Die perfekte Familienstory
29.05.2026 Wohlen, GewerbeRömer RHR Möbel AG an der Freiämterstrasse: Ende Juni geht das beliebte Möbelhaus zu
Zwei Römer haben die Möbelwelt im Freiamt erobert. Hans-Rudolf und Hansruedi Römer, Vater und Sohn, ein tolles Duo. Mit Qualität und Beratung haben ...
Römer RHR Möbel AG an der Freiämterstrasse: Ende Juni geht das beliebte Möbelhaus zu
Zwei Römer haben die Möbelwelt im Freiamt erobert. Hans-Rudolf und Hansruedi Römer, Vater und Sohn, ein tolles Duo. Mit Qualität und Beratung haben sich die Römers abgesetzt. Nun geht diese Ära zu Ende.
Daniel Marti
Römer, einfach nur zum Römer. Da ist man in besten Händen, denn das Freiämter Möbelhaus bietet so ziemlich alles: eine riesige Auswahl, Schweizer Qualität, hochwertige Einrichtungsgegenstände, massgeschneiderte Möbel. Sowie ein Betten- und Matratzenzentrum – da liegt man also völlig richtig.
Die RHR Möbel AG bietet auch über 1000 Wohnideen und ganz viel fachmännische Beratung – sogar doppelt. Denn Hans-Rudolf Römer und Hansruedi Römer sind die Erfolgsgaranten. Vater und Sohn heissen genau gleich, unterscheiden sich nur durch die Schreibweise. Beide Römer sind die starken Eckpfeiler der Firma, die ein vorbildliches Familienunternehmen ist. Nun geht das Möbelhaus Ende Juni zu. Altershalber, weil das Pensionsalter ansteht und der befristete Vertrag für die Liegenschaft ausläuft.
Zwei Berufsleben für die Firma
Hans-Rudolf Römer ist mittlerweile 90 Jahre alt, bis vor einem Jahr stand er praktisch täglich im Geschäft. Am Morgen war er immer der Erste. Und Hansruedi Römer wird am 25. Juli 65. Zeit, um loszulassen. Zeit für den Ausverkaufsstress. «Ja, das hier ist eine reine Familiengeschichte», sagt Hansruedi Römer und zeigt mit dem Arm in den Ausstellungsraum. Er lächelt dabei und seufzt. Ein bisschen Wehmut spielt mit, aber auch die Vorfreude auf die Pensionierung ist spürbar.
Seit 36 Jahren gehört die RHR Möbel AG den Römers. Eigentlich eine berufliche Ewigkeit. Aber beide managen das Geschäft an der Freiämterstrasse noch viel länger. Hans-Rudolf, der Vater, war im selben Gebäude schon Filialleiter von Möbel Weber und Möbel Stierli, also der unbestrittene Chef des Möbelhauses. Und vor bald 46 Jahren lotste er auch seinen Sohn in den Betrieb. «Nach der Rekrutenschule hatte ich keinen Job, und mein Vater sagte, komm zu mir.» So war der doppelte Römer perfekt, und zehn Jahre später wurden beide zu Mitinhabern. Selbstständigkeit? «Klar, machen wir», sagten beide.
Grill-Chef beim FCW bescherte unzählige Kontakte
Und das Wachstum setzte rasch ein. Zu Spitzenzeiten zählte die RHR Möbel AG sechs Arbeitskräfte. Vater und Mutter, Hans-Rudolf und Emma Römer, deren erwachsene Kinder Hansruedi und Claudia sowie zwei Chauffeure. Das Familienteam war in dieser Stärke über zehn Jahre lang für das Möbelhaus unterwegs. Hans-Rudolf Römer pflegte über Jahrzehnte hinweg die unzähligen Kontakte. Als jahrelanger Chef am Grill beim FC Wohlen kannte er, zumindest gefühlt, das gesamte Freiamt. «Seine Kontakte waren entscheidend und herrlich», blickt der Sohnemann zurück. So entwickelte sich eine extrem treue Stammkundschaft. Und das Einzugsgebiet weitete sich stetig aus: Von Sins bis nach Lenzburg, vom Hallwilersee bis auf den Mutschellen.
«Mein Vater war unser Chef», sagt der Sohn, obwohl beide Römers gleichwertige Mitinhaber waren. «Es gab ab und zu andere Ansichten, sonst wäre es uns ja langweilig geworden.» Andere Idee haben allerdings stets gut getan.
Die Römers waren stets eine Einheit. Für ihn habe es in den 36 Jahren der RHR Möbel AG nie gleiche Tage gegeben, sagt er noch. Das sind immerhin über 13 000 Tage. «Unser Job hat uns immer Spass gemacht.» Vertrauenssache.
Schöner Stress zum Ende hin
Dazu passt auch das Zitat auf der Homepage, es stammt von Senior Hans-Rudolf Römer: «Wir bauen auf unsere treue Kundschaft und bleiben mit Herz und Engagement auch für die junge Generation interessant.»
Familienunternehmen, schier unerschöpfliche Kontakte, treue Stammkunden, unendliche Wohnideen, die doppelte Römer-Beratung. Das Römische Reich an der Friedhofstrasse kannte keine Krisenzeiten. Auch im Internet-Zeitalter und im digitalen Überangebot konnten sich die Römers behaupten. «Bei uns wollen die Kunden genau hinschauen, sich wohlfühlen oder in der Bettenlandschaft probeliegen», betont Hansruedi Römer. «Darum, wir hatten nicht eine Krise, höchstens Schwankungen.»
Seit fünf Jahren beschäftigt sich die Familie mit dem Ende des Unternehmens. Das Alter, die Vertragsdauer sind Gründe. Dann ist Claudia Römer vor drei Jahren nach Andalusien ausgewandert. Vater Römer ging vor einem Jahr in den Ruhestand und vor der Tür kündigte sich die Sanierung der Friedhofstrasse an, die heuer beginnen wird. Das alles führte dazu: Am 30. Juni ist die RHR Möbel AG Geschichte. Das lässige Logo mit den zwei Zügelmännern wird in knapp einem Monat verschwinden. Hansruedi Römer organisiert den Ausverkauf allein. «Ein ganz schöner Stress», sagt er. «Wahnsinn, was da abgeht, erstaunlich.» 30 Prozent sind Schnäppchenjäger, welche die Türfalle drücken. 70 Prozent wollen bewusst noch einen Einkauf tätigen. Und Tschüss und Danke sagen. «Ich glaube, wir haben alles richtig gemacht», erklärt er.
Keine Albträume rund ums Römische Reich
Und es gibt sie, die Stammkunden, die sogar eine Träne vergiessen zum Abschied. «Viele bedauern eben unseren Entscheid» und so viele positive Feedbacks hätte er sich nicht erträumen können – das sagt er ausgerechnet mitten im Matratzen- und Bettenzentrum. Darum, die Frage drängt sich förmlich auf: Ob er denn ein Traumfänger sei? «Es gab Kunden, die sind beim Probeliegen eingeschlafen. Diese wurden von uns immer sanft geweckt.» Eines sei sicher: Bei RHR Möbel habe niemand Albträume gehabt, sagt er und muss selbst lachen.
Ja, den Römers geht es gut. «Alles ist tipptopp in Ordnung.» Er hat zwar keine Ahnung, was der Vermieter mit dem Gebäude vorhat. Egal. Er könne gut loslassen. Und endlich könne er so viele schöne Sachen anpacken, auf die er in der Vergangenheit stets verzichten musste: Velo fahren, Hallwilersee geniessen, die Schwester in Andalusien besuchen. «Es war eine schöne Zeit hier im Möbelhaus mit ganz vielen Highlights», sagt Unternehmer Hansruedi Römer, «und es wird jetzt auch eine schöne Zeit kommen.»
Das Römische Reich an der Friedhofstrasse geht also seinem Ende entgegen. Und die beiden Wohler Römer, Hans-Rudolf und Hansruedi, haben dieses Reich bestens geführt. «Es hat immer und an jedem Tag Spass gemacht», sagt der Sohn, stellvertretend für die gesamte Familie.

