Warum kein Occasions-Modul?
12.05.2026 WohlenEinwohnerratssitzung von gestern Abend: Ja zum neuen Doppelkindergarten
Einstimmig bewilligte der Rat den Kredit über 150 000 Franken für die Projektierung eines neuen Doppelkindergartens. Auf Antrag der SVP muss der Gemeinderat aber noch abklären, ob es ...
Einwohnerratssitzung von gestern Abend: Ja zum neuen Doppelkindergarten
Einstimmig bewilligte der Rat den Kredit über 150 000 Franken für die Projektierung eines neuen Doppelkindergartens. Auf Antrag der SVP muss der Gemeinderat aber noch abklären, ob es eine passende Occasion-Lösung auf dem Markt gibt.
Chregi Hansen
Diesmal erntete der Gemeinderat ganz viel Lob für seine Vorlage. Stellvertretend meinte Matthias Schneider von der SP: «Es gibt Geschäfte, die wir in der Fraktion sehr intensiv und lange diskutieren. Das war hier nicht der Fall.» Der Vorschlag, die bestehende und teure Mietlösung für den Kindergarten Wohlermatte aufzulösen und dafür einen Doppelkindergarten hinter dem Schulhaus Anglikon zu bauen, kommt gut an. Und zwar quer durch alle Fraktionen.
Planungskosten auch bei einem kopierten Projekt
Gemeinderat Olivier Parvex rechnete vor, dass die Mietlösung fast doppelt so teuer kommt wie ein einzelner Kindergarten im neuen Projekt. Und das nur über 35 Jahre gerechnet. «Dann hat der geplante Kindergarten aber erst die Hälfte seiner Lebenszeit erreicht», so der Gemeinderat. Er wies auch darauf hin, dass der Mietzins schon einmal erhöht wurde. Und vieles deutet darauf hin, dass er noch weiter nach oben geht. «Diese Mietlösung ist schon lange ein Politikum. Wir müssen den Vertrag bis spätestens Juli 27 kündigen, die Zeit drängt», mahnte er.
Parvex widersprach auch der FGPK, dass der Projektierungskredit zu hoch sei, da es sich lediglich um ein Copy-Paste-Projekt handelt. Für die Projektierung Farn, die als Vorlage dient, wurden damals 380 000 Franken bewilligt für die Projektierung, in Anglikon sind es nur noch 150 000 Franken. Auch wenn man ein Projekt kopiert, gebe es eben einen gewissen planerischen Aufwand. Zudem werde im Schulhaus Anglikon noch Raum für Tagesstrukturen geschaffen. Dass sich Kindergarten und Schule nachher auf einem Areal befinden, sei ein Vorteil, so lassen sich Synergien nutzen.
Es braucht in Anglikon Tagesstrukturen
Das sehen auch die meisten Fraktionen so. Das Projekt an sich war denn auch unbestritten. Manuel Sax (GLP) findet die Verlegung sinnvoll, so lassen sich Kosten sparen. «Und Einzelkindergarten sind heute nicht mehr zeitgemäss. Es ist zudem positiv, dass Anglikon wieder Tagesstrukturen erhält. Das stärkt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie», sagte er. Allerdings vermisst seine Partei Ausführungen, wie es mit dem Schulprovisorium weitergeht.
Die Wiedereinführung der Tagesstrukturen sind auch für Petra Koch von der Fraktion Mitte/Dorfteil Anglikon ein wichtiger Faktor. «Die jetzige Lösung ist nicht akzeptabel», stellt die Anglikerin fest. Das ganze Projekt sei eine Investition in die Zukunft und werde darum von der Fraktion einstimmig unterstützt. Gleiches gilt für die FDP, Denise Strasser bezeichnete die Vorlage als «sinnvoll und zukunftsorientiert. Und beim Bau können wir von den Erfahrungen im Farn profitiere.» Der Bedarf für einen Doppelkindergarten in Anglikon sei zudem für etliche Jahre ausgewiesen. Die aktuelle Situation kennt vermutlich Franziska Matter von den Grünen am besten, arbeitet sie doch als Kindergartenlehrperson in Anglikon. Sie weiss auch, wie wichtig gute Strukturen für Kinder sein. Die Nähe zur Schule erleichtert den späteren Schuleintritt. «Dieses Projekt ist ein klarer Gewinn», so ihr Fazit.
«Ja aber» von der SVP
Grundsätzlich signalisiert auch die SVP Zustimmung. Sie findet nicht nur die sehr hohen Mietkosten stossend, sondern auch den langen Weg für die Angliker Kinder in die Tagesstrukturen im Bünzmatt, wie Stefan Nauer erklärte. Schon früher habe seine Partei Copy Paste Lösungen gefordert, darum freut sie sich über diesen Weg. Und trotzdem hat die Volkspartei ein Aber. Sie fragt sich, ob im Vorfeld auch eine Occasions-Lösung geprüft wurde. Das Beispiel für die Gemeindehaus-Erweiterung zeigt, was möglich ist. «Es gibt aktuell einige Angebote auf dem Markt», so Nauer weiter. Diese einer Prüfung zu unterziehen, das ist für die SVP in der angespannten finanziellen Situation der Gemeinde zwingend. Darum stellte sie einen entsprechenden Zusatzantrag. «Wir stimmen dem Kredit zu. Aber wir wünschen uns, dass der Gemeinderat noch einen Kostenvergleich präsentiert», so Nauer.
Der Antrag sorgte in diesem sonst unbestrittenen Geschäft doch noch für etwas Würze und eine Verlängerung der Diskussion. Gemeinderat Thomas Geissmann warnte beispielsweise, dass man nicht nur die aktuellen Anschaffungskosten betrachten soll, sondern die effektiven Kosten über die ganze Lebensdauer. Die zusätzlichen Abklärungen kosten wertvolle Zeit, mahnte Matthias Schneider von der SP. Daniel Heinrich von der Mitte findet den Vorschlag gut, aber nnur, wenn dies nicht zu Verzögerungen führt.
Für Gemeinderat Olivier Parvex stellt der Antrag kein Problem dar. «Diese Variante durchzurechnen, das sollte keinen grossen Aufwand nach sich ziehen», meinte er. Und danach habe man dann Klarheit. Damit konnte er die meisten im Saal beruhigen. Mit 30 zu 7 Stimmen sagte der Rat darum Ja zum Zusatzantrag der SVP. Und gar einstimmig bewilligte er danach den Projektierungskredit über 150 000 Franken. Der neue Kindergarten Anglikon, er ist also auf Kurs.

