«Verkabeln» heisst betonieren
31.03.2026 Kelleramt, LeserbriefeZu den beiden Artikeln bezüglich der geplanten Hochspannungsleitung
Niederwil–Obfelden.
Es wäre doch zu schön, wenn es so einfach und klar wäre: Alle Kabel in den Boden und keine störenden Masten mehr. Wunderbar. Und gemäss den ...
Zu den beiden Artikeln bezüglich der geplanten Hochspannungsleitung
Niederwil–Obfelden.
Es wäre doch zu schön, wenn es so einfach und klar wäre: Alle Kabel in den Boden und keine störenden Masten mehr. Wunderbar. Und gemäss den betroffenen Gemeinden nötigenfalls bis vor Bundesgericht! Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob dieses Geschäft in allen Gemeinden an einer Gemeindeversammlung diskutiert wurde. Wenn ich «Bundesgericht» höre, wäre es spätestens jetzt an der Zeit. Mir ist aufgefallen, dass immer von einer «Erdverkabelung» gesprochen wird. Wissen Sie, was das heisst? Wahrscheinlich eben ein paar Kabel einziehen und gut ist. Leider wird hier nicht nur «verkabelt», sondern vor allem betoniert. Die beiden Kabelblöcke in Beton haben Dimensionen von 80 cm Höhe und 150 cm Breite. Zwischen den beiden Betonblöcken ist ein Abstand von 155 cm vorgesehen. Das ganze Bauwerk wird 110 cm überdeckt.
Schön und gut. Beton ist leider sehr schwer und wird wohl nicht mit dem Lastenvelo angeliefert. Es braucht dazu Strassen, auch im Kulturland. Dort müssen diese Pisten oft provisorisch gebaut und wieder rückgebaut werden. Es muss grossflächig abhumusiert und ausgehoben werden. Die harmlose «Erdverkabelung» sieht in der Praxis dann etwa so aus: Humuswall, Aushubwall, Graben für die Betonkabelblöcke und natürlich noch die Baupiste. Sie können selber rechnen, wie breit die vorübergehende Beanspruchung des Kulturlandes ist.
Ja, Beanspruchung. Tönt nicht so gut, weil Boden nicht einfach Dreck ist und das Bodengefüge und der Wasserhaushalt je nach Bodenart auf längere Sicht massiv gestört werden. Das ist umso bemerkenswerter, weil dieses Bauprojekt nicht einfach in einer Kiesgrube realisiert werden kann, sondern, was nicht den Wald betrifft, meistens auf eigentlich streng geschützten Fruchtfolge- flächen. Im Perimeter des Landschaftsschutzgebietes im Reusstal, muss die Leitung zwingend in den Boden. Ob das schlau ist, steht hier nicht zur Debatte. Interessant: Falls man den kürzesten und somit auch günstigsten Weg gewählt hätte, wäre der Naturschutz einer oberirdischen Leitung nicht abgeneigt. Will heissen Naturschutz vor Landschaftsschutz.
Strommasten mit ihren Kabeln sind auch für mich keine Augenweide. Gemäss meiner Güterabwägung muss hier aber bestimmt niemand gegen Swissgrid bis vor Bundesgericht.
Franz Hagenbuch, Rottenschwil
