarbeiten unmittelbar nach dem 22. Dezember 2026 beginnen.
Ruedi Donat, Walter Dubler, Kurt Meier und Hans Meyer haben ihre Anliegen beim Gemeinderat deponiert. Es geht dabei um die rasche Verpachtung des Restaurants, um die bisherigen Konditionen für die neuen Wirtsleute und um den Zeitplan für die Renovationsarbeiten. Das Quartett sieht sein Vorgehen als «konstruktives Mitdenken. Es ist uns ein Anliegen, dass die Erfolgsgeschichte des ortsbürgerlichen Restaurants Sternen fortgeschrieben wird. Dies kommt ganz Wohlen zugute», heisst es im Brief abschliessend.
Kein Tempo – kaum Klarheit
Der Gemeinderat zur aktuellen Situation rund um den «Sternen»
Vier Ortsbürger möchten, dass es beim «Sternen» rasch vorwärtsgeht. Dass die Renovationsarbeiten schnell definiert werden und dass das Restaurant Anfang 2027 nicht allzu lange geschlossen bleibt. Ebenfalls wundern sich Ruedi Donat, Walter Dubler, Kurt Meier und Hans Meyer, dass die Pacht noch nicht ausgeschrieben wurde. Seit Anfang Mai ist bekannt, dass Rita Seiler und Remus Lochmann am 22. Dezember ihren verdienten Ruhestand antreten werden. Eine Nachfolge für das Wirteehepaar ist zurzeit aber nicht in Sicht – denn die Ausschreibung zieht sich hin, so wie viel anderes.
Pacht zeitnah ausschreiben
Konkret nachgefragt beim Gemeinderat: Wie sieht die Nachfolgeregelung bei der Pacht aus? Wann wird die Pacht ausgeschrieben? «Das Vorgehen für die Ausschreibung wird zurzeit erarbeitet. Die Details werden mit den zuständigen Gremien der Ortsbürgergemeinde abgestimmt. Sobald die notwendigen Entscheide der Ortsbürgergemeinde vorliegen, wird die Pacht zeitnah ausgeschrieben», lässt der Gemeinderat ausrichten. Immerhin: Es gab bereits Anfragen, «die von der Verwaltung gesammelt werden».
Ähnlich sieht es bei den Kosten für die Renovationsarbeiten aus. Bis diese eruiert sind, wird es noch dauern. «Aktuell werden die notwendigen Sanierungsmassnahmen von der Abteilung Liegenschaften und Anlagen erarbeitet und die zu erwartenden Kosten evaluiert.» Es hat Anfang Juli eine Begehung der Liegenschaft zusammen mit dem Wirtepaar stattgefunden. Resultate können zurzeit aber keine präsentiert werden. «Sobald alle nötigen Massnahmen und deren Kosten geklärt sind, werden diese Ergebnisse den zuständigen Gremien der Ortsbürgergemeinde vorgestellt.»
Der Gemeinderat weist darauf hin, dass die Ortsbürgergemeinde entscheiden wird, welche Sanierungsmassnahmen umgesetzt werden sollen. «Erst dann wird sich zeigen, welche finanziellen Mittel nötig sind.» Dies bedeutet, dass wohl erst – oder frühestens – an der Winter-«Gmeind» der Ortsbürger Anfang Dezember entschieden wird.
Jetzt keine Aussagen möglich
Das von Ruedi Donat, Walter Dubler, Kurt Meier und Hans Meyer geforderte Tempo wird also vom Gemeinderat nicht angeschlagen. Auch der Sanierungszeitraum kann sich gut und gerne verzögern. «Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich keine Aussage über die Dauer und den Umfang der Sanierung machen. Das hängt vom Sanierungsbedarf und dem Entscheid der Ortsbürgergemeinde ab», lässt das Ressort Planung, Bau und Umwelt verlauten. Gemeinderat Olivier Parvex ist für dieses Ressort zuständig.
Konkretes liegt tatsächlich in der Ferne. Dies auch drei Monaten nach Bekanntgabe, dass Rita Seiler und Remus Lochmann den «Sternen» verlassen werden. Der Gemeinderat bedauert, dass das Wirte-Ehepaar die Pacht des «Sternen» per Ende Jahr gekündigt hat. Olivier Parvex: «Rita und Remus haben den Sternen über fast zwei Jahrzehnte geprägt und als beliebten Gastbetrieb etabliert. Das hat der Gemeinderat sehr geschätzt und er ist Rita und Remus sehr dankbar dafür. Der Gemeinderat hat Verständnis für den altersbedingten Entscheid des Wirtepaares.»
Über das Konzept entscheidet die Ortsbürgergemeinde
Gemeinderat Parvex versichert, dass aus seiner Sicht das aktuelle Konzept weitergeführt wird. Ob es Anpassungen gibt oder ob allenfalls neue Konzepte eine Chance erhalten, darüber entscheidet allerdings die Ortsbürgergemeinde. Und noch etwas betont er: «Die nach der Ausschreibung eingegangenen Bewerbungen und Konzepte werden durch die Liegenschaftsbewirtschaftung gesammelt und für den Vergabeentscheid durch die Ortsbürgergemeinde aufbereitet.» --dm



