«Unglaublicher Fundreichtum»
23.06.2026 Wohlen, KulturOrtsbürgergemeinde: Kantonsarchäologe Pirmin Koch referierte über die Situation rund um Wohlen
Eine archäologische Zeitreise durch Wohlen. Dies versprach Kantonsarchäologe Pirmin Koch. Und er erzählte zusammen mit Manuela Weber an der ...
Ortsbürgergemeinde: Kantonsarchäologe Pirmin Koch referierte über die Situation rund um Wohlen
Eine archäologische Zeitreise durch Wohlen. Dies versprach Kantonsarchäologe Pirmin Koch. Und er erzählte zusammen mit Manuela Weber an der «Gmeind» der Ortsbürger viel Wissenswertes und Überraschendes rund um Wohlen.
Daniel Marti
Der Kanton Aargau ist ein Archäologiekanton. Es gibt im Aargau Funde, die 100 000 Jahre alt sind, und die Pfahlbauten am Hallwilersee haben eine weltweite Bedeutung. 100 Burgen und Schlösser bereichern den Aargau ebenfalls. 3700 Fundstellen sind im Archäologiekanton bekannt. «35 davon sind in Wohlen. Das ist sehr viel», betonte Kantonsarchäologe Pirmin Koch. «Wohlen ist dabei speziell und hat eben eine aussergewöhnliche Vergangenheit.»
Pirmin Koch blickte auf drei Pioniere zurück. Emil Suter, Anton und Leo Wohler waren die Ersten, die in Wohlen nach «verborgenen Schätzen» gegraben haben. Diese drei gründeten übrigens auch die Historische Gesellschaft Freiamt, die am kommenden Samstag ihr 100-Jahr-Jubiläum feiert (siehe Artikel in dieser Ausgabe). Vor 100 Jahren sei das eine Zeitreise zu den Kelten gewesen, so Koch. Die Gebiete, die Fundstellen sind bekannt. Es sind die Grabhügel im Häslerhau und Hohbühl, hoch oben über Anglikon.
Beigaben in den Gräbern: Schmuck und Waffen
Im Gebiet Hohbühl wurden bei den Ausgrabungen zwischen 1925 und 1930 zwei von vier Grabhügeln untersucht. Die beiden Grabhügel haben einen Durchmesser von zehn bis zwölf Metern beziehungsweise zwölf bis siebzehn Metern. Im kleineren Grabhügel wurde 23 Körpergräber entdeckt. Er stammt von etwa 600 bis 500 vor Christus.
Im Gebiet Häslerhau wurde nur ein Grabhügel untersucht. Ein Steinkreis bildet den Hügelrand, vier grosse Steinstelen gehörten zu den Fundstücken – weiter wurden verschiedene Bronzegefässe in allen Fundstellen ausgegraben. Der Grabhügel im Häslerhau wurde in der mittleren Bronzezeit (1500 vor Christus) angelegt und später in der Frühen Eisenzeit wieder benutzt. «Die Menschen gingen also für Bestattungen wieder zurück an diesen Ort», betonte Manuela Weber. «Hier muss also eine Siedlung gewesen sein.» Dies beweist auch eine sogenannte Pollenanalyse, mit dieser kann das Bevölkerungswachstum in vergangenen Zeiten deklariert werden.
Es konnte ebenfalls festgestellt werden, dass den Frauen Schmuck mit ins Grab gegeben wurde. Männer erhielten Waffen als Grabbeigabe. Das alles stellt laut Weber einen «unglaublichen Fundreichtum dar». Die Fundstücke wurden übrigens lange in Wohlen gelagert. Erst in den Achtzigerjahren wurden sie ins Vindonissa-Museum, dann in die kantonale Archäologie verlagert.
Schlössli in Anglikon blieb unentdeckt
Auch rund um Wohlen gefundene Kelten-Münzen weisen auf römische Siedlungen hin, «und zwar auf beiden Talseiten», erklärte Koch. Ebenfalls im Häslerhau wurde das «Schlössli in Anglikon, eine Römervilla, vermutet». Ausgrabungen um 1925 führten aber nicht zum Erfolg.
Resten der ehemaligen Mauern wurden vor knapp 100 Jahren nicht entdeckt. «Es hält sich jedoch das Gerücht, dass mit den Mauern des Schlössli in Anglikon die Kirche in Villmergen gebaut wurde», so Pirmin Koch. Die heutigen Zeitreisen werden mit Computern vereinfacht. Gebäude von 20 mal 20 Metern unter dem Boden werden so «sichtbar» gemacht. Ersichtlich ist dabei auch die sogenannte Dreissigerstrasse. Mit dieser Strasse sollte die Verbindung Bern–Zürich schneller gemacht werden. Im Jahr 1829 wurde mit dem Bau begonnen. Weil die Strasse an Wohlen vorbeiführte, «waren die damaligen Strohbarone im Stolz verletzt», so Koch.
Darum wurde der Bau der Strasse wieder eingestellt. Kommt hinzu, dass die Finanzierung der Strasse ein weiteres Problem darstellte.
Cornel Braunwalder hat noch viel mehr entdeckt
Die geplante und angefangene Dreissigerstrasse ist trotzdem auf Computerabbildungen erkennbar – von Bremgarten hätte sie durch den Wald über Anglikon nach Dottikon führen sollen. Ja, alles wird man nicht aufdecken können, was da im Boden schlummert. Und Pirmin Koch, er ist auch Freiwilligenmanager der Kantonsarchäologie, hat bei seinem Referat auch Cornel Braunwalder hervorgehoben. «Er ist seit 2015 unser Mann in Wohlen.» Und Cornel Braunwalder habe vieles mehr gefunden, «was bis heute aber noch nicht bekannt gemacht wurde». Braunwalder ist freiwilliger Mitarbeiter der Kantonsarchäologie.
Da darf man also gespannt sein, sofern dann der Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Fundstücke gekommen ist. «Wir erforschen die archäologische Vergangenheit des Kantons», betonte Pirmin Koch noch. Also auch die Vergangenheit von Wohlen. «Und wir möchten, dass die Menschen die Archäologie sehen und unterstützen.»


