Weiteren Meilenstein setzen
12.05.2026 Region Unterfreiamt, BaugewerbeGrosse Ausbaupläne
Alterszentrum Obere Mühle Villmergen
An der 49. Mitgliederversammlung des Altersheim-Vereins Villmergen-Dintikon geht es um viel Geld. Der Vorstand beantragt am 19. Mai einen Kredit über 15 Millionen Franken für eine ...
Grosse Ausbaupläne
Alterszentrum Obere Mühle Villmergen
An der 49. Mitgliederversammlung des Altersheim-Vereins Villmergen-Dintikon geht es um viel Geld. Der Vorstand beantragt am 19. Mai einen Kredit über 15 Millionen Franken für eine bauliche Erweiterung. Der bestehende Annex-Bau soll abgebrochen und durch einen viergeschossigen Anbau ersetzt werden. Damit lassen sich viele Probleme auf einmal lösen.
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Die Obere Mühle plant einen grossen Ausbau mit vielen neuen Angeboten
Das Villmerger Alterszentrum will 15 Millionen Franken investieren in den Abbruch und Neubau des Annex-Gebäudes. Doch es geht um viel mehr als eine räumliche Erweiterung. Vorstand und Leitung wollen die Institution fit machen für die Herausforderungen der Zukunft.
Chregi Hansen
Für einmal stimmt der Satz, dass jemand seiner Zeit weit voraus war. Schon vor zehn Jahren hat Paul Meyer von der Xaver Meyer AG Altersheimverein-Präsident Mike Lauper ein gemeinsames Projekt vorgeschlagen. Denn das Villmerger Bauunternehmen besitzt direkt neben der Oberen Mühle eine grössere Parzelle, die sie überbauen will. «Damals kam das Projekt noch nicht zustande. Jetzt aber ist die Zeit reif», sagt Lauper.
Neuen Wohnraum schaffen
Und so kommt es, dass die Obere Mühle einen neuen Annexbau errichtet und die Xaver Meyer AG direkt daneben eine Wohnüberbauung mit 35 mehrheitlich kleineren Einheiten. Es sind zwei unabhängiges Projekte, die dennoch zusammenhängen. Verbunden sind die beiden Liegenschaften über eine direkte Passerelle im ersten Obergeschoss. Sowie durch eine gemeinsame Erschliessung im Untergeschoss. Diese bringt dem Alterszentrum einen enormen Mehrwert, kommt es doch zu weiteren Parkplätzen, einer optimierten Anlieferung und dringend notwendigen Lagerräumen. Umgekehrt können die künftigen Bewohner in der neuen Überbauung Oberdorf von Dienstleistungen des Altersheims profitieren. «Wir schaffen hier Wohnraum für Ältere, wollen aber insgesamt eine durchmischte Mieterschaft. Auch Junge und Familien mit Kindern finden hier Platz», erklärt Geschäftsführer Alex Meyer.
Sein Unternehmen baut beide Liegenschaften. Für die Obere Mühle geht es aber um viel mehr als nur um neue Räume. Der neue Annexbau ermöglicht zusätzliche Angebote. Zum einen kann sie zusätzliche Alterswohnungen anbieten. «Für unsere 12 Wohnungen haben wir aktuell eine Warteliste von 45 Personen», so der Präsident. Im neuen Annexbau soll es darum 12 weitere geben. Doch nicht nur solch bezahlbare Wohnungen mit kurzen Wegen sind gefragt, neu will die Obere Mühle auch eine Tagesbetreuung anbieten. Und durch den Umzug aller Büros und Sitzungszimmer in den neuen Annexbau wird im Hauptgebäude Platz frei für die Einrichtung einer Demenzabteilung samt eigenem Garten. «Der Weg der Spezialisierung geht weiter», macht Lauper deutlich.
Doch es braucht nicht nur besondere Angebote für schwere Pflegefälle. In einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen alt werden, sind neue Betreuungsformen gefragt. «Es braucht in Zukunft nicht nur ambulante und stationäre Angebote, sondern auch intermediäre», erklärt Lauper. Also Angebote für ältere Menschen, die Unterstützung benötigen, aber noch nicht dauerhaft in einem Pflegeheim wohnen müssen. Salopp gesagt möchte man, dass Menschen der Pflegestufen 1 bis 3 nicht mehr die Betten im Heim belegen, man will sie in anderer Form unterstützen. Beispielsweise durch die Tagesbetreuung. Oder durch zusätzliche Alterswohnungen.
Sich als attraktiver Arbeitgeber profilieren
Dabei kommt der Spitex eine grosse Bedeutung zu. Diese soll darum wieder zurück in die Obere Mühle ziehen und erhält dafür Räume im Annexbau. Damit können Wege verkürzt und der Austausch verstärkt werden. Die Obere Mühle kann weitere Dienstleistungen anbieten, beispielsweise die Teilnahme an der Aktivierung. Nicht zuletzt will sich die Obere Mühle auch als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, neben zeitgemässen Räumlichkeiten plant sie darum auch die Eröffnung einer Kindertagesstätte, die ihren Mitarbeiterinnen, aber auch denen der Spitex zur Verfügung steht. «Kinder in der Oberen Mühle bringen zudem Belebung», macht Lauper deutlich. Die Senio-Kita will man nicht selbst führen, da sucht man die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Anbieter.
Gemeinden stehen hinter dem Projekt
Das Projekt bringt den beiden Partnern viele Vorteile. Kein Wunder, strahlen die Vertreter der Oberen Mühle und der Xaver Meyer AG an diesem Morgen. Aber auch die Trägergemeinden Villmergen und Dintikon haben Freude an diesem Projekt. «Für uns als Gemeinde ist super, was hier entsteht. Solche Angebote werden in Zukunft immer wichtiger», sagt Villmergens Gemeindeammann Ueli Lütolf. Sein Dintiker Amtskollege Bernhard Wespi macht auf das Problem der steigenden Restkosten im Pflegebereich aufmerksam, welche alle Gemeinden belasten. «Pflegebetten sind teuer, neue Pflegeformen zu entwickeln, macht daher Sinn, denn das kommt unter dem Strich günstiger», sagt er. Und die Dintiker Gemeinderätin Monika Cacioppo-Hitz, die sich auch im Vorstand der Oberen Mühle einbringt, findet es wichtig, dass die verschiedenen Angebote näher zusammenrücken. «Die Menschen in den Alterswohnungen oder in der Tagesbetreuung sind möglicherweise später unsere Bewohner. Wir sehen daher, was auf uns zukommt, und können flexibler reagieren», ist sie überzeugt.
Baustart Anfang 2027 geplant
Bei der Erarbeitung des Projekt wurden ganz viele Gespräche mit dem möglichen Partner geführt, die Rückmeldungen sind durchwegs positiv. Auch in der Planung des Baus gab es immer wieder Anpassungen. «Ursprünglich wollten wir nur dreigeschossig bauen, aber die Planer konnten uns überzeugen, dass ein viertes Geschoss bei geringen Mehrkosten viel mehr Ertrag bringt», so der Präsident des Vereins. Auch mit verschiedenen Banken wurden schon Gespräche geführt, die Finanzierung ist gesichert. Falls die Mitgliederversammlung an der GV vom 19. Mai Ja sagt zum Kredit über 15 Millionen Franken, wird anschliessend aufs Gas gedrückt.
Der Baustart soll schon im ersten Quartal 2027 erfolgen, die Bauzeit dürfte rund zwei Jahre betragen. Anschliessend baut die Xaver Meyer ihre eigene Überbauung fertig, wobei schon zuvor Synergien genutzt werden. Eine Herausforderung dürfte die Bauzeit selbst werden, steht dann doch wegen des Abrisses des alten Anbaus für zwei Jahre deutlich weniger Platz zur Verfügung. «Aber auch hier finden wir sicher Lösungen», gibt sich Mike Lauper optimistisch.
Megatrends fordern Anpassungen
Nicht nur der Neubau beschäftigt die Verantwortlichen der Oberen Mühle, in den vergangenen Monaten wurde auch die Strategie für die kommenden Jahre definiert. «Bisher haben wir immer in 5-Jahres-Zyklen gearbeitet. Diesmal kam so viel zusammen, dass wir einen längeren Zeitraum definieren mussten», sagt Präsident Mike Lauper. Das jetzt erarbeitete Papier ist darum die Strategie 2035.
Erarbeitet wurde sie unter Einbezug vieler, teilweise auch externen Fachleute. So hat man Organisationen wie die Spitex, die Pro Senectute, die Kommission 60+ und etliche weitere mit ins Boot geholt. Dabei wurde versucht, auf die verschiedenen gesellschaftlichen Megatrends der heutigen Zeit Antworten zu finden. Dazu gehören die starke Zunahme der älteren Menschen, die steigende Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum sowie neuen Wohn- und Betreuungsformen, die enorme Zusatzbelastungen für die Pflegeheime und die Spitex-Organisationen, eine markante Steigerung der Komplexität für Pflege und Betreuung, die massiv steigenden Gesundheitskosten, zunehmender Fachkräftemangel sowie die Digitalisierung. «Das sind alles Themen, die auch uns betreffen. Wir können nicht einzelne Bereiche weglassen», so Lauper. «Aber auch nicht alle gleichzeitig bearbeiten.»
GV am 19. Mai
In den kommenden Jahren wird an all diesen Themen gearbeitet. «Ziel ist es, unsere Kernkompetenzen im Bereich Pflege, Betreuung und medizinische Versorgung ganz gezielt weiter auszubauen und zu spezialisieren», sagt der Präsident dazu. Das neue Bauprojekt sei dabei ein wichtiger Faktor in der neuen Strategie. Darum hoffen alle auf ein deutliches Ja an der Mitgliederversammlung vom 19. Mai.
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Vier Stockwerke und grosszügige Unterkellerung
«Erweiterung OMV 2030»: So soll der Annexbau aussehen
Für den neuen Anbau gibt es klare Vorstellungen. Die Aufteilung folgt einer inneren Logik.
Das Bauprojekt «Erweiterung OMV 2030» beinhaltet den Abriss des bestehenden Anbaus und den vollständigen Neubau des Annexgebäudes mit EG und vier Stockwerken inklusive Heizung, Lüftung, Kühlung, Sanitärbereich (HLKS) sowie einer Photovoltaik-Anlage. Die kostenoptimierte Unterkellerung dient der Anpassung und Optimierung der ganzen Logistik (Anlieferung, Lagerhaltung, Entsorgung). Dazu kommt die zweckmässige Umnutzung von Räumlichkeiten der Oberen Mühle im Rahmen des Gesamtprojekts sowie alle notwendigen Inneneinrichtungen zur Nutzung der neuen Räumlichkeiten.
Räume für Spitex, Kita und Tagesbetreuung
Die «Erweiterung OMV 2030» wird im Rahmen einer Gesamtarealplanung mit der Überbauung «Oberdorf» der eine direkte Verbindung der beiden Gebäudekomplexe vor. Das Gesamtprojekt auf beiden Grundstücken sieht eine gemeinsame Ein-/Ausfahrt zur Kantonsstrasse und die Nutzung einer grossen Tiefgarage vor. Mit der Unterkellerung des Annexgebäudes und des Vorplatzes kann ein autofreier Vorplatz vor dem Annexbau geschaffen werden, was die Sicherheit für alle Anspruchsgruppen erhöht. Zudem werden neue Räumlichkeiten für Logistik und zusätzliche Dienstleistungen geschaffen und die Warenflüsse optimiert.
Im Erdgeschoss sind die Kita sowie Räume für einen Coiffeursalon und die Podologie vorgesehen. Im ersten Obergeschoss befinden sich die Büroräumlichkeiten der Spitex sowie die Räume der neu geplanten Tagesstrukturen. Im zweiten OG finden alle Büroräumlichkeiten sowie Sitzungs- und Schulungsräume Platz. Die Dachterrasse ist als geschlossener Demenzgarten für die neu zu schaffende Demenzabteilung geplant. In den Stockwerken 3 und 4 gibt es je sechs neue Alterswohnungen.
--red




