Die Sprache der Leidenschaft
04.08.2026 Theater, Region Oberfreiamt, Kommende Events, Essen und Trinken«Tylla spielt mit der Macht der Musik»: Operette im «Niesenberg» begeistert das Premierenpublikum
Eine Collage. Vom Dorfplatz im Spätmittelalter bis zum Wiener Hofopernball. Das Operetten-Ensemble «Die Fledermäuse» und das ...
«Tylla spielt mit der Macht der Musik»: Operette im «Niesenberg» begeistert das Premierenpublikum
Eine Collage. Vom Dorfplatz im Spätmittelalter bis zum Wiener Hofopernball. Das Operetten-Ensemble «Die Fledermäuse» und das Salonorchester «La Jalousie» nehmen das Publikum mit durch die Jahrhunderte. Die Kulinarik aus der «Niesenberg»- Küche rundet das Erlebnis mehr als ab.
Annemarie Keusch
Es sind emotionale Momente ganz am Schluss. «Das rührt mich fast zu Tränen», sagt Hanna Matti. Sie gründete mit ihrem Lebenspartner Ulrich Fischer einst das Operetten-Ensemble «Die Fledermäuse». 30 Jahre sind seither vergangen. Mit viel Herzblut waren und sind die beiden am Werk. Produktion, Skript, Regie – auch für die aktuelle Produktion machte Hanna Matti vieles in Personalunion. Und sie trat natürlich auch als Sängerin in Erscheinung. Dass am Schluss das gesamte Premierenpublikum aufstand, als Lebenspartner Ulrich Fischer ihr für ihr riesiges Engagement dankte, löste vieles aus. Zumal Matti kurz vorher angekündigt hatte: «Man munkelt, das könnte die letzte Produktion der ‹Fledermäuse› sein.»
Matti gab den Dank gleich weiter. An Kaiser Franz und seine Sisi respektive an das Gastgeber- und Wirte-Ehepaar Jürg und Nicole Meyer. Sie waren es, die dem Ensemble in der Wirtschaft Niesenberg ein neues Zuhause gaben. Aktuell läuft die seit 2009 neunte Operette an diesem lauschigen Schauplatz – zwischen Restaurant, Spycher, Brunnen und Scheune.
Fünfköpfiges Strassenmusik-Ensemble
«Tylla spielt mit der Macht der Musik» heisst die aktuelle Operette. Natürlich ist der Premierenabend quasi ausverkauft, die Stimmung bestens. Musikalisch-kulinarischen Hochgenuss versprechen die Organisatoren im Programm und halten das auch. Die «Niesenberg»-Küche zeigt ihr Können auf eindrückliche Art. Gebeizter Lachs, Schweinsfilet im Rohschinken-Mantel an Balsamicojus, marinierte Zwetschgen – nur als Auszüge aus dem Dreigangmenü.
Kombiniert wird dieses mit hochstehender Kultur. Obwohl die Sätze und auch Liedinhalte manchmal plump wirken. «Voraussichtlich wird niemand abgeschlachtet», so begrüsst Klarinettist Sven Bachmann am Anfang das Publikum. Zusammen mit Sabine Bachmann (Akkordeon, Klavier und musikalische Leitung), Matthias Aeschlimann (Geige), Lea Scherer (Kontrabass) und Tony Renold (Schlagzeug) bildet er das Ensemble «La Jalousie».
«Bevor i Wasser sauf!»
Die Operetten-Collage nimmt das Publikum mit an vier Schauplätze. Tylla, die weibliche Variante von Till Eulenspiegel, reist als Strassensängerin und Tänzerin durch das vom Dreissigjährigen Krieg arg zerrüttete Europa – im Planwagen, samt Pferdegespann. Schon im Prolog auf einem Dorfplatz im Spätmittelalter macht Tylla deutlich: «Musik ist die Sprache der Leidenschaft.» Sie bediene sich keiner Waffen, die Unheil anrichten. Und ihr Fazit: «Schenkt das Leben dir Zitronen, mach Limonade daraus.»
Im zweiten Bild taucht das Publikum ein in das Treiben im Prater-Beisl «Zur Reblaus». Da heisst es im Lied schon auch mal: «Ja, ja, der Wein ist gut, i brauch kan neuen Hut, i setz den alten auf, bevor i Wasser sauf!» Und die Gauklerin trinkt nicht vom Glas, sondern direkt ab dem Krug. Einer der Akteure kommt dann schliesslich zum Schluss, dass er in seinem vorherigen Leben eine Reblaus gewesen sein muss. «Schon als Kind hat es mir die Haare aufgestellt, wenn ich Milch trinken musste.» Übrigens, der Prater ist kein Park, keine Wiese, kein Wald und keine Lustanstalt – sondern alles zusammen.
Viele berühmte Melodien
In die Weiten der ungarischen Puszta reisen die «Fledermäuse» – Camila Meneses (Sopran), Felicitas Brunke (Mezzosopran), Hanna Matti (Alt), Ruben Banzer (Tenor) und Erich Bieri (Bariton) – im dritten Bild. Samt Pony Johnny. Bevor der Höhepunkt dann im vierten Bild wartet: der Wiener Hofopernball. Natürlich trugen die Frauen bis Mitternacht eine Augenmaske. Und natürlich war Damenwahl, wie es Tradition hat. Angestossen wird mit noblem Champagner: «Hoch lebe die sprudelnde Majestät.» Strauss’ «Fledermaus» wird genauso zum Besten gegeben wie «Alles Walzer» und den Schlusspunkt setzt der berühmte Satz: «Sag beim Abschied leise Servus.»
Matti springt in dieser musikalischen Collage quer durch die Jahrhunderte, nimmt berühmte Melodien auf. Wie dachten die Handelnden damals? Inwiefern fühlten sie sich anders, als die Menschen dies heute tun? Solche Fragen stellte sich Hanna Matti – die Operetten-Collage ist ihre Antwort darauf. Vielleicht ihre letzte in dieser Form.
Heute Dienstag und am Freitag, 7. August, finden weitere Aufführungen statt. Reservationen, inklusive Nachtessen, Montag bis Freitag, 9 bis 11 und 16 bis 18 Uhr, unter Tel. 056 666 12 18. Mehr Informationen: www.niesenberg.ch, www.diefledermaeuse.ch.







