Die Kunst des Schenkens
04.08.2026 Region Oberfreiamt, WaltenschwilBundesfeier in Waltenschwil, organisiert von der Männerriege, mit der Ansprache von Christof Burkard
Die gut organisierte Feier zog über 220 Gäste an. Umrahmt wurde das gesellige Treffen von der örtlichen Musikgesellschaft. Der Festredner ...
Bundesfeier in Waltenschwil, organisiert von der Männerriege, mit der Ansprache von Christof Burkard
Die gut organisierte Feier zog über 220 Gäste an. Umrahmt wurde das gesellige Treffen von der örtlichen Musikgesellschaft. Der Festredner verwöhnte die Zuhörerschaft mit einer pointierten Geschichte zu schmutzigen Fingernägeln, dazu, was hinter dem Schenken steht, und zum Stellenwert des Ehrenamts.
Verena Anna Wigger
Angefangen hat es mit der Erkenntnis, dass der Gemeindeschreiber auf dem Bild von Albert Anker Dreck unter den Fingernägeln hat. Das Bild aus der Sammlung von Christoph Blocher ist Christof Burkard aufgefallen. Dies, als er auf den Alt-Bundesrat wartete, um ihm eine Frage zu stellen. So erzählte es der Redner. Dieses Gemälde zeige, dass der damalige Gemeindeschreiber von Beruf Bauer gewesen sei und in seinem Nebenamt als Gemeindeschreiber tätig war.
Bildaussagen stimmen nicht mehr
Burkard zog Vergleiche von einst zu heute. Aussagen, die auf den Bildern der Sammlung gemacht wurden wie bei der «Kartenlegerin», stimmen laut dem Waltenschwiler nicht mehr. Auf dem gleichnamigen Gemälde seien zwei Frauen, die eine lege der anderen die Hand auf die Schulter, denn diese wollte wissen, ob noch einer komme. «Hoffnungslos vorbei», sagte Burkard, heute gebe es dafür Tinder. Und dann eben das Gemälde des Gemeindeschreibers, ein grimmiger Mann mit Federkiel zwischen den Zähnen, beschreibt er es. Burkard eröffnete, dass auch sein Grossvater Gemeindeschreiber gewesen sei, «da schaut man vielleicht genauer hin», sagte er. Denn früher sei sein Grossvater Bauer und Gemeindeschreiber gewesen, doch über die Jahre seien diese Aufgaben professionalisiert worden. So stellte er in der Folge die Frage, ob es so wohl bessere Entscheide gebe. «Auf jeden Fall gibt es deswegen keine Verdingkinder mehr», Burkards Fazit.
Professionalisierung und Nebenamt
«Die Professionalisierung in der Behördenwelt ist also zweischneidig», sagte er. Wenn heute der Schreiner sein Amt in der Freizeit, vielleicht am Sonntag oder Feierabend, verrichte, weil die Zahl der Gesetze und Vorschriften wachse. Daher habe es heute noch Mitglieder, die «schmutzige Fingernägel» hätten und froh sind, wenn es nicht zu viele neue Gesetze gibt. Das habe nichts mit «schmutzigen Geschäften» zu tun.
Damit nahm er Bezug zur örtlichen Kulturkommission, in der er Einsitz hat und die davon lebt, dass die Mitglieder im Nebenamt ihre beruflichen Erfahrungen einbringen. Das würde in ihrem Fall beispielsweise heissen, dass Pascal Vontobel ab und zu mit einem Flugschreiber oder er, Christof Burkard, mit Sägemehl in den Haaren zur Sitzung komme. «Wenn wir nicht von weiteren Bestimmungen eingeschränkt werden», so der Zürcher Mediator.
Auf diese Gedanken kam der Autor in seinen Ferien in Tirana. Da erfuhr er, dass der dortige Präsident Edi Rama dem Schwiegersohn von Donald Trump ein Naturschutzgebiet, analog dem Flachsee, mit Flamingos verschenkte.
Die Flamingo-Revolution
Dadurch liess sich Burkard dazu hinreissen, die Bevölkerung anzustacheln und damit eine veritable «Flamingo-Revolution» einzuleiten. Und Burkard musste sich in der Folge mit der Frage auseinandersetzen, welche Geschenke adäquat sind. Weil seine Frau ihm erklärte, dass nicht nur Tirana, sondern auch die Schweiz Trump mit riesigen Geschenken gut zu stimmen versuche. Was ihn dann zu Alt-Bundesrat Blocher geführt hat. Blocher sagte ihm nämlich: «Das mit den Geschenken ist so eine Sache. Bei meiner Abwahl 2007 habe ich auf das Abschiedsgeschenk im Wert von 10 000 Franken und die Rente verzichtet. Dann habe ich nachgedacht und meine Altersrente zehn Jahre später nachgefordert, denn diesem Staat darf man keine Geschenke machen.» Danach habe Burkard Herrliberg mit aufheulendem Motor verlassen, erzählte er.
Bubenerinnerungen aufgefrischt
In der Erinnerung von Burkard war die 1.-August-Feier in seiner Jugend eher das Fest der «Zurückgebliebenen». Also derer, die weder am Strand noch in den Bergen waren. Als Jungmannschaft hätten sie damals die abgestorbenen Fichten auf dem Buneggli aufgeschichtet: «Die Suva hätte keine Freude gehabt», schloss er seine Erzählung. Dies war an diesem sonnigen, ruhigen Nationalfeiertag nicht der Fall. Denn kein Feuer, kein Feuerwerk schoss in den Himmel, dafür gab es rege geführte Gespräche und ein Treffen der Dorfbevölkerung, um den Geburtstag der Schweiz zu feiern. Gemeinderat Pascal Vontobel hatte sich in seiner Einführung zur Rede von Christof Burkard gewünscht: «Zusammen an den Tisch sitzen und miteinander reden.» Das taten die über 220 Besucherinnen und Besucher auf dem festlich geschmückten Platz. Sie liessen sich durch die Männerriege und ihr feines Kuchenbuffet und die gelebte Gastfreundschaft verwöhnen.




