Der Dritte im Bunde zögert
19.05.2026 Bremgarten, KircheZusammenschluss der Kirchgemeinden: Bremgarten und Hermetschwil-Staffeln künftig eins
Über ein halbes Jahr lang hat man gemeinsam verschiedene Szenarien durchgespielt und diskutiert. Nun ist klar: Die katholischen Pfarreien von Hermetschwil-Staffeln und Bremgarten wollen ...
Zusammenschluss der Kirchgemeinden: Bremgarten und Hermetschwil-Staffeln künftig eins
Über ein halbes Jahr lang hat man gemeinsam verschiedene Szenarien durchgespielt und diskutiert. Nun ist klar: Die katholischen Pfarreien von Hermetschwil-Staffeln und Bremgarten wollen sich zusammenschliessen. Zufikon dagegen sagt vorläufig Nein.
Marco Huwyler
«Wir verstehen uns bestens.» Das sagen die drei immer wieder. Man betont die Harmonie und das gute Verhältnis. Deshalb hat man sich nun auch zu dritt zusammengefunden, um die Bevölkerung zu informieren. Obwohl doch der eine von ihnen «Nein» gesagt hat zu den anderen beiden – «Nein» zu einer gemeinschaftlichen Zukunft als eine Kirchgemeinde. «Doch es ist ein Nein auf Zeit», hält Martin Villiger, Mitglied der Kirchenpflege Zufikon, fest.
Initiative aus Hermetschwil-Staffeln
Letztlich sei es seiner Kirchgemeinde schlicht zu schnell gegangen, erklärt Villiger. Vor dem Hintergrund von Personalengpässen und schwindenden Mitgliederzahlen forciert den raschen Zusammenschluss vor allem Hermetschwil-Staffeln. «Weil wir schlicht keine andere Wahl haben», wie Clivia Kempter sagt. Ansonsten würde mittelfristig die Zwangsverwaltung drohen. «Da ist das Szenario eines Zusammenschlusses weitaus besser», findet die Präsidentin der Kirchenpflege Hermetschwil-Staffeln. Zumal man damit ja eigentlich nur dem nachzieht, was auf politischer Ebene bereits vor 12 Jahren geschah.
Als Pastoralraum funktioniert es bereits
Auch bei den Kirchen ist die enge Zusammenarbeit im Prinzip nichts Neues. Schon 2013 wurde der Pastoralraum Bremgarten-Reusstal mit den Pfarreien Bremgarten, Hermetschwil-Staffeln, Zufikon, Jonen und Lunkhofen ins Leben gerufen. Eine Zusammenarbeit auf pastoraler Ebene, die bestens funktioniert. «Eigentlich wäre es daher unserer Meinung nach das Sinnvollste, wenn alle fünf Pfarreien auch unter einem Kirchgemeindedach zusammenfänden», sagt Kornel Wick, Präsident der Kirchen-FiKo Bremgarten. Für die Bremgarter war es daher logisch, dass sie die Hermetschwil-Staffler gerne in ihrer Kirchgemeinde begrüssen. Durch den Zusammenschluss wächst die Zahl der stimmberechtigten Kirchenmitglieder der Gemeinde wieder auf leicht über 2000.
Für Kirchgänger bleibt alles beim Alten
Im Zuge der Anfrage aus Hermetschwil-Staffeln wurden alle fünf Gemeinden des Pastoralraums angefragt, ob sie beim Zusammenschluss mitmachen möchten. Aus Lunkhofen und Jonen kam eine Absage. Zufikon war interessiert. Gespräche, Verhandlungen und Workshops fanden in den letzten Monaten immer wieder statt (diese Zeitung berichtete). Dafür hat man mit Hans Lichtsteiner einen externen Experten hinzugezogen. Nun bringt der Prozess also vorerst ein Nein aus Zufikon – und damit Gewissheit über den weiteren Weg. «Für diesen Fall war für uns immer klar, dass wir die Sache zu zweit durchziehen», sagt Wick, der die Absage bedauert. «Wobei es den Prozess immerhin etwas einfacher macht», wie er schmunzelt.
Ihm und Kempter ist es wichtig zu betonen: «Für die Kirchgänger ändert sich durch den Zusammenschluss nichts.» Gottesdienst, Jugendarbeit und Sakristanendienst bleibt bei beiden Pfarreien wie bisher. «Es ist ein Zusammenschluss rein auf Verwaltungsebene», sagt Kempter. Auch der Steuerfuss werde aller Voraussicht nach gleich bleiben – wo er doch in Hermetschwil-Staffeln und Bremgarten bisher gleichermassen schon bei 23 Prozent lag. «Ebenfalls wird es keinen forcierten Personalabbau geben», sagt Kempter. Wobei ein solcher wohl von alleine passiert. Denn Menschen zu finden, die sich engagieren, wird immer schwieriger. Und in beiden Kirchenpflegen zeichnen sich Rücktritte ab.
Abstimmung im Herbst
Auch deshalb sind die Synergieeffekte hochwillkommen. «Wir haben künftig nur noch eine Kirchenpflege, eine Verwaltung und eine Gemeindeversammlung», sagt Kempter. Vorbehaltlich natürlich immer, dass die Stimmbevölkerung beider Gemeinden den Anträgen ihrer Kirchenpflegen im kommenden Herbst zustimmen (die Entscheidung darüber fällt am offiziellen Abstimmungstermin des 27. September). «Doch in dieser Hinsicht haben wir eigentlich keine Bedenken», sagen die Vertretungen aus Bremgarten und Hermetschwil-Staffeln gleichermassen.
2028 in Kraft
Komplex genug, sind die Vorgänge auch so. Auf personeller Ebene hat die sich abzeichnende Vereinigung zur Folge, dass sich die eigentlich rücktrittswilligen Kirchenpflege-Präsidentinnen Clivia Kempter (Hermetschwil-Staffeln) und Raphaela Lerch (Bremgarten) für die kommende Legislatur nochmals zur Wahl stellen, um den Zusammenschluss über die Bühne zu bringen. Offiziell für vier Jahre – aber faktisch für eine einjährige Übergangszeit. Denn das Ziel bleibt: Per 1.1.2028 soll die neue Kirchgemeinde Bremgarten (so wird sie auch nach der Vereinigung mit Hermetschwil-Staffeln noch heissen) Tatsache sein. Auf dieses Datum treten die beiden Präsidentinnen zurück und Neuwahlen finden statt. In den Statuten dann festgeschrieben: beide bisherigen Kirchgemeinden stellen künftig mindestens zwei Mitglieder der neuen Kirchenpflege.
Geduld in und mit Zufikon
In Zufikon wird man sich derweil Zeit lassen, um während der neuen Legislatur als immer noch eigenständige Kirchgemeinde offene Fragen und Bedenken anzugehen und zu klären. «Wir haben bei vielen Rückmeldungen und Reaktionen in den letzten Monaten gespürt, dass eine mögliche Vereinigung bei vielen Mitgliedern unserer Kirchgemeinde grosse Emotionen weckt», erklärt Villiger. Seine Kirchenpflege möchte es mit dem jetzigen Weg vermeiden, die Kirchgemeinde zu spalten. Dennoch möchte Zufikon mit Bremgarten noch enger zusammenarbeiten im administrativen Bereich, «wann immer es Sinn macht». So soll einem Zusammenschluss langfristig der Weg geebnet werden. «Wir möchten insofern Stück für Stück zusammenwachsen, wie es in der Seelsorge bereits der Fall ist, dass es irgendwann nur noch ein formaler Akt sein wird, uns auch administrativ offiziell zusammenzuschliessen», sagt Villiger.
Irgendwann in den nächsten drei bis sechs Jahren will man das Thema in Zufikon erneut aufs Tapet bringen – und bis dahin Bedenken entkräften. Denn neben dem Willen zur Eigenständigkeit sind es auch finanzielle Abwägungen (der Kirchensteuerfuss in Zufikon ist mit 20 Prozent niedriger als in den anderen beiden Gemeinden) und ein allfälliger Investitionsbedarf Bremgarten, die manche Zufiker abschrecken.
Doch langfristig macht ein Zusammenschluss wohl auch für Zufikon nach wie vor Sinn. Deshalb geht der Dialog und die intensive Zusammenarbeit trotz des vorläufigen Neins weiter. «Wir wollen einen künftigen Zusammenschluss vorausschauend und aus einer Position der Stärke gemeinschaftlich klären, bevor er unausweichlich wird», sagt Villiger.
Ein Informationsanlass über den Stand der Fusion und die weiteren Schritte findet am 15. Juni um 20 Uhr im «JoJo» statt. Dabei sind alle Interessenten herzlich willkommen.

