Die ersten Blitze sieht man schon
11.08.2026 Hägglingen, Theater, Kommende Events, Region UnterfreiamtBereit für den Radiobesuch
Freilichtspiel in Hägglingen vor seiner Premiere
Aufregung in Hägglingen. Sowohl im Stück, in dem es um eine Live-Radiosendung aus dem Dorf geht, als auch rund um das Theater, wo vor und hinter den Kulissen ...
Bereit für den Radiobesuch
Freilichtspiel in Hägglingen vor seiner Premiere
Aufregung in Hägglingen. Sowohl im Stück, in dem es um eine Live-Radiosendung aus dem Dorf geht, als auch rund um das Theater, wo vor und hinter den Kulissen an den letzten Details TAG DER OFFENEN gefeilt wird. Am kommenden Freitag feiert «Gwitternacht», die neue Produktion des Vereins Tellspiele, ihre Premiere. Dem Publikum wird dabei viel geboten.
--red
Am Freitag feiert in Hägglingen das Freilichtspiel «Gwitternacht» Premiere
Am 14. August hebt sich in Hägglingen der Vorhang zur «Gwitternacht». Was die Zuschauerinnen und Zuschauer dann erleben werden, ist das Ergebnis monatelanger Vorbereitungen, unzähliger Arbeitsstunden und eines grossen ehrenamtlichen Engagements.
Britta Müller
Seit dem Frühjahr 2024 ist Michi Huber als OK-Verantwortlicher für den Bühnenbau aktiv. Erfahrung bringt er reichlich mit: Bereits bei mehreren Freilichttheatern war er im Bühnenbau engagiert. Für das Bühnenbild der «Gwitternacht» zeichnet sich Stefan Hegi verantwortlich, Michi Huber und sein Team setzten dessen Ideen anschliessend in die Realität um.
Einfach war diese Aufgabe nicht. Denn gespielt wird nicht nur in einem Zimmer, einer Stube oder einem Büro. Das Theaterstück breitet sich über den Dorfplatz und den Aussenraum rund um das Forsthaus aus. Rund 1000 Quadratmeter umfasst die gesamte Spielfläche – Zuschauertribünen inklusive. Für rund 320 Personen mussten Sitzplätze konstruiert werden, gleichzeitig galt es, die von der Regie gewünschten technischen und szenischen Raffinessen in die Bühnenlandschaft zu integrieren.
Zum Bauteam gehören rund 18 Personen. Geschleppt, gesägt, gehämmert und gestrichen wurde über Monate hinweg. Vieles entstand dabei erst direkt vor Ort, denn erst dort zeigten sich die tatsächlichen Platzverhältnisse und Herausforderungen.
Besonders anspruchsvoll war die Umsetzung der verschiedenen Theatereffekte. Regisseurin Brigitte Maag bringt viel Erfahrung aus ihrer langjährigen Tätigkeit bei «Karl’s kühne Gassenschau» mit. Dass diese Handschrift auch in der «Gwitternacht» sichtbar sein wird, lässt sich bereits während der Proben erahnen. So dürfte wohl nicht nur das Wetter für Überraschungen sorgen. Die Bauarbeiten mussten zudem vielfach tagsüber erledigt werden, denn am Abend gehörte das Gelände den Schauspielerinnen und Schauspielern für die Proben. Für die meist berufstätigen Helfer bedeutete dies einen erheblichen zusätzlichen Einsatz – inklusive dem einen oder anderen geopferten Ferientag. Das Resultat kann sich sehen lassen: Rund um das Forsthaus ist eine bemerkenswerte Kulisse entstanden.
Seit Januar wird geprobt
Während draussen gebaut wurde, liefen auch die Theaterproben längst auf Hochtouren. Seit Januar bereiten sich mehr als 35 Schauspielerinnen und Schauspieler aus Hägglingen und dem Freiamt auf ihren grossen Auftritt vor. Sie kommen aus unterschiedlichen Altersgruppen und bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit.
Damit alle Beteiligten überhaupt regelmässig zusammenfinden, braucht es eine ausgeklügelte Organisation. Hildegard Lehmann kümmert sich akribisch und geduldig um die Probeplanung. Ferienabwesenheiten, die Verfügbarkeiten von Regie und Schauspielenden und nicht zuletzt die Suche nach geeigneten Proberäumen müssen unter einen Hut gebracht werden. Unterstützung kam dabei von der Gemeinde Hägglingen, die Räume in der Mehrzweckhalle und der Schule zur Verfügung stellte.
Seit Mitte Juni wird nun direkt am Forsthaus auf der eigentlichen Theaterbühne geprobt. Was zunächst mit einzelnen Szenen begann, wird zunehmend zum grossen Ganzen. Inzwischen stehen die Beteiligten täglich auf dem Platz. Dabei spielt auch das Wetter keine Rolle – ob Hitze oder Mückenplage, es wird geprobt. Die kleinen und grossen Darstellerinnen und Darsteller stehen in ihren Kostümen bereit, Requisiten in der Hand, und warten auf ihren Einsatz. Rund um sie herrscht geschäftiges Treiben. Mittendrin: Regisseurin Brigitte Maag, umringt von ihrem Regieteam und den Technikern. Maag gibt Tipps und Anregungen, korrigiert und probiert aus – manchmal spielt sie eine Szene auch kurzerhand selbst vor. Gleichzeitig bringen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler mit eigenen Ideen ein und besprechen einzelne Abläufe miteinander. Und wenn einmal ein Requisit fehlt, ist Improvisation gefragt. Aus einem Mückenspray kann beispielsweise kurzerhand ein Ingwertee werden. Theater eben.
Während auf der Bühne ein Auto vorgefahren wird und Schauspielerinnen und Schauspieler von rechts und links auf den Vorplatz stürmen, spielt sich im Hintergrund bereits die nächste Szene ab. Der Chor stimmt sich ein, die Technik ist gefordert und irgendwo passiert schon wieder etwas Neues. Wer den Proben zuschaut, erkennt dabei bereits deutlich die Handschrift von Brigitte Maag. Rasche Szenenwechsel, Bewegung und überraschende Momente sorgen dafür, dass auf der Freilichtbühne kaum Stillstand aufkommt. Man darf gespannt sein, welche Überraschungen die «Gwitternacht» für das Publikum bereithält.
Hinter den Kulissen laufen viele Fäden zusammen
Während auf der Bühne geprobt und gebaut wird, laufen im Hintergrund zahlreiche weitere Vorbereitungen. Ein Freilichttheater dieser Grössenordnung ist schliesslich weit mehr als Schauspiel und Bühnenbild. So läuft die Werbung bereits seit geraumer Zeit auf Hochtouren. Michi Huber und sein Team haben fast 130 Werbeblachen im Bünztal, Reusstal, Seetal sowie in Richtung Lenzburg und Brugg aufgehängt. Rund um das Forsthaus musste ein Verkehrs-, Shuttle- und Parkkonzept entwickelt werden. Das Catering stellte ein abwechslungsreiches Speiseangebot zusammen, Kostüme im Stil der 1960er-Jahre wurden gesichtet und genäht. Dekorationen und Accessoires wurden zusammengetragen – vieles davon vermutlich an Orten, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt mit einem Theater verbinden würde.
Das OK-Team hat entsprechend alle Hände voll zu tun. Produktionsleiter Christian Roth hält dabei die Fäden zusammen. In regelmässigen Sitzungen wird geplant, diskutiert, verworfen, neu gedacht und wieder geplant. Vor allem aber werden die zahlreichen Todos immer wieder abgeglichen. Denn am Ende soll alles möglichst reibungslos ineinandergreifen.
Musik als wichtiger Faktor
Auch musikalisch wird die «Gwitternacht» ihrem Zeitkolorit gerecht. Elisabeth Geissmann ist für die musikalische Umrahmung verantwortlich. Denn wenn im Theaterstück das Radio nach Hägglingen kommt, darf die passende Musik selbstverständlich nicht fehlen. Die Suche nach singfreudigen Komparsinnen und Komparsen gestaltete sich zunächst allerdings schwieriger als gedacht. Deshalb fragte Geissmann kurzerhand die Schauspielerinnen und Schauspieler, ob sie neben dem Theaterspielen auch Freude am Singen hätten. Die Antwort war positiv. So werden zwischen sechs und zehn Frauen unterschiedlichen Alters als Chor auftreten. An einzelnen Tagen erhalten sie sogar Unterstützung von Kindern der Musikschule Dottikon. Dazu kommen verschiedene Instrumente: Heimorgel, Akkordeon und Klavier gehören ebenso dazu wie die für die 1960er-Jahre unverzichtbare E-Gitarre.
Bei der Auswahl der Lieder hat Elisabeth Geissmann bewusst auf Stücke aus jener Zeit gesetzt. Die musikalische Reise reicht von den Beach Boys bis zu den Geschwistern Schmid. Und auch ein Lied mit ganz besonderem Hägglinger Bezug wird zu hören sein: eines, das einst in der Schule gelernt und gemeinsam gesungen wurde.
Jetzt steigt die Spannung
Noch sind die letzten Arbeiten in Gang. Noch wird an Details gefeilt, werden Szenen geprobt, Kostüme angepasst, Requisiten bereitgelegt und Abläufe kontrolliert. Doch die vielen Puzzleteile beginnen sich zusammenzufügen. In der Ferne sieht man vielleicht schon die ersten Blitze. Rund um das Forsthaus herrscht geschäftiges Treiben. Die Bühne steht, die Schauspielerinnen und Schauspieler sind bereit, der Chor stimmt sich ein und hinter den Kulissen werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Am 14. August wird aus monatelanger Arbeit schliesslich Theater. Dann entlädt sich über Hägglingen die «Gwitternacht».
Infos und Tickets: www.gwitternacht.ch




