Wie eine wertvolle Schatztruhe
23.06.2026 Wohlen, Kultur«Unsere Heimat» ist das Aushängeschild
Historische Gesellschaft Freiamt ist 100 Jahre alt
Am kommenden Samstag feiert die Historische Gesellschaft Freiamt ihr 100-Jahr-Jubiläum. Ein besonderes Ereignis im Schlössli in Wohlen. Von ...
«Unsere Heimat» ist das Aushängeschild
Historische Gesellschaft Freiamt ist 100 Jahre alt
Am kommenden Samstag feiert die Historische Gesellschaft Freiamt ihr 100-Jahr-Jubiläum. Ein besonderes Ereignis im Schlössli in Wohlen. Von Wohlen aus kam die Initiative, die Historische Gesellschaft zu gründen. Rasch dehnte sich das Einzugsgebiet aus. Mittlerweile ist die Gesellschaft im ganzen Freiamt zu Hause. Zu Spitzenzeiten zählte man über 350 Mitglieder, nun sind es noch rund 180. Die Jahresschrift «Unsere Heimat» ist das Aushängeschild der Historischen Gesellschaft Freiamt. In dieser wertvollen Sammlung wurden bisher über 370 Artikel veröffentlicht – anfänglich über Ausgrabungen, dann über Historie und Kultur. Der Murianer Martin Allemann ist seit 20 Jahren Präsident der Gesellschaft. Allemann ist stolz auf die 100 Jahre und er freut sich auf die Jubiläumsschrift «Unsere Heimat».
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Die Historische Gesellschaft Freiamt feiert am nächsten Samstag im Schlössli ihr 100-Jahr-Jubiläum
100 Jahre Geschichte und Geschichten. Und stets das Freiamt im Mittelpunkt. Vor 100 Jahren ging in Wohlen von einem Trio die Initiative aus, die zur Gründung der Gesellschaft führte. Das Schriftstück «Unsere Heimat» ist das grosse Vermächtnis der Gesellschaft. Der aktuelle Präsident, Martin Allemann aus Muri, ordnet ein und freut sich auf das Jubiläum.
Daniel Marti
«Unsere Heimat». Schlicht und einfach ist der Name der Jahresschrift, welche die Historische Gesellschaft Freiamt dermassen prägt. Aber es steckt viel mehr dahinter. Deutlich über 370 Artikel sind mittlerweile in alle Ausgaben eingeflossen. «Unsere Heimat» ist nicht nur eine Geschichtensammlung, sondern auch ein wertvolles Schmuckstück. Ein Nachschlagewerk, in dem so manche historische, aber auch unterhaltsame Geschichten schlummern. Pünktlich aufs grosse Jubiläum ist jetzt eine sogenannte Doppelnummer erschienen.
100 Jahre – eine eindrückliche Zeitspanne. «Wir alle haben einfach eine grosse Freude an der aktuellen Ausgabe. Wir haben Freude, dass wir sie finanzieren und aufs Jubiläum präsentieren können», sagt Martin Allemann. Der Murianer ist seit 20 Jahren Präsident der Historischen Gesellschaft Freiamt und seit fast 50 Jahren Mitglied der Gesellschaft.
Die Historische Gesellschaft Freiamt und ihre Arbeiten sind Martin Allemann ans Herz gewachsen. Das spürt man. Und wenn er über die neuste Ausgabe von «Unsere Heimat» spricht, dann leuchten seine Augen. Dann strahlt er übers ganze Gesicht. «Wir haben so gute Autorinnen und Autoren», betont er. Seit den Neunzigerjahren sei das Niveau der Ausgaben sprungartig nach oben gegangen. «Qualität und Quantität sind gestiegen.» Es werde auch mit wissenschaftlichen Standards gearbeitet. Und das hohe Niveau gilt natürlich auch für die Jubiläumsausgabe (siehe Artikel unten).
Ein Wohler Trio sorgte für den Start
Die Historische Gesellschaft hat laut Martin Allemann auch eine kulturelle Bedeutung. Denn es gibt viele Geschichten, die halt «nur» in «Unsere Heimat» veröffentlicht werden. Aber Geschichten aus dem Freiamt für das Freiamt haben eine besondere Stellung. Vor 100 Jahren ging es vor allem um archäologische Fundstücke in den Gebieten Menschenrüti (zwischen Niederwil und Bremgarten), Hohenbühl und Häsler (beide in Wohlen). Die Brüder Leo und Anton Wohler waren die treibenden Kräfte. Den beiden gelang es, Bezirkslehrer Emil Suter für die Ausgrabungen zu begeistern. Diese drei wurden so zu den Gründungsvätern der Historischen Gesellschaft und bildeten auch den ersten Vorstand.
In der zweiten Jahresschrift kündet der Vorstand an, dass sich in Zukunft das Grabungsgebiet auf den ganzen Bezirk Bremgarten und einen Teil des oberen Freiamts ausdehnen sollte. «Man hat es sich zur Pflicht gemacht, historische und prähistorische Objekte in den Bezirken Muri und Bremgarten, also im ganzen Freiamt, zu schützen», blickt Präsident Allemann zurück. Und noch etwas stellt Allemann fest: «Die ersten 50 Jahre unserer Gesellschaft waren keine bewegte Zeit mit spektakulären Höhepunkten.» Es gab ab und zu schöpferische Pausen. Zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges fehlte zudem schlicht das nötige Geld.
Und man bewegte sich dann rasch weg von den Ausgrabungsberichten hin zur Kultur und Historie und zu historischen Forschungen. «Die Geschichtsforschung wurde ganz zentral», betont Allemann, «und die Bezirkslehrer in Wohlen wurden zu tragenden Kräften.» Dies hielt sich bis zur aktuellen Zeit. Daniel Güntert, ehemaliger Bezlehrer und Lokalhistoriker, ist heute noch eine tragende Säule der Schrift «Unsere Heimat».
Drei absolute Highlights
Auch wenn es Tiefpunkte zu verkraften gab (Finanzen, fehlende Jahrgänge), die Macher rund um «Unsere Heimat» rappelten sich immer wieder hoch. Und so entstanden auch wahre Highlights. Für Martin Allemann gibt es mindestens drei davon. Die Ausgabe mit lauter Freiämter Sagen (1980), die Arbeit rund um die Italiener in Wohlen (2010) und die aktuelle Jubiläumsausgabe (siehe separaten Artikel).
Der Reihe nach. Die Ausgabe mit den Freiämter Sagen ist inzwischen vergriffen. Für einen Nachdruck fehle leider das Geld, sagt der Präsident, «zudem müsste man die Texte überarbeiten». Es gibt rund 40 Freiämter Sagen. Ein grosser Teil davon wurde in der Jahresschrift 1980 veröffentlicht. «Diese Sonderausgabe erhielt auch überregionale Beachtung.» Die wesentlichen Sagen sind weiterhin live zu betrachten am Freiämter Sagenweg.
Highlight Nummer zwei ist die Ausgabe «Die Italiener von Wohlen» aus dem Jahr 2010. Claudio Conidi hat in seiner Lizenziatsarbeit «Die Lokalgeschichte und italienische Lebenswelt» aufgearbeitet. Sie handelt von der Assimilierung der Italiener von Wohlen von 1950 bis 1975. Ein Meisterwerk auf rund 150 Seiten. Ein solches Meisterwerk steckt auch in der jetzigen Ausgabe 2026. Corina Haller hat in ihrer Masterarbeit den «Niedergang der Stroh- und Hutgeflechtindustrie im Freiamt» beleuchtet. Der Artikel umfasst knapp 110 Seiten. «Diese Arbeit ist hervorragend», verspricht der Präsident, «und sie passt zu unserem Jubiläum.»
Erst fünf Präsidenten
Es gibt verschiedene Entwicklungsschritte über die 100 Jahre hinweg. Anfänglich fanden noch Exkursionen statt. Die Herausgabe der Jahresschrift «Unsere Heimat» war ab den Siebzigern die Hauptaufgabe. «Sie entwickelte sich zum zentralen Medium für Ortsund Regionalgeschichte, historische Biografien, Bau- und Wirtschaftsgeschichten sowie für die Dokumentation mündlicher Überlieferungen», ordnet Martin Allemann ein. Die Historische Gesellschaft Freiamt profitierte auch von verschiedenen Persönlichkeiten bei der Führung. Bis heute waren lediglich fünf Präsidenten am Ruder: Emil Suter (April 1926 bis Juni 1944), Karl Strebel (Oktober 1944 bis April 1973), Hugo Müller (Juni 1973 bis Dezember 1991), Roman Brüschweiler (Dezember 1991 bis November 2006), Martin Allemann ist seit dem 25. November 2006 bis heute der fünfte Präsident. Seit der Gründung waren 41 Personen im Vorstand tätig. Diese grosse Konstanz sei schon bemerkenswert, so der aktuelle Präsident.
Allerdings kann die Mitgliederzahl da nicht ganz mithalten. Zu Spitzenzeiten waren es 350 Mitglieder. Nach der Jahrtausendwende ging es unter 300, im Jahr 2019 waren es noch 200 und aktuell zählt die Historische Gesellschaft Freiamt 180 Mitglieder. Dieser Mitgliederschwund reduzierte auch die Einnahmen. Dank der finanziellen Unterstützung von Stiftungen, Privaten, Gemeinden, Ortsbürgergemeinden (vor allem Villmergen) und der Kulturkommission Wohlen ist die Herausgabe der Jahresschrift immer noch möglich.
Auch im Internet einsehbar
Und Martin Allemann hofft, dass auch die zweiten hundert Jahre der Historischen Gesellschaft Freiamt eine Erfolgsgeschichte werden. Leider gebe es nicht mehr so viele Lokalhistoriker, seufzt der 68-Jährige. Die Identifikation mit der Wohnregion habe wohl auch ein wenig nachgelassen, sagt er noch.
Selbstverständlich geht die Gesellschaft auch mit der Zeit: Seit dem Jahr 2023 sind die Jahresschriften im Internet einsehbar. Zukunftsängste hat man im Vorstand nicht. So wurde in den letzten Jahren die Geschichte des Klosters Muri intensiv erforscht. Davon kann auch die Historische Gesellschaft Freiamt profitieren. Und eines ist klar: Die Schriften «Unsere Heimat» sind wie eine wertvolle Schatztruhe – dies gilt für die Gegenwart und hoffentlich auch für die Zukunft.
Informationen: historischefreiamt.ch
Niedergang der Strohindustrie und Pfarrersmord
«Unsere Heimat», Ausgabe 2025/2026
An der Jubiläumsveranstaltung der Historischen Gesellschaft Freiamt wird die neuste Ausgabe von «Unsere Heimat» vorgestellt. Die Hauptgeschichte stammt von Corina Haller. «Der Niedergang der Stroh- und Hutgeflechtindustrie im Freiamt», so lautet der Beitrag, der auf über 100 Seiten die Strohindustrie und deren Ende zum Hauptthema macht. Bereits an der letzten GV der Historischen Gesellschaft Freiamt im November orientierte Corina Haller über ihre Masterarbeit an der Universität Bern. Die Interviewpersonen des Oral-History-Projektes, Zeitzeugen berichteten, waren ein Bestandteil der Arbeit wie auch Zeitungsberichte und Forschungsresultate. Corina Haller blickt auf die Auswirkungen des Niedergangs auf das Leben im Freiamt. Das Fazit ihrer Arbeit ist vielschichtig und nimmt neun Seiten im Buch ein. «Die Masterarbeit ist sehr gut lesbar, hervorragend», schwärmt Präsident Martin Allemann.
Wo ist die Grenze zwischen Unter- und Oberfreiamt?
Der Präsident tritt auch als Autor auf, zusammen mit Andrea Moll und Patrik Stocker rollt er die 100 Jahre der Historischen Gesellschaft Freiamt auf. Ein vielfältiger Beitrag, der Einblick in die Entwicklung der Historischen Gesellschaft Freiamt gibt. Lorenz Stäger (der Präsident sagt, «unser Star-Autor») widmet sich den Nachwehen des Kulturkampfes im Freiamt. Titel: «Der gefrorene Heiland».
Und Benedikt Stalder nimmt sich eines ungeklärten Mordes an, eines Pfarrersmordes. Es geht darum, wie ein Freiämter Priester im Jahr 1905 in Altstetten bei Zürich in eine Kriminalgeschichte involviert war. Eine wahre Geschichte. Und Autor Bruno Marti erklärt in seinem Artikel, wo der Name «Freiamt» herkommt. Ein prächtiger Name, findet Marti. Und wo entlang führt die Grenze zwischen Ober- und Unterfreiamt?
Einst war es eine gerade Trennlinie von der Kirche Oberlunkhofen zum Galgen Hochgericht in Fahrwangen – im Jahr 1712 gezogen. Diese Linie verlief mitten durch Boswil, der Autor Benedikt Stalder muss es wissen, ist er doch Boswiler. Boswil war also beides, Ober- und Unterfreiamt. Mit dem Handicap, dass für die beiden Gebiete verschiedene Rechtssysteme gegolten haben. Eine hochinteressante Angelegenheit.
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Das Jubiläum
Die Historische Gesellschaft Freiamt wurde am 25. April 1926 im «Sternen» in Wohlen gegründet. Für Präsident Marin Allemann ist es deshalb logisch, dass die 100-Jahr-Feier in Wohlen stattfindet. Und mit dem Schlössli Wohlen mit seiner historisch eindrücklichen Geschichte gibt es wohl keinen besseren Austragungsort.
Am nächsten Samstag, 27. Juni, 14 Uhr, geht die Generalversammlung über die Bühne. Fabian Furter hält einen Festvortrag «100 Jahre – 100 prägende Ereignisse im Freiamt». Historiker Furter ist zugleich der Retter des Schlössli.
Auch Regierungsrat Jean-Pierre Gallati wird die Historische Gesellschaft Freiamt mit seiner Anwesenheit beehren. Der Landstatthalter überbringt das Grusswort der Aargauer Regierung.
Und selbstverständlich: Der Jubiläumsanlass dient auch als Buchvernissage. Die aktuelle Jahresschrift «Unsere Heimat» wird ausführlich vorgestellt. – Die Jahresversammlung und der Vortrag sind öffentlich. Alle Interessierten sind willkommen.


