Auenrenaturierung «Grien» wird noch dieses Jahr umgesetzt
Seit langer Zeit gibt es den Plan, im Fischbach-Gösliker Gebiet «Grien» für die Reuss einen neuen Seitenarm zu graben, um der Bevölkerung und der Natur eine dort typische ...
Auenrenaturierung «Grien» wird noch dieses Jahr umgesetzt
Seit langer Zeit gibt es den Plan, im Fischbach-Gösliker Gebiet «Grien» für die Reuss einen neuen Seitenarm zu graben, um der Bevölkerung und der Natur eine dort typische Auenlandschaft zurückzugeben. Noch in diesem Jahr wird dieses 2,15-Millionen-Franken-Projekt realisiert.
Roger Wetli
«Es ist unglaublich, dass wir hier eine Aue renaturieren können», sagt Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. Ulysses Witzig betreut als Projektleiter und Geschäftsführer der CreaNatira GmbH diese Renaturierung. Er ist begeistert: «Das wird eine Perle mehr in diesem Gebiet.» Pro Natura realisiert dieses Projekt zusammen mit dem Bund und dem Kanton. Mitte Mai soll nun der Spatenstich erfolgen.
Sandbank bleibt erhalten
Direkt nordwestlich der Sandbank und des Rastplatzes mit zwei Bänklein wird die heutige Wiese so auf das Reussniveau abgegraben, dass dadurch ein neuer rund 200 Meter langer Reussarm entsteht, der zwischen 15 und 20 Meter breit ist. In der Mitte entsteht eine Insel. Einen Teil des Aushubs schütten die Bagger an die künftige Insel. Der heutige Weg entlang der Reuss wird an die erste Hangkante verlegt. «Es handelt sich um einen alten Prallhang der Reuss», weiss Ulysses Witzig. «Diesen graben wir weiter an. Es entsteht ein vielfältiger Lebensraum für typische Auenarten wie Laubfrosch, Eisvogel, Pirol, Nachtigall und Biber.» Aber auch die Fische würden von der neuen Aue profitieren. «Das Wasser im neuen Seitenarm fliesst langsamer und bietet damit einen idealen Lebensraum für Jungfische», so Witzig. Für Uferschwalben werde eine Kiesaufschüttung gebaut, in der sie ihre Bruthöhlen graben können.
Matthias Betsche betont, dass auch der Mensch von den Massnahmen profitiert. «Für ihn wird dies eine spannende Landschaft. Im Bereich Sandbank gibt es einen Rastplatz. Die Sandbank bleibt erhalten», versichert er. «Sie wird sogar etwas grösser.» In der Kompetenz des Fischbach-Gösliker Gemeinderates bleibt das zur Tradition gewordene Sandbankbeizli, welches der Turnverein an den Wochenenden in den Schulsommerferien betreibt. Aussichtshügel sind nicht vorgesehen. «Die Besucher werden vom verlegten Weg gut in den Seitenarm hereinschauen können», weiss Betsche. «Während der Bauphase stellen wir aber im Bereich der Hangkante einen Turm auf, von dem man die Arbeiten gut beobachten kann», stellt er in Aussicht. Die neu geschaffene Insel bleibe dagegen der Natur vorbehalten.
Erste Gedanken in den 90er-Jahren
Fertig gebaut sein soll diese Aue bis nach den Herbstferien. Damit geht eine lange Phase der Planung und des Wartens zu Ende. Ulysses Witzig schaut zurück: «Nach der erfolgreichen Auenschutzabstimmung 1993 wurde geschaut, wo man ehemalige Auen im Kanton Aargau reaktivieren könnte. Das Grien war da ein Standort neben anderen wie zum Beispiel dem Foort in Eggenwil oder der Hegnau in Bremgarten.» Anfang der 2010er-Jahre konnte die Fläche im Grien der Armee abgekauft werden. «Die Planungen begannen 2015», erklärt Matthias Betsche. Durch verschiedene Einsprachen und die Diskussion zum Reusssteg dauerte es danach, bis 2025 die Baubewilligung erteilt wurde. Über den Baukredit des Stegs wird voraussichtlich in diesem Sommer in Fischbach-Göslikon und Künten abgestimmt. Betsche betont, dass die Renaturierung des Griens auf den Reusssteg keinen Einfluss hat. «Er ist zwar in der Nachbarschaft des Griens vorgesehen, aber nicht im gleichen Gebiet.»
Kontrollierte Dynamik
Ulysses Witzig rechnet damit, dass die Aue Grien nach dem Bau sehr schnell von den Tier- und Pflanzenarten besiedelt wird. «All diese Arten leben bereits in unmittelbarer Nähe der neuen Aue. Zudem sind sie an einen Lebensraum angepasst, der sich aufgrund von Hochwasser immer wieder verändert. Sie müssen also von Zeit zu Zeit einen neuen Lebensraum suchen.» In der neuen Aue Grien sei eine gewisse Dynamik zugelassen. «Diese werden wir aber kontrollieren. Der künftige Prallhang soll erhalten bleiben», so Witzig. Er erklärt, dass direkt südöstlich des neuen Rastplatzes zwei neue Tümpel ausgehoben werden und dieses Gebiet künftig extensiv beweidet wird. «Das ist ebenfalls Teil des Gesamtprojekts. Aber einer, der weniger spektakulär wie der neue Reussseitenarm sein wird.»