Abwechslung als grosser Trumpf
10.07.2026 Region Unterfreiamt, Sarmenstorf, PorträtNoah Strebel aus Sarmenstorf mit zweitbestem Abschluss als Forstwart-Lehrling
Nach erfolgreichem Lehrabschluss haben 23 Aargauer Forstwarte ihren Fähigkeitsausweis erhalten. Zu den drei Besten gehört der Sarmenstorfer Noah Strebel, der dafür eine Ehrenaxt ...
Noah Strebel aus Sarmenstorf mit zweitbestem Abschluss als Forstwart-Lehrling
Nach erfolgreichem Lehrabschluss haben 23 Aargauer Forstwarte ihren Fähigkeitsausweis erhalten. Zu den drei Besten gehört der Sarmenstorfer Noah Strebel, der dafür eine Ehrenaxt erhielt. Im Forstbetrieb Lindenberg ist man stolz auf den jungen Berufsmann.
Chregi Hansen
Nein, damit habe er nicht gerechnet, sagt Noah Strebel. Mit der Gesamtnote von 5,2 schloss er die Prüfungen als Zweitbester des Kantons ab. Schulisch sei es in den vergangenen drei Jahren mal besser, mal schlechter gelaufen, sagt er. Im praktischen Bereich war der Sarmenstorfer aber bestens vorbereitet. «Als eher kleiner Betrieb fallen bei uns eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeiten an, bei denen die Lehrlinge quasi von Anfang mitanpacken müssen», sagt Silvan Meyer, Leiter des Forstbetriebs Lindenberg.
Tatsächlich wurde Strebel bei den Abschlussprüfungen während mehreren Tagen mit ganz unterschiedlichen Aufgaben konfrontiert. Neben der Holzerei ging es auch um die Bewirtschaftung und Pflege von Waldrändern, den Schutz von Pflanzen gegen die Schäden durch die Wildtiere, die Jungwaldpflege, aber auch den Unterhalt von Werkzeugen. All dies unter Beobachtung in einem für die Prüflinge unbekannten Revier und nicht im eigenen Wald, den man wie seine eigene Hosentasche kennt.
Holzen mit dem Helikopter
Aber auch das ist für Noah Strebel nichts Neues. So pflegt der Forstbetrieb Lindenberg eine enge Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Goms im Kanton Wallis. Dort verbrachte Strebel während der Lehre mehrere Wochen und bekam Einblick in die Holzerei in Bergregionen. Er war sogar bei Einsätzen mit dem Helikopter dabei. Für den Sarmenstorfer, der ein begeisterter Kletterer ist, natürlich ein wunderbarer Ort zum Arbeiten. Auch wenn die Tätigkeit im Wald durchaus anstrengend ist. «Ich mag Sport. Aber an manchen Tagen ist man dann doch zu müde, wenn man nach der Arbeit heimkommt», erklärt er. Dennoch kann er sich vorstellen, nach der RS einige Monate in einer Bergregion zu arbeiten. «Ich will noch an verschiedenen Orten und Betrieben Erfahrung sammeln», schaut er voraus.
Ursprünglich wollte er Zimmermann werden, «denn ich mag es, mit Holz zu arbeiten.» Aber er schnupperte zusätzlich als Forstwart und entschied sich dafür. Ihm gefällt es, draussen in der Natur zu sein und mit eigenen Händen etwas zu leisten. Auch die körperlich anstrengende Tätigkeit schreckt ihn nicht ab, schliesslich ist er in seiner Freizeit sehr sportlich unterwegs. Kommt dazu, dass er im Forstbetrieb Lindenberg sehr schnell Verantwortung übernehmen konnte. Mit ein Trumpf war die Nähe von Arbeitsplatz und Wohnort – der Forstbetrieb hat seine Basis in Sarmenstorf.
Vom Team profitiert
Schnell Verantwortung übernehmen, das müssen im Forstbetrieb Lindenberg alle Lehrlinge. «Das geht bei uns Schlag auf Schlag. Die Lernenden werden, natürlich unter Anleitung, schon früh bei den verschiedensten Tätigkeiten eingesetzt und müssen mitanpacken. Wobei Sicherheit immer an erster Stelle steht. Übermüdet zur Arbeit erscheinen, das liegt nicht drin, wenn man mit einer Motorsäge hantiert», sagt Förster Silvan Meyer. Zudem verfügt der Betrieb mit Daniel Lüscher über einen sehr erfahrenen Ausbildner. Auch das übrige Team ist stets bereit, Fragen der Lehrlinge zu beantworten und ihnen Sachen zu erklären. «In unserem Team ist viel Wissen vereint. Aber die Jungen müssen es auch nutzen», sagt Meyer. Noah Strebel sei von Anfang an motiviert gewesen. «Schon früh bekam ich das entsprechende Werkzeug in die Hand gedrückt und es hiess: Mach mal. Das hat mir gefallen», schaut er auf die drei Jahre zurück.
Vor allem aber die Abwechslung hat ihm Spass gemacht. «Die Arbeit eines Forstwarts umfasst heute viel mehr als bloss die Holzerei», erklärt Meyer. «Wir pflegen den Wald, machen Gewässerund Hangverbauungen, setzen ökologische Projekte wie Naturhecken um, bekämpfen Neophyten und übernehmen Arbeiten für Gemeinden oder Private», zählt er auf. Alles Bereiche, die auch bei den Überbetrieblichen Kursen der Schule thematisiert werden. «Für einige Lehrlinge war das Neuland, für uns ist es Alltag», sieht Strebel einen grossen Vorteil. Dazu betreibt der Forstbetrieb drei Schnitzelheizungen, übernimmt auch Unterhalts- und Wartungsarbeiten und macht Pikettdienst. Langweilig wurde es Noah Strebel in der Lehre jedenfalls nie.
Vorläufig bleibt er dem Lindenberg noch treu
Für die Zukunft stehen dem jungen Berufsmann jetzt viele Optionen offen. Etwa die Weiterbildung zum Vorarbeiter oder Maschinenführer. Der Besuch der höheren Fachschule, um Förster zu werden und später allenfalls als Betriebsleiter oder Revierförster tätig zu sein. Angeboten wird auch ein Studium der Forstwirtschaft. Doch vorerst bleibt Strebel dem Lehrbetrieb noch erhalten, bis er im Winter die RS macht. Was dann folgt, ist noch offen. «Junge, gute Forstwarte sind gesucht. Der Markt ist ausgetrocknet. Viele scheuen die anstrengende Arbeit im Wald bei jedem Wetter. Leute wie Noah sind gefragt», weiss Meyer.
Der Leiter des Forstbetriebs ist stolz auf die Leistung von Noah Strebel. «Er hat die Latte für künftige Lehrlinge hoch gelegt», schmunzelt er. Aber auch dem Ausbildner gehöre ein grosser Dank, fügt er an. Bei einem gemeinsamen Essen wird die gute Note jetzt gefeiert. Bald aber fährt Noah Strebel für zwei Wochen in die Ferien. Die hat er sich nach dieser guten Leistung sicher verdient.

