«Wohlen muss attraktiv bleiben»
06.01.2026 Wohlen, Politik«Das motiviert und fordert»
Wohlens neuer Gemeindeammann Roland Vogt
Am 1. Januar ist in Wohlen eine neue Ära gestartet worden: Mit Roland Vogt stellt erstmals die SVP den Gemeindeammann. Vogt folgt auf Arsène Perroud (SP). Das ...
«Das motiviert und fordert»
Wohlens neuer Gemeindeammann Roland Vogt
Am 1. Januar ist in Wohlen eine neue Ära gestartet worden: Mit Roland Vogt stellt erstmals die SVP den Gemeindeammann. Vogt folgt auf Arsène Perroud (SP). Das Stimmvolk führte zudem einen grossen Wandel herbei. Gleich vier neue Gemeinderatsmitglieder wurden an die Seite des neuen Ammanns gewählt – somit wurde auch die bürgerliche Mehrheit gestärkt. Dies sei natürlich ein Voreil für ihn, sagt Vogt. Und weiter: «Das Volk wollte eine Veränderung, es hat sicher ein Zeichen gesetzt und die SVP zur Wahlsiegerin gemacht. Jetzt sind wir jedoch in der Pflicht, jetzt müssen wir liefern», erklärt er. Fühlt sich der neue Gemeindeammann deshalb unter Druck? Nicht zwingend. «Druck ist immer auch eine schöne Sache», betont er. «Druck motiviert und fordert einen heraus. Ich habe keine Probleme damit.» --dm
Interview mit Roland Vogt: Der neue Gemeindeammann will erst den Überblick haben, dann nennt er klare Vorstellungen
Er weiss, dass er mit seinem Team viele Herausforderungen meistern sollte. Der neue Gemeindeammann Roland Vogt geht auch darum seine neuen Aufgaben mit Demut und Respekt an. Eines ist klar: Der SVP-Politiker will einiges verändern. «Ich stehe für eine andere Politik», sagt er.
Daniel Marti
Bereits vor Ihrer Wahl zum Gemeindeammann wurde Ihr Arbeitspensum diskutiert. Sie haben sich für 70 Prozent entschieden. Warum?
Roland Vogt: Das Amt als Gemeindeammann kann zwischen 60 und 80 Prozent ausgeübt werden. Das wollte das Stimmvolk so. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mich nicht für 80 Prozent entscheiden werde. 60 Prozent sind dagegen zu wenig. Darum habe ich die Mitte, die 70 Prozent, gewählt. Dieses Pensum erachte ich für mich als ideal.
Wann sind Sie im Gemeindehaus anwesend, wie arbeiten Sie bei der Stadtpolizei Zürich?
Ich werde mindestens einen Tag in der Woche nicht im Gemeindehaus anwesend sein, dies wird wohl gegen Ende der Woche sein, Donnerstag oder Freitag. Bei der Polizei werde ich weiter als Teilzeitangestellter flexibel tätig sein. Ich starte mit dieser Aufteilung in die Amtsperiode. Nach einem Jahr werde ich die Situation analysieren. Gemäss Gemeindeordnung kann das Pensum des Gemeindeammanns jährlich verändert werden. Am Ende muss es für beide Seiten stimmen, für mich und die Gemeinde.
Oft werden Sie auch am Dienstag abwesend sei, dann tagt der Grosse Rat. Wie sehen Sie Ihre Zukunft im Kantonsparlament?
Ich bleibe im Grossen Rat, und der Zeitaufwand ist eine Frage der Organisation. 2025 hatten wir 16 Grossratssitzungen an einem Dienstag. Das ist überschaubar. Meine Priorität liegt aber klar auf der Gemeindestufe. Das Mandat im Grossen Rat ist auch wichtig für die Entwicklung von Wohlen. Als Gemeindeammann ist es gut, im Kantonsparlament vertreten zu sein. Der Austausch ist wichtig, zudem bin ich der einzige Vertreter des Gemeinderates, der zugleich Grossrat ist. Bis Ende Jahr hatten wir da zwei Grossräte und eine Grossrätin. Ich werde voraussichtlich zumindest bis zum Ende der Amtsperiode im Grossen Rat bleiben.
Sie sprechen die neue Besetzung im Gemeinderat an. Bitte ein Wort zum neuen Team.
Alle fünf sind schon lange in der Politik tätig, und wir alle kennen Wohlen sehr gut und Wohlen liegt uns am Herzen. Wir passen in der neuen Zusammensetzung gut zueinander – politisch und menschlich. Die Bürgerlichen haben eine Mehrheit, dass auch das linke Lager im Gemeinderat vertreten ist, ist wichtig und richtig.
Konnten bei der Ressortverteilung alle Wünsche erfüllt werden?
Ich hatte im Vorfeld mit ihnen Gespräche geführt. Letztlich ist jede Person in dem Ressort, wo sie sich persönlich gesehen hat. Das ist doch gut so. Wir haben im Gemeinderat alles Personen, die sich ausreichend Zeit für das Amt nehmen können und die richtigen Fähigkeiten mitbringen. Claudia Hauri war in der Finanzbranche tätig. Sie weiss, dass das Geld zuerst verdient werden muss, bevor es ausgegeben werden kann. Thomas Geissmann kommt aus der Wirtschaft und wird bei der Schule die richtigen Stellschrauben anbringen. Auch Olivier Parvex bringt Erfahrung aus der Wirtschaft mit und ist zudem in der Immobilienbranche tätig. Ich bin überzeugt, er wird die Abteilung Planung, Bau und Umwelt in Zukunft schlanker führen. Auch Sonja Isler bringt ihre Erfahrung aus ihrer Spitaltätigkeit und der Gesellschaft in ihr Ressort.
Wohlen hat mit Sonja Isler erstmals eine Frau Vizeammann. Haben Sie hier besondere Vorstellungen?
Das ist doch gut, dass Wohlen erstmals eine Frau Vizeammann hat. Ich freue mich jedenfalls auf die Zusammenarbeit mit ihr. Es wird sicherlich auch Termine geben, die ich gerne ihr delegieren werde. Aber die genaue Aufteilung steht noch an.
Die Verwaltung kennen Sie schon lange. Ein grosser Vorteil?
Ich bin nun seit zehn Jahren im Gemeinderat, deshalb bin ich gut vernetzt mit den Abteilungsleitern und dem Geschäftsführer. Das werte ich als Vorteil. Bei unserem Geschäftsleitungsmodell sind die Abteilungsleiter für vieles verantwortlich. Sie haben die operative Verantwortung, das gilt es immer zu berücksichtigen.
Rückblick auf Ende September und auf Ihre erfolgreiche Wahl. Wie betrachten Sie dies aus der heutigen Sicht?
Meine Freude ist immer noch sehr gross. Und ich freue mich auf die Arbeit als Gemeindeammann. Ich verspüre immer noch viel Demut und Respekt. Wenn ich heute 20 Jahre zurückschaue, sehe ich, wie viel Verantwortung die ehemaligen Gemeindeammänner getragen haben. Ich bin dem Stimmvolk dankbar, dass es mir dieses Vertrauen geschenkt hat. Ich hätte mir nie erträumen lassen, dass ich Gemeindeammann werden könnte.
Es gibt eine klare bürgerliche Mehrheit und Rückhalt im Einwohnerrat. Das ist gut für den bürgerlichen Ammann …
Der neue Ammann, die Mehrheit im Gemeinderat und Einwohnerrat und somit auch die Mehrheit der Wohler Stimmbevölkerung vertreten eine bürgerliche Politik. Das sind gute Voraussetzungen für Wohlen. Das Volk wollte, dass die SVP zwei Sitze im Gemeinderat hat. Wir sind also weiterhin auf Kompromisse und auf bürgerliche Partner angewiesen. Der Zugewinn bei den Einwohnerratswahlen ist eine schöne Bestätigung für die Arbeit der SVP. Jetzt ist die SVP Regierungspartei und da gilt es, Verantwortung zu übernehmen.
Nicht überall liegt die Verantwortung ab sofort beim Gemeinderat. Ihr Vorgänger Arsène Perroud wird drei Präsidien bis zu den nächsten Delegiertenversammlungen weiter ausführen. Dies sind Kesd Bezirk Bremgarten, Repla Unteres Bünztal, ARA. Wer folgt hier?
Arsène Perroud hat diese Ämter gerne und gut geführt. Aber man muss auch als Zentrumsgemeinde nicht überall ganz vorne stehen, zudem kann dies auch ein anderes Gemeinderatsmitglied übernehmen oder eine andere Gemeinde. Ich habe mir noch keine ernsthaften Gedanken gemacht. Ich könnte mir vorstellen, eventuell das Präsidium bei der Repla zu übernehmen. Die bei der Repla angestrebte Entwicklung ist auch wichtig für Wohlen. Wir werden uns im Gemeinderat noch darüber unterhalten müssen.
Bei der Nachfolge als Ortsbürger-Vorsteher ist alles geklärt?
Die Führung der Ortsbürgergemeinde ist im Ressort Präsidiales, also bei mir. Ich darf dieses ehrenvolle Amt übernehmen. Die Ortsbürgergemeinde ist wichtig, nicht nur wegen den diversen bedeutungsvollen Infrastrukturen. Die Ortsbürgergemeinde hat in Wohlen eine Ausstrahlung. Und vielleicht ist dieser Wechsel auch eine Chance, damit die Diskussionen bei der Ortsbürgergemeinde wieder zu sachlichen Auseinandersetzungen werden.
Ab 1. Januar ist vieles anders. Dann folgen die grossen Herausforderungen.
Ja, da gibt es vor allem eine grosse Herausforderung, die mit der einen wesentlichen Frage verbunden ist: Wie stemmt die Gemeinde Wohlen die vielen Projekte, ohne den Steuerfuss verändern zu müssen? An erster Stelle stehen die Schulraumprojekte bei den Schulzentren Junkholz und Bünzmatt. Da braucht es viel Manpower, letztlich sind aber auch hier die Finanzen das Problem. Und grundsätzlich: Wir haben das Geld nicht, um alle angedachten Projekte zu bauen. Und betreffend Steuerfuss hat das Volk schon oft ein Machtwort gesprochen. Daraus gilt es die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Den Steuerfuss haben Sie schon nach Ihrer Wahl angesprochen, dieser könnte doch noch rauf …
Das muss ich schon klarstellen. Meine Haltung ist hier deutlich: Wenn das Geld nicht reicht, das Volk aber zu allem Ja sagt, dann muss man sich über den Steuerfuss unterhalten. Aber eine Steuerfusserhöhung ist für mich die letzte Option. Zuerst muss man alle Projekte kostenbewusst und genau anschauen. Und man muss auch berücksichtigen, dass die Gemeinde Wohlen steigende Kosten hat, die vor allem vom Kanton Aargau vorgegeben sind.
Zum Beispiel bei den Restkosten der Pflegefinanzierung. Diese Mehrausgaben müssen zuerst wieder eingenommen werden.
Bei den Finanzen gibt es mit der neuen Gemeinderätin Claudia Hauri eine Hoffnungsträgerin.
Ja, Claudia Hauri ist Finanzexpertin und eine Art Hoffnungsträgerin. Sie wird alle Finanzpunkte kritisch hinterfragen. Damit sie sich nur auf die Finanzen fokussieren kann, wurde das Ressort Sicherheit zum Gemeindeammann verschoben, hier ist es am richtigen Ort. So kann sich Claudia Hauri am besten einen Überblick verschaffen und direkt bei den Projekten Einfluss nehmen.
Ein weiteres Problem ist der zunehmende Verkehr?
Ich bin täglich auf der Strasse unterwegs, und das Verkehrsproblem ist tatsächlich mühsam. Aber die Meinung zu vertreten, die Strassen zu entlasten und auf den ÖV zu verlagern, ist naiv. Wohlen kennt das Problem, nur beurteilt der Kanton das anders und falsch. Hier müssen mit dem Kanton Gespräche geführt werden. Der Verkehr muss rollen und nicht behindert werden. Das Konzept in Wohlen funktioniert nicht. Bei Sanierungen oder beim Bau von Strassen sollte die Fahrbahn im Vordergrund sein. Es braucht Veränderungen, aber dieser Prozess geht sehr lang. Wir müssen zudem die Südumfahrung unbedingt im Auge behalten, denn die würde Wohlen entlasten.
Thema Schulraum. Immerhin sind sich nun alle Parteien bei der Strategie einig.
Es geht jetzt in eine andere Richtung. Das Bisherige soll saniert und erweitert werden, das ist ein guter Anfang. Den geplanten neuen Standort Farn gilt es jedoch zu hinterfragen. Wir erreichen nur dann eine finanzielle Entlastung, wenn weniger gebaut wird. Da muss auch die Schule ihren Beitrag leisten.
Die finanzielle Beteiligung der Gemeinde am Schüwo-Park ist ein wiederkehrendes Thema.
Da sind wir dran. Anfang Jahr werden wir dies im Gemeinderat behandeln. Danach werden wir sehen, in welche Richtung es gehen wird. Unter dem Strich gibt es Kosten, die einfach anfallen und bleiben. Und am Schluss landen sie in den Büchern der Gemeinde. Rein theoretisch kann die Arbeit, die der Verwaltungsrat erledigt, auch die Gemeindeverwaltung machen. Aber auch diese Variante kostet Ressourcen.
Die Schuldenobergrenze führt stets zu Diskussionen. Der aktuelle Finanzplan geht von einer Spitze im Jahr 2031 von 157,5 Millionen Franken aus.
Das ist einfach zu hoch. Diese Summe muss massiv runter. Und das geht nur mit dem Verzicht von Projekten.
Was wollen Sie denn als Erstes verändern?
Ich stehe für eine andere Politik im Fokus, werde aber nicht alles am ersten Tag auf den Kopf stellen. Nach einer gewissen Zeit können wir die ersten Pflöcke einschlagen. Dafür muss der Gemeinderat zuerst den Durchblick bekommen. Der Gesamtgemeinderat ist neu im Amt und braucht etwas Zeit. Grossprojekte wie der Bahnhof, das Haldenschulhaus oder die Hofmatten haben wir bald abgeschlossen. Wohlen soll wieder zur Ruhe kommen und andere Aufgaben wie die Sicherheit der Bevölkerung, das Wachstum oder die gesellschaftlichen Strukturen in Angriff nehmen. Seien wir doch ehrlich, der Ausländeranteil von 42 Prozent ist viel zu hoch. Das bringt früher oder später Probleme und die müssen angesprochen werden. Was nützen uns hitzefreie Zonen für die älteren Personen, wenn sie sich nicht mehr auf die Strasse getrauen. Grössere Pflöcke einzuschlagen, wird vor allem beim künftigen Schulraum notwendig sein. Dafür benötigt es noch Überzeugungsarbeit, vor allem bei der Schule. Einen kleinen Pflock werde ich gleich am Anfang einschlagen.
Bitte, welchen?
Der Brunnen vor dem Gemeindehaus wird endlich gereinigt, so wie jetzt ist er eine Schande. Er ist ein Symbol für die Strohindustrie und für Wohlen. Dieses Symbol soll ansehnlich sein. Ich weiss, das ist nur eine kleine Sache, aber es ist ein Zeichen.
Wie lauten denn Ihre konkreten Ziele für das erste Amtsjahr oder für die erste Amtsperiode?
Ein neuer Ammann und ein neuer Gemeinderat sind für die Verwaltung eine Umstellung. Darum ist es wichtig, dass sie das Vertrauen spüren, auch wenn es zu Veränderungen kommen sollte. Viele Geschäfte sind aufgegleist und müssen weiterverfolgt werden. Auch die Legislaturziele müssen definiert werden. Da habe ich meine Vorstellungen, diese müssen aber im Gemeinderat eine Mehrheit finden. Wohlen muss attraktiv bleiben. Ein hoher Steuerfuss oder irgendwelche Ideologien sind nicht zielführend. Das horrende Tempo, das in den letzten Jahren angeschlagen wurde, werden wir nicht halten. Dieses Tempo ist für mich nicht realistisch, und dafür ist das nötige Geld nicht vorhanden. Man muss auch den Mut haben und einen Gang runterschalten, um das Vorhandene zu verbessern.

