Sabrina Salm, Redaktorin.
Zahlen. Allein das Wort hat bei mir lange etwas ausgelöst, das irgendwo zwischen Fluchtreflex und kaltem Schweiss lag. Während andere scheinbar mühelos Brüche addierten oder Gleichungen lösten, ...
Sabrina Salm, Redaktorin.
Zahlen. Allein das Wort hat bei mir lange etwas ausgelöst, das irgendwo zwischen Fluchtreflex und kaltem Schweiss lag. Während andere scheinbar mühelos Brüche addierten oder Gleichungen lösten, entstand in meinem Kopf vor allem eines: Zahlensalat. Mathematik war mein Angstfach. Nicht einfach ein Fach, das mir weniger lag als andere. Nein, Mathe war mein persönlicher Endgegner. Ich habe damals gebüffelt, Nachhilfe besucht und schnitt am Ende sogar mit Spickzetteln schlecht ab. Für mich hatte das alles einfach keine Logik – obwohl Logik in diesem Fach ja angeblich alles ist.
Heute als Erwachsene ist das Trauma zwar etwas verblasst. Ich komme im Alltag klar, dank Taschenrechner-App. Ich bin zwar immer noch die Schnecke im Rechenrennen und oft unsicher, aber ich weiss mir immerhin zu helfen. Doch tief drinnen entsteht immer noch blitzschnell ein wilder Zahlensalat im Kopf, wenn es kompliziert wird. Und dann las ich kürzlich diesen einen Satz, der mich ein wenig aufschreckte: Forscher vermuten, dass die Rechenfähigkeit bereits im Mutterleib beeinflusst wird. Eine Art «Mathe-Gen» soll existieren. Frauen geben ihre mathematischen Veranlagungen also weiter.
Da bin ich einfach nur froh, dass ich meinem Sohn vieles mitgegeben habe – aber ganz bestimmt nicht mein fehlendes Mathe-Gen. Er ist das absolute Gegenteil von mir. Er ist sehr zahlenaffin, Mathematik ist sein Lieblingsfach und regelmässig fordert er mich zu Kopfrechen-Duellen heraus. In diesem Fall verweise ich ihn ganz häufig an seinen Vater. «De Papi macht das gern», sage ich dann. Mit dem Wissen, dass auch er diese spontanen Rechenrunden nicht gerade liebt. Aber wenigstens kann er es – daher hält sich mein schlechtes Gewissen, ihn als Sparringspartner ins Spiel gebracht zu haben, in Grenzen. Wenn mein Mann aber nicht zu Hause ist, muss ich ran. Sobald mir die Aufgaben zu viel werden und meine mathematische Schmerzgrenze erreicht ist, starte ich ein oscarreifes Improvisationsstück. Dann fällt mir plötzlich ein, dass die Waschmaschine dringend ausgeräumt werden muss oder ich sonst irgendwas zu erledigen habe.
Wie das wohl in Zukunft aussieht, wenn der Mathestoff immer komplexer wird? Das möchte ich mir gar nicht erst ausrechnen.