Bünz sicher und zugänglich machen
15.05.2026 Waltenschwil, Region OberfreiamtDie Gemeinde Waltenschwil und der Kanton Aargau stellen das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt vor
Rund 80 Personen interessierten sich für das Grossprojekt an der Bünz. Zusammen mit dem Kanton plant die Gemeinde das 8,9 Millionen Franken teure ...
Die Gemeinde Waltenschwil und der Kanton Aargau stellen das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt vor
Rund 80 Personen interessierten sich für das Grossprojekt an der Bünz. Zusammen mit dem Kanton plant die Gemeinde das 8,9 Millionen Franken teure Vorhaben. Das Bauprojekt soll das Siedlungsgebiet vor dem nächsten Jahrhunderthochwasser schützen. Dazu soll der Naherholung mehr Gewicht geschenkt werden.
Verena Anna Wigger
Das Grundlagenpapier des Kantons Aargau zeigt auf, dass vergangene Hochwasser-Ereignisse ein Schutzdefizit für die Gemeinde Waltenschwil nachweisen. Die im Rahmen des Regionalen Hochwasserschutzes Bünztal realisierten Massnahmen sollen das Tal entlang der Bünz bis nach Möriken-Wildegg schützen. Der Hochwasserschutz des oberhalb des Rückhaltebeckens liegenden Schutzgebiets von Waltenschwil ist noch sicherzustellen, heisst es weiter.
Mit dem vorgestellten Projekt plant der Kanton nun an drei Punkten bei der Bünz einzugreifen. Zum einen gehe es darum, das Hochwasserschutz-Defizit zu verringern. Im Weiteren gelte es, ökologische Defizite auszugleichen, der aktuelle Bünzverlauf wurde 1920 verbaut. Der dritte Punkt soll der Naherholung dienen und einen Zugang ermöglichen.
Drei Brücken und ein Steg
Die markantesten Eingriffe wird es bei den Brücken im Dorf geben. Bei der Brücke am Grottenweg plant man neu eine Rahmenbrücke aus Stahlbeton. Die zukünftige Fahrbahn soll zwischen 50 und 70 Zentimeter höher liegen. Dazu soll sie breiter werden und einen Fussweg erhalten. Die Spannweite der Maiacker-Brücke soll von heute 8 auf neu 15 Meter ausgeweitet werden. Auch hier wird mit Stahlbeton gearbeitet, so Projektleiter Silvio Moser. Dieser Übergang wird einen halben Meter verbreitert, «damit die Landwirtschaftsfahrzeuge problemlos passieren können», erklärt Moser.
Beim Fussgängersteg am Mühleweg wird mit einer vorfabrizierten Brücke gearbeitet. Dieser Steg wird auf das bestehende Widerlager und zusätzliche Pfähle aufgelegt. Dieser Übergang wird rund einen halben Meter höher und zwei Meter breit.
Ganz anders verhält es sich bei der Überführung an der Chreesstrasse. Unter dieser Brücke wird die Bachsohle etwas mehr als einen Meter abgesenkt. Dies ist hier möglich, da ein grösseres Gefälle vorhanden ist. Mittels einer Rampenanlage sollen Fische die Möglichkeit haben, diese Stelle entgegen der Flussrichtung zu nutzen. Dazwischen werden Becken eingerichtet, in denen sich die Fische aufhalten können.
Neben den Brücken gibt es weitere Baustellen. So wird der Bachverlauf ausserhalb des Siedlungsgebiets ausgeweitet, und zwar von heute 15 auf 25 Meter, wobei eine natürliche «Schlängelung» des Bachverlaufes das Ziel ist. Steine, Holzstämme und Strünke tragen zur Renaturierung und Aufwertung bei und dienen als Lebensraum für Tiere und Naherholungsraum für Menschen.
Winkelplatten und Blocksteine
Im Siedlungsgebiet der Gemeinde wird der Bachverlauf hingegen nicht erweitert. Es werden aber einige bauliche Massnahmen angestrebt, so etwa am Bünzweg. Hier verhält es sich so, dass zwischen Uferböschung, Weg und angrenzenden Häusern kein Platz für Spielraum besteht. Daher sehen die Planer vor, dass in diesem Bereich eine Verbauung mittels 15 Zentimeter breiter und 60 Zentimeter hoher Winkelplatten entstehen soll. Doch es gibt Befürchtungen von Anwohnern. Man habe sich dazu zu wenig Gedanken gemacht, meinte eine. Projektleiter Moser und Gemeinderat Christoph Meyer erklärten die räumliche Situation. Dazu versicherte Moser, dass sie darauf achten, dass es keine glatten Elemente seien, sondern aufgeraute Oberflächen. Er rechnet damit, «dass diese Platten bald überwachsen werden».
An Stellen, an denen mehr Platz zur Verfügung steht, werde man Blocksteine für die benötigte Sicherungshöhe setzen. Diese bilden dann auch Sitzgelegenheiten für die Naherholung und werden als Böschungsverbauung an drei Stellen für eine Aufwertung der Naherholung eingesetzt.
Gemeinde zieht mit Projekten nach
Im Rahmen der Arbeiten für das Grossprojekt plant die Gemeinde, gleich noch den Bünzweg und die Brücke am Kirchweg zu sanieren. Abklärungen hätten gezeigt, dass die Bausubstanz des Übergangs in einem schlechten Zustand ist. Das Geländer ist zu tief und eine Sanierung zu teuer. So plant die Gemeinde hier parallel zum Kantonsprojekt, diesen Übergang zu ersetzen. Die Ausführung ist analog dem Fussgängersteg am Mühleweg geplant. Eine vorproduzierte Brücke soll fixfertig aufgelegt werden. Dies bringe eine kürzere Bauzeit, sei wirtschaftlich interessant und der neue Steg bringt eine Lebensdauer von rund 100 Jahren mit sich. Diese Kosten belaufen sich auf 200 000 Franken.
Weiter beantragt der Gemeinderat der Gemeindeversammlung für die Sanierung des Bünzwegs einen Kredit von 180 000 Franken. Hier sind eine Strassenentwässerung, ein langlebiger, einheitlicher Belag und eine Optimierung der Beleuchtung geplant.
Kostenanteil kann variieren
Die Kosten für das Grossprojekt mit Hochwasserschutz, ökologischer Aufwertung und den drei Bachzugängen belaufen sich auf 8,9 Millionen Franken. Aus heutiger Sicht beträgt der Anteil der Gemeinde Waltenschwil 3,52 Millionen Franken. Doch könnte sich dieser laut Aussagen des kantonalen Experten, je nach Projektverlauf, noch verringern, da der Bund Mehrleistungen für die Revitalisierung in Aussicht stellt. Weil diese von verschiedenen Faktoren abhängig sind, haben die Verantwortlichen konservativ kalkuliert. In der Kalkulation sind auch die Kosten für Landerwerb und Abtausch eingerechnet.
Gegen das Projekt wurde aber auch Kritik laut. Die geplanten Massnahmen würden nur das Oberflächenwasser betreffen, war zu hören. Das Hauptproblem im Dorf sei aber das Grundwasser. «Es drückt bei Hochwasser herein und füllt die Keller», berichtet ein Betroffener. Dies habe sich schon vor Jahren beim Bau seines Hauses gezeigt. Diesem Aspekt trage man im Projekt keine Rechnung.

