«Das Städtli ist haften geblieben»
17.07.2026 Bremgarten, FilmThamar Rieser drehte in Bremgarten – nun feierte der Film seine Vollendung
Vor Bekannten, Verwandten und allen am Werk Beteiligten fand in diesen Tagen die interne Vorpremiere von «Cordula» statt. Der Film spielt teilweise in Bremgarten – wo ...
Thamar Rieser drehte in Bremgarten – nun feierte der Film seine Vollendung
Vor Bekannten, Verwandten und allen am Werk Beteiligten fand in diesen Tagen die interne Vorpremiere von «Cordula» statt. Der Film spielt teilweise in Bremgarten – wo Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Thamar Rieser einst aufgewachsen ist. Ein Gespräch über Kindheit, Musse, Filmschaffen und ihre alte Heimat.
Marco Huwyler
Was bietet die Bremgarter Stadtkirche, was Zürcher Kirchen nicht haben?
Thamer Rieser: (Schmunzelt) Sie meinen, weshalb wir hier gedreht haben?
Ja – immerhin spielt der Rest von «Cordula» in Zürich.
Erstmal musste es eine katholische Kirche sein – das ist für die Handlung des Films wichtig. Denn die Hauptperson sucht dort Schutz in der Nacht – was bei Reformierten Kirchen nicht möglich ist, da diese geschlossen werden. Dann war es wichtig, dass Platzverhältnisse, Drehbedingungen und das Visuelle stimmig sind. Ich dachte auf Anhieb an Bremgarten. Hier, bei der wunderschönen Stadtkirche, wusste ich: das passt perfekt. Weshalb dann noch weitersuchen?
Zumal Sie die Umgebung hier seit Langem bestens kennen.
Ja, ich bin im ehemaligen Organistenhaus direkt neben der katholischen Kirche Bremgartens aufgewachsen. Ich war hier einst Ministrantin. Und ich pflege immer noch Kontakte. Sakristanin Helen Stierli kenne ich seit meiner Kindheit. Das machte die Zusammenarbeit mit der Kirche einfach und unkompliziert. Stierli hat im Übrigen auch einen Kurzauftritt in «Cordula».
Was passiert denn in den Bremgarter Szenen?
Die Hauptperson, eine obdachlose Frau, übernachtet in der Stadtkirche. Putzt hier mit Weihwasser die Zähne, kommt in ihrer aufgewühlten Lage etwas zur Ruhe. Sie hat zuvor körperliche und psychische Gewalt erlebt.
Gewalt an und Obdachlosigkeit von Frauen sind zentrale Themen in «Cordula». Themen, die Sie beschäftigen?
Ja, ich finde es wichtig, dass sie im öffentlichen Diskurs ihren Platz erhalten. Denn sie sind Realität und Alltag vieler tragischer Einzelschicksale, die den meisten von uns verborgen bleiben. Ich habe aber glücklicherweise keinen direkten Bezug dazu und weder das eine noch das andere am eigenen Leib erlebt. Es ist Teil einer rein fiktiven Geschichte.
Darin geht es, um eine Autorin, die von ihrer Romanfigur in der Realität konfrontiert wird. Wie kamen Sie auf die Idee?
Mitten in der Nacht (lacht). Danach entstand der Plan, daraus gemeinsam mit einer Kollegin einen Kurzfilm zu drehen. Doch beim Niederschreiben meiner Gedanken wurde die Geschichte länger und länger – bis sie tatsächlich Spielfilmlänge erreichte.
Es ist Ihr erster Film als Drehbuchautorin. Wie haben Sie es geschafft, das Geschriebene tatsächlich filmisch zu realisieren?
Es war ein langer Prozess, zu dem auch Rückschläge gehörten. Die Dreharbeiten mussten zweimal abgebrochen werden, weil es in der Besetzung nicht stimmig genug war und das Resultat so nicht gepasst hätte. Dann habe ich aber die richtige Produzentin und das richtige Team gefunden.
Obwohl Sie keine grossen Gagen bezahlten – Drehtage sind teuer. Wie sehr war es auch finanziell ein «Hoselupf»?
Schon ziemlich. Es steckt viel privates und familiäres Geld in «Cordula». Und auch ein Crowdfunding hat seinen Beitrag geleistet. Natürlich hoffe ich, dass wir nun einen Teil als Einnahmen wieder zurückerhalten. Und falls nicht – auch andere Leute haben ein teures Hobby (lacht). Ich bin nun erst mal einfach überglücklich, dass meine Geschichte jetzt tatsächlich als Spielfilm existiert.
Dieser dauert 88 Minuten. Wie viel davon ist eigentlich Bremgarten?
Über den Daumen gepeilt würde ich sagen 10 Minuten. Man sieht durchaus einiges vom Kirchenbezirk. Wir haben dort auch Drohnenaufnahmen gemacht in der Unterstadt.
Als junge Erwachsene sind Sie von hierher weggezogen. Wie war es für Sie, nun für den eigenen Film zurückzukehren?
Schon ziemlich emotional und auch schön. Da kommen viele Erinnerungen hoch. Ich komme immer wieder gerne nach Bremgarten. Auch der Crew hat es sehr gefallen. Einige von ihnen sind danach sogar privat wiedergekommen für einen Tagesausflug. Das Städtli ist also haften geblieben – nicht nur als Filmschauplatz.
Wo wird «Cordula» in den nächsten Wochen zu sehen sein?
Das kann man zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nicht sagen. Wir haben den Film beim Zürich Film Festival eingereicht und hoffen auf einen positiven Bescheid. Zudem sind wir auf der Suche nach einem Verleih, damit der Film in die Kinos kommt und dort von vielen Menschen gesehen werden kann. Ich bin guten Mutes, dass dies gelingt.
Bleibt Ihr Erstlingsfilm eine einmalige Sache?
Ich schreibe bereits an einem nächsten Drehbuch (lächelt). Eine ganz andere Geschichte. Ein Krimi.
Spielt dieser wieder in Bremgarten?
Das steht noch nicht fest. Aber ich könnte es mir sehr gut vorstellen.
Zur Person
Die heute 52-jährige Thamar Rieser ist in Bremgarten aufgewachsen, wo sie bereits als Kind erste Bühnenerfahrungen im Kellertheater sammelte. Nach einer Ausbildung zur Lithografin in Zürich wandte sie sich der Schauspielerei zu und absolvierte Ausbildungen in Schauspiel, Camera Acting und Sprecherziehung. Seither wirkte sie in verschiedenen Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen mit – darunter «Neumatt», «Tatort Zürich», «Stürm – Bis wir tot oder frei sind» sowie in Inszenierungen des Theaters Zürich Nord. Mit dem Spielfilm «Cordula», der auf einer von ihr verfassten Kurzgeschichte basiert, tritt sie erstmals als Drehbuchautorin in Erscheinung. Zudem übernimmt sie darin eine Hauptrolle.
Der Film «Cordula»
Die junge Cordula lebt auf den Strassen von Zürich. Unsichtbar für die meisten kämpft sie Tag für Tag ums Überleben. Zur gleichen Zeit ringt die erfolgreiche Autorin Maja mit einer Schreibblockade. Als ihr plötzlich die Figur ihres Bestsellers leibhaftig gegenübersteht und sie fragt: «Warum hast du mein Leben zerstört?», verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit.


