Basis für wertvolle Momente
14.07.2026 Wohlen, SchuleSchulleiter Paul Bitschnau und sein Team freuen sich auf die neue Bezirksschule
Es war ein langer Leidensweg – für Politik und Schule. Nun ist die neue Bez betriebsbereit. Schulleiter Paul Bitschnau verspürt riesige Genugtuung.
...Schulleiter Paul Bitschnau und sein Team freuen sich auf die neue Bezirksschule
Es war ein langer Leidensweg – für Politik und Schule. Nun ist die neue Bez betriebsbereit. Schulleiter Paul Bitschnau verspürt riesige Genugtuung.
Daniel Marti
Die Herausforderungen rund um die Schule sind vielfältig. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Handyverbot, ambitionierter und voll bepackter Lehrplan 21. Paul Bitschnau, der Schulleiter der Bezirksschule Wohlen, könnte noch viel mehr aufzählen. Etwas, was ihn über zwei Jahrzehnte lang immer begleitet hat, ist die Schulraumnot. Vor allem an der Bez Wohlen. Nun kann die rundum erneuerte Bezirksschule im kommenden Schuljahr in Betrieb genommen werden.
Paul Bitschnau war immer dabei, musste Enttäuschungen wegstecken, neue Wege suchen, und nun platzt er schier vor lauter Vorfreude auf das neue Werk. Die Bezirksschule ist ab August wieder an einem zeitgemässen Ort vereint. Das 56-Millionen-Projekt Schulzentrum Halde mit Primar und Bez ist vollendet. «Wirklich alles und alle sind wieder in einem Schulhaus vereint und zusammen. Das eröffnet weitere neue Chancen für ein Zusammensein und für ein Zusammenwirken», betont er.
Endlich, die Zeit der geteilten Schule ist vorbei. Das Provisorium am Oberdorfweg wurde vor den Sommerferien aufgelöst. «Die Schule ist ein Ort, wo sich die Menschen begegnen. In der Schule gibt es sehr viele wertvolle Momente», betont er. Nun gibt es wieder eine gute Basis, um dies vorzuleben. «Aber», fügt er noch an, es gehe einzig um die jungen Menschen, «die hier zur Schule gehen. Für die will die gesamte Lehrercrew Dienstleister sein.» Ab dem neuen Schuljahr wird das endlich in zeitgemässen und modernen Räumlichkeiten möglich sein. Und in einer angenehmen Umgebung. «Das gesamte Schulzentrum ist ein schönes Ensemble», urteilt Bitschnau noch.
«Wie ein Befreiungsschlag»
Paul Bitschnau, Schulleiter der Bezirksschule, war beim Prozess für das neue Halde-Zentrum mittendrin
Der Weg zur neuen Bezirksschule war sehr lang – mit dabei war stets Schulleiter Paul Bitschnau. Im Kampf um zeitgemässe Schulräume gab es auch Rückschläge, nun herrscht nur noch Freude. Die modernisierte und erneuerte Bez ist ein tolles Bauwerk und steht vor der Eröffnung.
Daniel Marti
Sie ist seit Jahren ein Sanierungs- und ein Problemfall. Die Bezirksschule Wohlen musste über Jahrzehnte hinweg mit einer veralteten Infrastruktur auskommen, der nötige Platz fehlte, das Unterrichten war erschwert. Zwar steckt in den alten Räumen viel Charme, aber ohne Improvisationsgeist wäre vieles nicht möglich gewesen. Die Bezirksschule war das Sorgenkind, das in der Sanierungsliste der Wohler Schulhäuser lange hintenanstehen musste. Diese Zeiten sind nun vorbei, zu Beginn des neuen Schuljahres wird die Bezirksschule am alten Ort im neuen Glanz erscheinen.
Schon als Paul Bitschnau (Jahrgang 1964) seinen Einstieg an der Bez feierte, war die Sanierung des Halde-Zentrums ein Thema. Lehrer Bitschnau kam im Jahr 1993 nach Wohlen, wurde dann 1999 Schulleiter-Stellvertreter von Rolf Wernli, dann rutschte er 2014 an die Stelle von Wernli. An Rolf Wernli erinnert er sich gerne, noch heute haben sie Kontakt, gehen ab und zu eine Pizza essen. «Rolf Wernli hat viel Herzblut für die Bez investiert, diese Schule ist ihm ans Herz gewachsen», sagt Bitschnau über seinen Vorgänger. Über Paul Bitschnau kann man genau das Gleiche sagen. Und beide haben sich über Jahrzehnte mit der Infrastruktur der Bez befasst. Nun liegt ein bemerkenswertes Resultat vor. Der Leidensweg ist definitiv vorbei.
Den Kompass neu ausgerichtet
Bis eine erfolgreiche und mehrheitsfähige Variante aufgezeigt werden konnte, verstrichen Jahre, eine gefühlte Ewigkeit, begleitet von politischen Streitigkeiten und von diversen Enttäuschungen, zumindest aus der Sicht der Schule. Paul Bitschnau mag aber nicht gross zurückschauen. Die verworfene Variante mit dem Landkauf an der Pilatusstrasse sei ein Dämpfer gewesen, gibt er zu. Aber Bitschnau wollte immer vorwärtsschauen. «Wir mussten damals den Kompass neu ausrichten, und das machten wir auch.»
Denn im Jahr 2017 begannen die konkreten Planungen für die heutige Lösung. Ein runder Tisch brachte die politische Wende. «Da wurde konstruktiv diskutiert. Vieles passierte da rollend», so Bitschnau. Er setzte eben stets das Positive in den Mittelpunkt. «Wann habe ich schon die Möglichkeit, beim Bau eines neuen Schulhauses mitzuwirken», sagte er sich – und packte mit an. Das Einvernehmen mit Gemeinderat, Verwaltung, Generalplaner sei spannend gewesen, «und es war intensiv, auch ein Sanierungsfall kann cool sein». Das Sanierungsprojekt sei sogar wie ein «Befreiungsschlag gewesen. Plötzlich tauchten neue Ideen auf», beispielsweise die Dachaufstockung im Hauptgebäude oder die Pausenarena beim neuen Anbau.
Die Überzeugungsarbeit hatte endlich gefruchtet. Arbeit, die auch Paul Bitschnau immer wieder leistete. Er habe stets die Anliegen der Schule vertreten, blickt er zurück. Die Schule müsse gut funktionieren, und zwar für die Lehrpersonen und die Schüler. «Das Raumprogramm war ein zusätzlicher Treiber.» Aber ohne Kompromisse gehe es beim Schulhausbau sowieso nicht.
Geteilte Schule – eine Herausforderung
Bei aller Freude über die Vollendung der neuen Bez darf eine Tatsache nicht vergessen werden. Die Bezirksschule Wohlen war über etliche Jahre hinweg eine geteilte Schule. Erste Abteilungen zogen ins Provisorium an den Oberdorfweg, die restlichen Abteilungen folgten dann später vor dem Baustart im Halde-Zentrum. «Das war teilweise ganz schwierig», so Bitschnau.
Oben am Oberdorfweg wurde in der Lernlandschaft unterrichtet, unten an der Bremgarterstrasse herrschte Normalbetrieb. Es entwickelte sich eine etwas komische Stimmung: Die da oben, die da unten. «Der Austausch hat gelitten und es benötigte plötzlich Brückenbauer», erklärt Paul Bitschnau.
Die Einführung der Lernlandschaften ist sein Meisterstück. Er machte aus der Platznot eine Trumpfkarte. Und die Lernlandschaften waren bei Eltern und Schülerschaft sofort gefragt. Es ging nicht lange, da wurden bei 150 Bez-Anmeldungen fast 130 Plätze in der Lernlandschaft gewünscht. Ein schöner Erfolg für den Schulleiter.
Die Bezirksschule ist in dieser Phase zudem stark gewachsen, die Verantwortlichen mussten oft improvisieren. «Selbst kritische Personen haben da gemerkt, dass sie nicht alleine sind. Denn die geteilte Schule hat das Team auch extrem zusammengeschweisst.» Zudem hatten alle auch ein Quäntchen Glück, denn der Wegzug einer Firma ermöglichte es, den provisorischen Standort am Oberdorfweg stetig auszubauen.
«Wir hatten ja eine gute Perspektive»
Trotz aller Anpassungsfähigkeit benötigte es am Oberdorfweg ein Container-Provisorium. Das Schulleben dort sei völlig okay gewesen, so der Schulleiter. «Wir wussten ja, da gehen wir bald wieder raus. Das war zumindest eine gute Perspektive. Die Schule hat während diesen drei Jahren jedenfalls nicht gelitten». Von der ersten Auslagerung von Abteilungen bis zum Rückzug vom Oberdorfweg verstrichen insgesamt fünfzehn Jahre. Als Schulleiter habe er immer wieder etwas Neues erlebt, fasst Bitschnau zusammen. «Mir wurde also nie langweilig.»
Als die Primarschule das sanierte und ihr neues Schulhaus auf dem Halde-Areal beziehen konnte, sei er fast ein wenig neidisch geworden, gibt er zu. «Aber ich wusste ja, dass wir auch etwas Lässiges bekommen werden.»
Genau das wird am Montag, 10. August, beim Schuljahresbeginn gefeiert. Die neue Bez wird dann offiziell den Betrieb aufnehmen. Während den zwei Wochen vor den Sommerferien wurde so ziemlich alles gezügelt – von Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern. So wurde der Start bestens vorbereitet. Alle Fachzimmer sind wieder an einem Ort. Einzig Werken Metall wird im Schulzentrum Bünzmatt bleiben.
Ein schönes Ensemble
Wenn Paul Bitschnau das rundum erneuerte Halde-Zentrum betrachtet, dann kommt er sogar ins Schwärmen. «Dieser Wurf ist gelungen. Grosser Dank an alle, die das ermöglicht haben.» Sein Dank geht an die Politik, an die Einwohner und an die Steuerzahlenden von Wohlen. Die Gemeinde Wohlen setzte das grösste Projekt seiner Geschichte um. 56 Millionen Franken beträgt der bewilligte Kredit für das gesamte Halde-Zentrum.
Und wer sich die Zeit nimmt, das gesamte Werk und die renovierten unter Schutz stehenden Schulhäuser zu betrachten, der sieht dank den wunderbar abgestimmten Farben mehr als nur ein Schulzentrum mit zeitgemässen und neuen Räumen. Auch optisch ist das Werk gelungen. «Es ist ein schönes Ensemble», urteilt der Schulleiter. Stimmt.
Optimistisch und tiefenentspannt
Für Paul Bitschnau ist das Schulraumproblem weiter präsent. Die Sanierung des Schulhauses Junkholz müsse jetzt rasch angepackt werden. Das ist den Entscheidungsträgern auch bewusst. «Ich bin gespannt, wie der Gemeinderat hier weitermacht.» Auch der neue Gemeinderat hat die Problemstellen erkannt. Er sei optimistisch und sogar tiefenentspannt, verrät Bitschnau. «Auch der neu zusammengestellte Gemeinderat will gute Lösungen.» So wie jetzt bei der Bezirksschule.
Dort wird sich der Schulleiter sicherlich wohlfühlen. Er komme jeden Tag gerne nach Wohlen in die Schule, verrät er. Und dies seit über drei Jahrzehnten. Das Neue, die Verbesserungen, die Herausforderungen haben ihn dabei immer angetrieben. Er werde mit viel Energie in der neuen Bezirksschule wirken, verspricht er.
Und auf einem Rundgang durch die erneuerten Räume strahlt Paul Bitschnau unentwegt. «Hier arbeiten zu dürfen, ist ein Geschenk.» Man nimmt es ihm gerne ab.


