Viele Vorteile abgeschmettert
14.08.2026 WohlenKunstrasen abserviert
Gemeinderat beantragt Ablehnung
Auf zehn Seiten handelt der Gemeinderat den Bericht und Antrag betreffend Kunstrasen im Stadion Niedermatten ab. Auf fast allen Seiten zählt er die Vorteile auf und nennt die Fakten, warum der ...
Kunstrasen abserviert
Gemeinderat beantragt Ablehnung
Auf zehn Seiten handelt der Gemeinderat den Bericht und Antrag betreffend Kunstrasen im Stadion Niedermatten ab. Auf fast allen Seiten zählt er die Vorteile auf und nennt die Fakten, warum der Kunstrasen für den FC Wohlen so nötig ist. Im letzten Satz macht er eine Kehrtwende und empfiehlt dem Einwohnerrat, auf den Einbau des Kunstrasens zu verzichten. --dm
Kunstrasen im Stadion Niedermatten: Gemeinderat präsentiert Vorlage – und empfiehlt die Ablehnung
Das Thema ist lange bekannt. Der FC Wohlen soll im Stadion Niedermatten einen Kunstrasen erhalten. Nun präsentiert der Gemeinderat die Vorlage. Der Knackpunkt ist der Gesamtpreis von 1,81 Millionen Franken. Aus dem Swisslos-Sportfonds kommen 400 000 Franken, der FCW würde 200 000 Franken beisteuern. Das alles will der Gemeinderat jedoch nicht. Er will die Ablehnung und das Thema vom Tisch haben.
Daniel Marti
Der FC Wohlen wächst – vor allem die Nachwuchsabteilung. Dass die Infrastruktur an die Grenzen stösst, ist bekannt. Dass das Hauptspielfeld sanierungsbedürftig ist, ist ebenfalls unbestritten. Ein Kunstrasen-Einbau im Stadion Niedermatten sollte Entlastung bringen – für den gesamten Verein. Nun präsentiert der Gemeinderat die Vorlage für die Erstellung eines Kunstrasenspielfeldes.
Wohlen profitiert – aber der Gemeinderat will das nicht
«Durch die längere und intensivere Bespielbarkeit bietet das Kunstrasenfeld massiv mehr Trainingsmöglichkeiten für den Fussballclub, und dies bei praktisch jeder Witterung. Durch die vermehrte Nutzung des Hauptfeldes können neben den ordentlichen Meisterschaftsspielen auch viele Juniorenund Nachwuchsspiele durchgeführt werden und dies ganzjährig», hält der Gemeinderat fest. Dieser ist auch überzeugt davon, dass «die Gemeinde Wohlen grundsätzlich vom Kunstrasenfeld profitiert». Die Gemeinde Wohlen ist die Besitzerin des Sportzentrums Niedermatten.
Der Gemeinderat reiht reihenweise positive Fakten auf – und schmettert gleichzeitig das Thema ab.
Trotzdem, der Reihe nach. Durch die Umwandlung des Naturrasenfeldes in ein Kunstrasenfeld könnte der Arbeitsaufwand des Anlagewartes der Gemeinde um rund 230 Stunden pro Jahr verringert werden. Zudem könnten die externe Rasenpflege und deren Kosten von rund jährlich 30 000 Franken eingespart werden. So die Rechnung des Gemeinderates. Gemäss dem Aargauischen Fussballverband ist die Auslastung bei einem Kunstrasen zwei- bis dreimal so hoch wie jene eines Naturrasens.
Weiter unterstützt der Kanton im Schwerpunktprogramm «Kunstrasenplätze» elf ausgewählte Vereine in finanzieller Hinsicht bei der Erstellung von neuen Kunstrasenplätzen oder bei der Umwandlung von Rasen in Kunstrasenfelder. Der Beitragssatz aus dem Swisslos-Sportfonds beträgt maximal 400 000 Franken. Davon möchte eigentlich auch Wohlen profitieren – trotzdem gibt es ein Nein vom Gemeinderat.
Entwicklung und Analyse: Von 20 auf 36 Teams
Selbstverständlich wurde eine genaue Analyse erstellt. Die Anzahl der Mannschaften des FC Wohlen hat sich seit der Inbetriebnahme des Sportzentrums Niedermatten markant verändert. In der letzten Saison 2025/26 zählte der FC Wohlen 36 Mannschaften. Neben vier Aktiv- und zwei Seniorenmannschaften mit rund 175 Fussballerinnen und Fussballern spielen 30 Junioren-Teams mit 545 Juniorinnen und Junioren auf den Sportanlagen des FC Wohlen.
Der Anteil der Juniorinnen und Junioren aus Wohlen und Anglikon (bis zum Alter von 13 Jahren) beträgt 70,7 Prozent. Der Gemeinderat führt diese Zahl auf die «sehr gute lokale Jugendarbeit des FC Wohlen zurück». Die Entwicklung der Trainingszeiten ist ebenfalls beeindruckend (ohne Meisterschafts- und Trainingsspiele). Im Jahr 2005 mit 20 Teams war die Anlage rund 3000 Stunden belastet. Im Jahr 2025 mit 36 Teams waren es 6200 Stunden. Hauptplatz (Naturrasen): 1008 Stunden. Trainingsplatz 1 (Kunstrasen): 3840 Stunden. Trainingsplatz 2 (Naturrasen): 1440 Stunden.
Neuanlegung ist ohnehin bald Pflicht
Durch einen Einbau eines Kunstrasenspielfeldes auf dem Hauptfeld (grosses Spielfeld) könnten die Betriebsstunden pro Woche deutlich erhöht werden. So oder so muss der Hauptrasenplatz in den kommenden fünf Jahren neu angelegt werden. Bereits im Jahr 2017 wurde das Architekturbüro Wyder + Frey mit der Erarbeitung einer Vorlage zu einer Rasensanierung beauftragt. Aus Bodenuntersuchungen vom August 2017 wurden zwei Sanierungsvarianten erarbeitet.
Die Kosten für diese Sanierungsvarianten A und B wurden auf 580 000 und 980 000 Franken prognostiziert. Hierfür würde es keine Swisslos-Beiträge geben.
Der Gemeinderat ist überzeugt davon, «dass mit einem zusätzlichen Kunstrasen auf dem Hauptfeld die Anforderungen an den Betrieb des FC Wohlen auch in Zukunft gelöst werden können». Die Vorteile (siehe separater Artikel) sind eigentlich klar ersichtlich, zumindest werden sie transparent aufgeführt.
600 000 Franken würden Dritte bezahlen
Einer der wichtigsten Punkte sind die Kosten und die finanzielle Beteiligung Dritter. Die Kostenschätzung (plus/minus zehn Prozent) geht von Gesamtinvestitionen von 1,81 Millionen Franken aus. Aus dem Swisslos-Sportfonds des Kantons Aargau würden 400 000 Franken beigesteuert. Der FC Wohlen hat sich bereit erklärt, 200 000 Franken zu übernehmen, das entspricht elf Prozent. Die Nettokosten für die Gemeinde Wohlen würden somit 1,21 Millionen Franken betragen.
Vor allem die jeweiligen Kostenbeteiligungen der Niedermatten-Vereine waren bei Sanierungsfällen in der Vergangenheit immer wieder Gesprächsthema.
Der Gemeinderat wünschte sich ursprünglich eine Beteiligung des FC Wohlen in der Höhe von 400 000 Franken, also rund 25 Prozent der Gesamtkosten. Der FC Wohlen teilte jedoch mit, dass er diese Summe nicht stemmen kann. Er verwies darauf, dass der Verein erst kürzlich seine Schulden von 300 000 Franken abtragen konnte und dass er «den Gürtel weiterhin eng schnallen muss». Trotz schwieriger finanzieller Situation sei der FCW bereit, einen Beitragssatz von elf Prozent zu bezahlen. Dies entspricht 200 000 Franken. «Diese Beteiligung erscheint realistisch und der Vorstand erachtete diese als angemessen», schreibt der FC Wohlen. Die 400 000 Franken erachtet der FCW als nicht verhältnismässig. Nur mit einem ausserordentlichen Aufwand könne der Verein die 200 000 Franken aufbringen. Dies erachtet der Verein auch als «sachgerechten und vernünftigen Beitrag».
Fairerweise hier noch der Vergleich zur Kostenbeteiligung der Niedermatten-Vereine bei Sanierungsfällen. Ursprünglich war über die Grundsatzvereinbarung eine Beteiligung von 2,6 Prozent an den Kosten berechnet worden. In diesem Frühling wurde über die Sanierung der Tennisplätze debattiert. Der Tennisclub Wohlen Niedermatten zeigte zuerst Bereitschaft, zehn Prozent zu bezahlen, die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission forderte dann 25 Prozent. Letztlich einigte man sich auf eine Beteiligung von 15 Prozent.
Zukunftsfähig, aber angespannte finanzielle Situation
Der Gemeinderat will jedenfalls vorwärtsmachen bei der Kunstrasen-Debatte. Die Vorlage kommt im September in den Einwohnerrat. Läuft alles optimal, ist die Ausführung für das Jahr 2028 angedacht – dies nach verbindlicher Förderzusage. Abgerechnet bei Swisslos-Sportfonds des Kantons Aargau wird bis Ende 2029. Aber an eine Ausführung denkt der Gemeinderat nicht – er spielt den Ball weiter an den Einwohnerrat.
In seinen Schlussbetrachtungen bezeichnet der Gemeinderat die Umwandlung in ein Kunstrasenfeld als eine «zukunftsfähige Lösung» für das Hauptspielfeld des FC Wohlen. Damit würde die Kapazität für den Trainingsund Spielbetrieb insgesamt erhöht werden. «Dem wachsenden Bedarf insbesondere im Nachwuchsbereich würde somit Rechnung getragen», so der Gemeinderat.
«Der Komfort des Hauptfeldes und der gedeckten Tribüne ergäbe eine wünschenswerte Mehrnutzung des Stadions für die Besucher und Besucherinnen, was bislang nicht gegeben war.» So wird ganz viel Positives beschrieben – und trotzdem kommt es zur ablehnenden Haltung des Gemeinderates. Der Gemeinderat kommt zum Schluss, «dass der Einbau eines Kunstrasenfeldes Wunschbedarf ist. Aufgrund der angespannten finanziellen Situation und der dringend benötigten Investitionen in die Bildungsinfrastruktur ist das Wünschbare vom dringend Nötigen zu trennen. Daher empfiehlt der Gemeinderat dem Einwohnerrat, auf den Einbau des Kunstrasens zu verzichten.»
Damit verzichtet er auch auf eine dringende Verbesserung der Anlage und den Beitrag aus dem Swisslos-Sportfonds in der Höhe von 400 000 Franken.
Die wesentlichen Vorteile
Gemeinderat nennt viele positive Argumente
«Ein Kunstrasenfeld bietet im Fussball enorme Vorteile hinsichtlich Wetterunabhängigkeit, extremer Belastbarkeit und konstanter Spielbedingungen. Es ermöglicht einen intensiven Ganzjahresbetrieb ohne witterungsbedingte Platzsperren oder Schlammbildung und erfordert weitaus weniger Pflegeaufwand als ein traditionelles Naturrasenfeld», so der Gemeinderat. Und in der Vorlage werden die wesentlichen Vorteile betont – aber sie sind bei der ablehnenden Haltung des Gemeinderates trotzdem irgendwie wertlos.
Folgende Fakten werden genannt: Wetterunabhängig und ganzjährig bespielbar. Weder Regen (keine Pfützenbildung, kalte Temperaturen, Frost, minimaler Schneefall) führen zu witterungsbedingten Absagen von Trainingseinheiten und Verbandsspielen.
Extreme Belastbarkeit. Während ein Naturrasen nach wenigen Stunden Spielzeit pro Woche bereits regenerieren muss, hält ein Kunstrasensystem problemlos eine intensive Nutzung pro Woche aus.
Geringerer Pflegeaufwand: Aufwendiges Mähen, Düngen, Nachsähen der Rasenfläche entfallen wie auch die Regenerationspausen. Eine Nutzung ist praktisch immer möglich und ermöglicht, die grosse Anzahl von Trainings und Spielen durchzuführen.
Gleichbleibende Qualität: Fussballer und Fussballerinnen profitieren von einem stets ebenen Untergrund, der saubere Pässe und ein schnelles, technisch anspruchsvolles Spiel begünstigt. Gerade in der Ausbildung der Junioren und Juniorinnen sind das die qualitativen Vorteile. --dm


