Wohlens Gesicht mitprägen
19.06.2026 WohlenDer Bauchef
Der neue Gemeinderat Olivier Parvex
Das Ressort Planung, Bau und Umwelt fordert den verantwortlichen Gemeinderat. Das weiss man aus Erfahrung. Für Olivier Parvex ist das kein Problem. Im Gegenteil, er mag solche Herausforderungen. So war ...
Der Bauchef
Der neue Gemeinderat Olivier Parvex
Das Ressort Planung, Bau und Umwelt fordert den verantwortlichen Gemeinderat. Das weiss man aus Erfahrung. Für Olivier Parvex ist das kein Problem. Im Gegenteil, er mag solche Herausforderungen. So war dieses Ressort sein Wunschgebiet. Und er hat auch bekommen, was er sich gewünscht hat. Nun ist der neue Gemeinderat eine Art Bauchef der Gemeinde. --dm
Serie: Die neuen Gemeinderatsmitglieder – eine erste Bilanz: Olivier Parvex-Käppeli, Ressort Planung, Bau und Umwelt
Vor fünf Jahren hätte er sich eine Politkarriere nicht mal erträumt. Es ging also steil aufwärts. Erst Einwohnerrat, dann Gemeinderat. Nun betreut Olivier Parvex-Käppeli ein Mammutressort. Und es war sogar sein ausdrücklicher Wunsch, im Bereich Planung, Bau und Umwelt tätig zu sein.
Daniel Marti
Dieses Ressort gibt ganz viel zu tun. Hier laufen etliche Fäden zusammen und es verlangt eine grosse Präsenzzeit. Das Ressort Planung, Bau und Umwelt steht jeweils nicht bei jedem Gemeinderatsmitglied ganz oben auf der Wunschliste. Bei Olivier Parvex (Jahrgang 1977) dagegen schon. «Es ist perfekt, ich habe mir dieses Ressort gewünscht, hier kann ich mithelfen, Wohlen zu entwickeln. Hier kann ich etwas bewirken», sagt der GLP-Politiker voller Selbstvertrauen.
Das, was er in der Verwaltung angetroffen hat, stärkt ihn noch zusätzlich. «Es sind alles motivierte und engagierte Leute, die das Wohl von Wohlen wollen.» Also lauter positive Eindrücke. Alle Verwaltungsangestellten sind sich laut Parvex bewusst, dass Wohlen in einer «angespannten finanziellen Situation steckt. Trotzdem versuchen alle, mit den beschränkten Mitteln das Maximum herauszuholen.» Er sei erfreut und «positiv überrascht».
Keine Schonzeit
Eine optimale Ausgangslage, um in ein neues Leben als Gemeinderat einzutauchen. Aber der Start war intensiv. Olivier Parvex steckte im Januar und Februar im Prüfungsstress, er strebte den eidgenössischen Fachausweis als Immobilienbewirtschafter an. Mit Erfolg. «Das war eine stressige Zeit», blickt er zurück. Aber inzwischen sitzt alles: die Abläufe, die Zuständigkeiten, der Draht zur Verwaltung und zum Gemeinderatskollegium. «Und ja», gibt er zu, «das Ressort ist tatsächlich gross, und es läuft extrem viel.»
Die ersten Vorlagen des neuen Gemeinderates haben bereits den Einwohnerrat passiert, die Schulprovisorien im Bünzmatt und Junkholz wurden auf Kurs gebracht. Schonzeit Fehlanzeige. Er sei bereit für harte Auseinandersetzungen, stellt er klar.
Und Olivier Parvex, der frühere Fernsehmann, ist als ehemaliger Geschäftsführer der Auto Käppeli AG auch Unternehmer. Diese Karte will er spielen, diese Haltung fordert er auch von der Verwaltung. «Obwohl ich ab und zu auf Granit beisse», seine Vorstellungen wird er deswegen nicht ändern. Schliesslich wollte er unbedingt Gemeinderat werden – so war jedenfalls die Wahrnehmung. «Wer kandidiert, will gewählt werden.» Parvex trat deshalb voller Überzeugung für die Ersatzwahl an und schaffte den Sprung in die Regierung souverän. «Ich habe das noch nie bereut», betont er.
«Wir müssen besser kommunizieren»
Nach dem Rechtsrutsch ist der Familienvater die einzige linke Stimme im Gemeinderat. Auch wenn er die Mitte-Vertretung Sonja Isler-Rüttimann auf seine Seite ziehen mag, reicht das nicht zu Mehrheiten. «So ist es den rechten Kräften in den letzten acht Jahren ergangen», gibt er sich pragmatisch. «Es gibt klare politische Linien, aber im Gemeinderat wird nur wenig Parteipolitik betrieben.» Zudem stehe seine Partei, die Grünliberalen, nicht ausschliesslich links, «die GLP ist schliesslich auch eine liberale Partei. Zudem bin ich Gemeinderat für die gesamte Bevölkerung.» Der Gemeinderat will als Gesamtgremium vorwärtskommen – und die Inputs von allen fünf werden wahr- und ernst genommen.
Ein Beispiel gefällig: Als ehemaliger SRF-Journalist deklarierte er die Kommunikation rasch als verbesserungsfähig. «Wir als Gemeinderat müssen besser kommunizieren und stets offen sein. Schliesslich wollen wir die Einwohnerinnen und Einwohner überzeugen.» Gemeinderat und Verwaltung nehmen sich die Vorschläge vom Kommunikationsprofi Parvex jedenfalls zu Herzen.
Verwaltung eher unterdotiert
Der ehemalige Medienprofi Olivier Parvex weiss, was gute Politiker auszeichnet. Schliesslich hat er jahrelang für das Fernsehen von der regionalen Politik bis zu den Bundesratswahlen berichtet. Dabei ist seine Politkarriere denkbar jung. Vor fünf Jahren hätte er sich nicht erträumen lassen, in der Politik aktiv etwas zu bewegen. Dann überzeugten ihn zwei heutige Einwohnerräte, dass der Eintritt in die GLP und eine Einwohnerratskandidatur eine tolle Sache ist. Auf Anhieb wurde er ins Dorfparlament gewählt.
Er politisierte im Einwohnerrat von 2022 bis 2025. Und war Mitglied der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission. «Das ist ein grosser Vorteil», betont er, «als FGPK-Mitglied setzt man sich vertieft mit den Themen auseinander. Die effektive politische Arbeit passiert hier.» Dies beweisen auch seine Gemeinderatskolleginnen Claudia Hauri und Sonja Isler-Rüttimann, beide arbeiteten ebenfalls in der Kommission mit.
Zum Ressort, genauer Lieblingsressort. Damit darf man sich auch kritisch auseinandersetzen. Die Abteilung Planung, Bau und Umwelt sei personell zu grosszügig aufgestellt, wird in der Politrunde ab und zu gemunkelt. Genau das sei nicht der Fall, interveniert er sofort. Bei der Abteilung Baugesuche zum Beispiel sei man unterdotiert. «Wir müssen Baugesuche teilweise extern prüfen lassen und immer wieder dauert es bei kleineren Projekten zu lange, bis eine Baubewilligung oder Absage erteilt werden kann, das ist ein grosses Problem.» Auch der Werkhof sei personell zu knapp besetzt. «Bei Sauberkeit und Abfall reagiert die Bevölkerung sehr sensibel. Und für die Ortsplanung muss gerade mal ein 50-Prozent-Pensum reichen, das ist nicht grosszügig.»
Jedes Schulhaus genau angeschaut
Gewiss, das Ressort Planung, Bau und Umwelt ist herausfordernd und ein Mammutressort. Umso mehr als seit dem 1. Januar auch noch das ehemalige separate Ressort «Liegenschaften und Anlagen» dazugehört. «Das Ressort beinhaltet alle Infrastrukturen der Gemeinde, und zwar von der Planung bis zur Reinigung», erklärt er und bezeichnet vor allem den Schulraum als grosse Herausforderung. Er nennt ein Beispiel: «Das Schulzentrum Halde ist ein riesiges Projekt, das unglaublich viel Zeit benötigt.»
Weiter gibt es aktuell etliche umstrittene private Bauprojekte. Jenes der Firma Stach, das Grossprojekt entlang der SBB-Linie und jenes am Rebberg, das stillsteht. Oder die bald startende Revision der Bau- und Nutzungsordnung. «Ein Projekt, das über Jahre hinweg dauert. Und praktisch die ganze Bevölkerung kann sich einbringen», erklärt Parvex, «gleichzeitig kann man mit der BNO Wohlen weiterentwickeln.»
Und logisch, der Schulraum beschäftigt die Regierung praktisch immer. Mit Thomas Geissmann, Ressort Volksschule, ist Olivier Parvex in einem ständigen engen Austausch. Er selber hat sich jedes Schulhaus in Wohlen genau angeschaut und zieht Bilanz: «Das Bünzmatt I ist heute noch ein Top-Bau. Das Junkholz-Schulhaus kommt ganz anders daher. Das musste seinerzeit schnell und günstig gebaut werden.
Und das erneuerte Halde-Schulzentrum ist super. Daran werden wir noch lange Freude haben.»
Zwei Varianten beim Schulhaus Junkholz
Gemeinderat Parvex gibt auch Einblick in die angedachte Reihenfolge betreffend Erweiterung und Sanierung des Schulraums. Beim allfälligen neuen Schulhaus im Farn läuft zurzeit die Zonenplanänderung. Beim Bünzmatt-Zentrum ist eine Zwischensanierung angedacht, Nasszellen und Aula-Trakt sollen als Erstes saniert werden. Und fürs Junkholz wird aktuell eine Studie ausgearbeitet mit dem Ziel, aus zwei Varianten auswählen zu können.
Bei der gesamten Schulraumproblematik sei es positiv, dass die Strategie bereits verabschiedet und «breit abgestützt» ist. Der Gemeinderat sei jedoch gesprächsbereit. «Denn wir können auch lernen, und vielleicht entstehen daraus auch neue Ideen.» Schulraum ist ein happiges Thema, das den GLP-Gemeinderat ständig begleiten wird.
Etwas gemächlicher geht es bei den Kommissionen voran. Olivier Parvex ist Präsident der Kommission für Natur und Landwirtschaft, der Kommission für Umwelt, Energie, Klima, der Liegenschaftskommission sowie der Planungs- und Ortsbildkommission. Zudem ist er auch Mitglied der Schulraumplanungskommission. Da muss er selber schmunzeln, denn die Kommissionsarbeit hat er erst diese Woche aufgenommen. «Aber ich habe den Überblick», behauptet er.
Das Filetstück und die Visitenkarte
Und da wären noch die Themen, die er schon als Einwohnerrat betreute: Isler-Areal und Schüwo-Park. «Beim Isler-Areal sind wir intensiv an der Arbeit, der Prozess läuft.» Bis Ende Jahr soll der Baurechtsvertrag im Einwohnerrat behandelt werden können, verspricht er. Und er outet sich als wahrer Fan dieses Landstücks mitten im Zentrum: «Das ist unser Filetstück, es soll künftig das Gesicht von Wohlen prägen.» Das Gebiet vom «Sternen» bis zum Park des Strohmuseums sei die Visitenkarte von Wohlen – mit historischen Häusern und mittendrin einem Zugang zum Wasser. «Hier schlummert ein Wahnsinnspotenzial.» Eine wunderbare Einordnung. Auch der Schüwo-Park sei ein ungelöstes Problem, fügt er an. Die Anlage gehört zum Ressort von Frau Vizeammann Sonja Isler-Rüttimann. Dennoch findet er: «Er ist kein Renditeprojekt, da gibt es kein Geld zu verdienen. Die Anlage gehört der Gemeinde und sie muss unterhalten und betrieben werden.» Der Anlage müsse man Sorge tragen und «wir alle sollten Freude daran haben». Egal ob ein Verwaltungsrat oder die Gemeindeverwaltung den Lead hat.
Wachstum als Mann aus der Wirtschaft betrachten
Das nächste ständige Problem: das Wachstum. Das sei «enorm und extrem», räumt er ein. «Aber das spricht ja für Wohlen. Es ist attraktiv und es bietet viel.» Dies sei wiederum interessant für Investoren. Andererseits hat er Verständnis für Leute, für die das Wachstum einfach zu viel sei, ihm gehe es manchmal auch so. Wenn man wie er aus der Wirtschaft komme, «dann kann man ja nicht sagen, dass Wachstum schlecht ist», so der Geschäftsführer und Immobilienbewirtschafter der Kapaso AG. «Wir müssen einfach auf die Qualität schauen, das ist unsere primäre Aufgabe.»
Dies gilt auch für das zunehmende Verkehrsaufkommen – ein weiteres Ärgernis. Der Verkehr sei zu Spitzenzeiten im Zentrum tatsächlich nicht mehr erträglich, stellt er fest. «Lösungen sind schwierig, aber vielleicht gelingt es uns, mit dem Verkehrsmanagement, das aktuell zusammen mit dem Kanton und den umliegenden Gemeinden erarbeitet wird, den Verkehr flüssiger zu machen.»
Ob Verkehrsmassnahmen, neue Stellen oder der nötige Schulraum – alles kostet Geld, das Wohlen eigentlich nicht hat. Den Finanzhaushalt hat auch Parvex stets im Blick – zusammen mit der gesamten Regierung. «Wir bauen nur das, was effektiv nötig ist. Wir wollen nicht endlos investieren, sondern vernünftig mit den knappen finanziellen Mitteln umgehen», sagt er.
Olivier Parvex-Käppeli mag darum einigermassen gelassen und zuversichtlich in die Zukunft blicken. Wohlen in acht, zehn Jahren kann er sich gut vorstellen. Er persönlich möchte vor allem im Denken grosszügig sein und bleiben. Es wäre schön, wenn die dringendsten Defizite bis in knapp zehn Jahren aufgearbeitet und ein Teil der Schulden abgetragen wären, erklärt er. «So sollte Wohlen eine lebenswerte Stadt bleiben.»


