Blick hinter die Sonderausstellung «Prix Paille. Aus der Sammlung in die Gegenwart»
In zwei Gesprächsrunden unterhielt sich Jury-Mitglied Miriam Rorato mit drei Wettbewerbsteilnehmerinnen, darunter das Siegerteam Flavia Bienz und Clara ...
Blick hinter die Sonderausstellung «Prix Paille. Aus der Sammlung in die Gegenwart»
In zwei Gesprächsrunden unterhielt sich Jury-Mitglied Miriam Rorato mit drei Wettbewerbsteilnehmerinnen, darunter das Siegerteam Flavia Bienz und Clara Sollberger.
Walter Minder
Aus über 90 Projektideen rund um das Material Stroh wählte eine siebenköpfige Fachjury fünfzehn zur weiteren Bearbeitung und Entwicklung durch ihre Gestalterinnen und Gestalter aus. Die im mit 12 000 Franken dotierten Designwettbewerb «Prix Paille» entstandenen Werke können noch bis am 25. April 2027 im Schweizer Strohmuseum besichtigt werden.
«re/setting archive»
Anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Schweizer Strohmuseum traf sich Miriam Rorato in einer ersten Gesprächsrunde mit Flavia Bienz und Clara Sollberger, die mit ihrer gemeinsamen Arbeit «re/setting archive» am Wettbewerb teilgenommen haben. Die beiden freischaffenden Textildesignerinnen verwandelten viele kleine Agréments, also Dekorationselemente der Strohgeflechtindustrie, die sie im Archiv vom Strohmuseum entdeckten, durch eine digitale Umsetzung zu einer attraktiven, ausdrucksstarken Tapete.
Auf den Wettbewerb aufmerksam wurden Bienz und Sollberger, die sich schon an anderen Ausstellungen gemeinsam beteiligt haben, durch Hinweise aus ihrem beruflichen Umfeld. Die Idee, sich im sehr gut dotierten Archiv des Strohmuseums Inputs zu holen, kam ihnen durch die Wettbewerbsaufgabe, sich mit der Sammlung, dem Material und der Geschichte der Hutgeflechtindustrie auseinanderzusetzen. «Und wie hat die Zusammenarbeit funktioniert?», wollte Miriam Rorato vom Büro «ImRaum» wissen. Sie haben zuerst eine «Werkzeugkiste» mit ihren beidseitigen Ideen zusammengestellt, dann über mögliche Umsetzungen diskutiert und sich schliesslich für eine Flächengestaltung «digitale Ästhetik» entschieden.
Ein Familientreffen als Input
In der zweiten Gesprächsrunde war Schmuckdesignerin Salome Bruggisser zu Gast, die einen familiären Bezug zur einstmals blühenden Strohindustrie hat. Aufmerksam auf den Wettbewerb wurde sie beim jährlichen Familientreffen in Wohlen, als sie auf der Website vom Strohmuseum die entsprechende Ausschreibung entdeckte. «Die Firma Bruggisser & Co. wurde schon vor meiner Geburt aufgelöst, aber ich habe noch einige schöne Erinnerungen, wie etwa verschiedene Agréments. Bei der Umsetzung diente mir meine Schmuckkollektion als Inspiration.» Sie sei begeistert von den Möglichkeiten von Stroh und ihr Ziel mit ihrer Wettbewerbsarbeit ist, das «Stroh-Schnüerli» ins Rampenlicht zu rücken.
Eigentlich wollte sie für ihr Projekt das früher weit verbreitete Roggenstroh verwenden, was ihr letztlich aber nicht gelungen sei. Und auch die Suche nach dem passenden Werkzeug war für sie eine Herausforderung. Doch am Gespräch war sie mit eigenem Strohschmuck anwesend. «Ich will das Potenzial von Stroh als Schmuckmaterial auch in Zukunft verwenden, entsprechende Kollektionen kreieren und verkaufen», betonte sie.