Wie im Märchenschloss
01.05.2026 Fischbach-Göslikon, VillmergenDie Design-Prinzessin
Die Villmergerin Tanja Fischbach und ihr Partner haben das «Gstaad Palace» neu gestaltet
Sie sind Ikonen der Innenarchitektur. Und setzen aktuell ihr wohl grösstes Projekt um.
...Die Design-Prinzessin
Die Villmergerin Tanja Fischbach und ihr Partner haben das «Gstaad Palace» neu gestaltet
Sie sind Ikonen der Innenarchitektur. Und setzen aktuell ihr wohl grösstes Projekt um.
Stefan Sprenger
Geheimtüren, die Bibliothekswände öffnen. Handgefertigte Stoffe aus Venedig. Oder Originalstücke mit Bauernmalerei. Im «Gstaad Palace» liegt die Schönheit im Detail. In den letzten drei Jahren haben die Freiämterin Tanja Fischbach und ihr Mann Christoph Aberegg (die beide in Zufikon leben) das Herzstück des Luxushotels in Gstaad neu interpretiert: das «Le Grand Restaurant». Das Hotel, das zuletzt noch mehr Aufmerksamkeit durch die Dok-Serie im Schweizer Fernsehen erhielt, investierte total 3,4 Millionen Franken. Umgesetzt hat die Neugestaltung das Freiämter Innenarchitektur-Unternehmen Fischbach & Aberegg. «Wir haben alles eigens fürs ‹Palace› designt und nach Mass hergestellt», so Tanja Fischbach, die in Villmergen aufwuchs.
Ihre Arbeit ist noch nicht fertig. Bis ins Jahr 2029 sollen alle vier Restaurants des Nobelhotels umgebaut werden. Für Fischbach & Aberegg ist jenes Projekt wohl das namhafteste und grösste in den über 30 Jahren seit der Gründung des Unternehmens. Allerdings ist es nicht das erste Grossprojekt, das sie umsetzen. Ihr Palmarès ist eindrücklich.
Die Kindheit von Tanja Fischbach hat sie geprägt. Auch, weil sie oft prinzessinnenhafte Ferien erlebte. Jene Zeit und ihre Freiämter Wurzeln beeinflussen ihre Arbeit bis heute.
Die Freiämterin Tanja Fischbach designt seit 20 Jahren namhafte Hotels und Restaurants
Als kleines Mädchen verbrachte sie ihre Ferien oft in Luxushotels und Schlössern. Heute ist Tanja Fischbach eine Design-Koryphäe und sorgt für eine perfekte Innenarchitektur. Die Villmergerin führt zusammen mit ihrem Partner das Architekturbüro «Fischbach & Aberegg» in Zufikon. Sie erzählt ihre märchenhafte Lebensgeschichte.
Stefan Sprenger
Ein April in den 80er-Jahren, irgendwo in Frankreich. Die Familie Fischbach macht Urlaub. Vater Arthur, Mutter Josy und die drei Töchter Tanja, Rosina und Melanie reisen in eines der rund 600 Luxushotels der Vereinigung «Relais & Châteaux», die es auf der ganzen Welt gibt. Sie nächtigen auch in einem Schlosshotel. Und als Kind muss sich Tanja Fischbach dabei wohl oft wie eine Prinzessin gefühlt haben. «Es waren herrliche Reisen, ich habe es aufgesogen. Gutes Essen in eleganter Umgebung. Auch die stilvollen und nonchalanten Menschen, die man dort trifft, haben mich fasziniert. Es sind romantische Kindheitserinnerungen», sagt Tanja Fischbach, Jahrgang 1973. Jene Faszination aus der Kindheit hat sich bei ihr bis in die Gegenwart hingezogen. Nur, heute richtet sie solch luxuriöse Orte ein, Hotels und Restaurants, wie beispielsweise das Gstaad Palace (siehe Kasten). Und dies hocherfolgreich.
Bürgenstock, FIFA, Juwelier
Das Architekturbüro «Fischbach & Aberegg» aus Zufikon kennt man in der Szene, national und international. 1994 wurde das Unternehmen ursprünglich gegründet. Tanja Fischbach und ihr Partner Christoph Aberegg haben sich spezialisiert auf Innenarchitektur, Architektur und Design für Hotels, Restaurants, Institutionen und auch Privathäuser. In den letzten Jahren wurden über 200 Arbeiten umgesetzt. Und darunter hat es meist namhafte Kunden, wie die Lakeview Villas auf dem Bürgenstock, das Club Restaurant Sonnenberg der FIFA in Zürich, der Golfclub Rheinblick in Lottstetten oder die diversen Boutiquen von Juwelieren wie «Kurz» by Bucherer Group. Die Handschrift von «Fischbach und Aberegg» steht für «kosmopolitische Ästhetik, funktionale Eleganz und eine emotionale Atmosphäre», wie auf der Homepage des Unternehmens zu lesen ist.
Ihr Weg an die Spitze in diesem Luxussegment beschreibt Tanja Fischbach als «unkonventionell». Aufgewachsen ist sie in Villmergen. Dort, wo ihre Eltern nach wie vor leben. Sie besuchte die Schule im Dorf, später die Bezirksschule in Wohlen. So weit, so unspektakulär. «In mir war immer sehr viel Kreativität. Ich träumte von der Kunstgewerbeschule», erklärt Fischbach.
Im Familienbetrieb lernt sie ihren Mann kennen
Auf Rat der Eltern machte sie aber die KV-Ausbildung. «Ich habe eine Leidenschaft für Ästhetik, für Architektur, Stilepochen, für Material und Form. Ich wurde damit geboren. Das KV passte nicht zu mir.» Das wusste sie schon damals. Die KV-Ausbildung machte sie bei der EMSA AG in Villmergen, im Familienunternehmen.
Immerhin: Die EMSA handelte mit Bilderrahmen, was ja auch mit Kunst zu tun hatte. Aber: Sie wollte mehr.
Irgendwann lief Christoph Aberegg ins Büro der EMSA. Er richtete gerade ein Restaurant ein und wollte Bilder abholen, die er für dieses Projekt einrahmen liess. Die beiden lernen sich kennen – und verlieben sich. Und spannen auch beruflich zusammen. «Den Weg gingen wir fortan nur noch gemeinsam.» 2009 gründen sie das Unternehmen «Fischbach & Aberegg». Und sie haben innert kürzester Zeit Erfolg. Sie gewinnen Innenarchitektur-Wettbewerbe, sie erhalten immer namhaftere Projekte – und werden im Laufe der Jahre zur Institution in der Szene. Fischbach sagt rückblickend: «Dass mein Werdegang nicht klassisch ist, sehe ich heute als Vorteil, es lässt mich uneingeschränkt querdenken, daraus entstehen mutige Stilbrüche die dem Raum die Spannung bringen und unsere Handschrift ausmachen. Getrieben von meinen Ideen, habe ich mich konsequent weiterentwickelt und bin meinen eigenen Weg gegangen. Auch durch unsere Charaktere als Perfektionisten haben wir den Anspruch, auf hohem Niveau mitzuhalten und jeden Kunden vollständig zufriedenzustellen.»
Und offensichtlich ist dies stets gelungen. Wenn sie ein Restaurant einrichtet, geht sie durch einen Entstehungsprozess voller Kreativität: «Was will der Gast in diesem Raum fühlen? Was will er erleben? Was braucht es, um sich wohlzufühlen?». Alles Fragen, die sie sich fortlaufend stellt. Mit ihrem Mann Christoph Aberegg agiert sie dabei stets auf gleicher Ebene. Ein perfektes Team.
Das Hotel Grischa in Davos – ein 4-Sterne-Superior-Hotel mit 7 Restaurants und 93 Zimmern – war ihr erstes riesiges Projekt. Ganz viele weitere solcher «grossen Kisten» folgen. Auf der Homepage sind viele davon aufgelistet – mit Bild. Das Palmarès ist eindrücklich: ein Privathaus am Zürichberg, ein asiatisches Restaurant in Luzern, ein Weinrestaurant in den Bündner Alpen, ein Mövenpick-Hotel in Lausanne, ein luxuriöses Altersheim in Höngg, Juweliergeschäfte, Luxushotels, ganz viele Nobel-Restaurants. «Fischbach & Aberegg» können scheinbar alles. «Nein», sagt Tanja Fischbach. «Im Freiamt haben wir noch kein Projekt umgesetzt, das fehlt uns noch.»
Sie mag Katzen und ihre Heimat
Das Gastgewerbe sei «keine einfache Branche». Es muss am Ende aufgehen, für uns und den Kunden. «Das ist oft mit viel harter Arbeit verbunden, mit Reisen, mit Organisation, mit Zeitdruck.» Und wohl auch aus diesen Gründen hat sie keine Kinder. «Wir haben Katzen, die sind uns sehr wichtig», erklärt sie. Das Paar hat sein Unternehmen heute in Zug und Zufikon (dort, wo die beiden seit 20 Jahren wohnen). Natürlich ist auch ihr Zuhause stilvoll und gekonnt eingerichtet. Tanja Fischbach sagt: «Hier im Freiamt ist meine Heimat, diese Umgebung bringt mir Ruhe. Je älter man wird, desto mehr werden einem die eigenen Wurzeln bewusst.»
«Arbeit fühlt sich nicht wie Arbeit an»
Damals, in ihrer Kindheit, wurde sie inspiriert durch die romantischen Erinnerungen auf ihren Reisen in die Luxushotels von «Relais & Châteaux». Jenes Ambiente, die verwunschenen Landschaften, die Übernachtung in einem Schlosshotel, «all das inspiriert mich bis heute». Nur sind ihr die Wurzeln im Freiamt mittlerweile wichtiger geworden als früher. Ihre Kreativität hat das aber nicht gebremst.
Aber: Sie muss die Welt nicht mehr erobern. Sie hat es getan. Zumindest, was ihre Träume anbelangt, hat Tanja Fischbach alles erreicht, was sie wollte. «Arbeit fühlt sich für mich nicht wie Arbeit an. Was ich tue, mache ich mit voller Leidenschaft und Freude. Ich liebe meinen Job und mein Leben.» Es klingt fast ein wenig wie ein Märchen. In diesem Fall hat die Innenarchitektur-Prinzessin ihr Märchenschloss auch gleich selbst eingerichtet.
Die grosse Kiste in Gstaad
Das Architekturbüro «Fischbach & Aberegg» aus Zufikon hat in den vergangenen drei Jahren das Le Grand Restaurant und die La Grande Terrasse im Gstaad Palace neu gestaltet.
3,4 Millionen Franken für die Neugestaltung
Das Fünf-Sterne-Superior-Hotel gilt als eines der besten des Landes. Seit der Eröffnung 1913 steht das «Gstaad Palace» für Luxus und Tradition. Das «Gstaad Palace» hat 90 Zimmer und Suiten, die Preise bewegen sich zwischen rund 1000 und 16 000 Franken pro Nacht. 300 Mitarbeitende kümmern sich – rund um die Uhr – um die anspruchsvollen Wünsche der Gäste. Das Hotel erlangte zuletzt grosse Aufmerksamkeit durch die Dok-Serie namens «Inside Gstaad Palace – Einblick hinter die Kulissen des Luxushotels» im Schweizer Fernsehen.
Es wurden für die Neugestaltung rund 3,4 Millionen Franken ins Le Grand Restaurant investiert. «Entstanden ist ein stilvoller Mix aus Nostalgie, Schlossflair und internationaler Ästhetik – samt handgefertigter Stoffe, Antiquitäten und Geheimtüren», wie es in einer Medienmitteilung von «Fischbach & Aberegg» heisst. «Wir haben alles eigens fürs Gstaad Palace designt und auf Mass hergestellt», erklärt Tanja Fischbach.
Kompliment der Besitzerin
Dazu zählen handgefertigte Samtstoffe mit historischen Sujets, die aufwendig auf Webstühlen aus dem 18. Jahrhundert in Venedig gewoben wurden, artisanale Möbelstücke, ausgewählte Antiquitäten und originale Bauernmalerei-Requisiten – und so weiter. «Die Neuerungen wurden von den Gästen sehr positiv aufgenommen», sagt Besitzer Andrea Scherz. «Fischbach & Aberegg» wird bis ins Jahr 2029 alle vier Restaurants des «Gstaad Palace» umbauen. Jenes Projekt ist wohl das namhafteste und grösste in den über 30 Jahren des Freiämter Unternehmens. --spr



