Stolz auf das Bünzlitum
04.08.2026 Region Oberfreiamt, BoswilOliver Eichenberger, Leiter des Forstbetriebs Region Muri, sprach an der Bundesfeier in Boswil
Als Privatperson, Förster und Bünzlischweizer wandte sich Oliver Eichenberger an die Boswiler Bevölkerung. Und er führte aus, weshalb er nach der ...
Oliver Eichenberger, Leiter des Forstbetriebs Region Muri, sprach an der Bundesfeier in Boswil
Als Privatperson, Förster und Bünzlischweizer wandte sich Oliver Eichenberger an die Boswiler Bevölkerung. Und er führte aus, weshalb er nach der Pensionierung doch nicht nach Skandinavien auswandert.
Annemarie Keusch
Es sind deutliche Worte, die Oliver Eichenberger wählt. «Halte ich das noch lange aus?» Die Kräne überall. Die Landschaft, die immer mehr versiegelt wird. Der Dichtestress, auch am Hallwilersee. «Früher als Kind konnte ich dem Seeweg entlang spazieren und jede entgegenkommende Person grüssen.» Heute sei das anders. Eichenberger spricht von Dichtestress und davon, dass er und seine Familie den Hallwilersee an schönen Sonntagen mittlerweile meiden. Als Förster liebe er die Ruhe. «Ich habe immer mehr Mühe in der zum Teil sehr dicht bevölkerten, hektischen Schweiz. Für mich wird es langsam zu eng in unserem Land.» Nach der Pensionierung nach Skandinavien auswandern? Dorthin, wo es alles gibt, was der begeisterte Förster und Angler braucht: Wasser und Wald.
Kurzum: Eichenberger tut es nicht. Gründe dafür findet er immer, wenn er in die Ferien verreist. Kürzlich in Slowenien. «Ein eindrückliches, gastfreundliches Land», schwärmt er. Aber eben, das Heimweh komme jedes Mal. «Und jedes Mal, wenn ich dann die Landesgrenze in die Schweiz überquere, fühle ich mich einfach wieder glücklich und sicher.» Die Auswanderungsfrage erübrige sich «für den Moment».
«Lausbube aller Lausbuben»
In seiner Ansprache machte sich Eichenberger natürlich auch Gedanken zum Wald. Dazu, dass die Schweiz zur Hälfte bewaldet war, als 1291 der Bundesbrief unterzeichnet wurde. Dieser Wald habe für Schutz, Nahrung und den wichtigen Rohstoff Holz gesorgt. 1876 erfolgte der Abschluss des Waldgesetzes, das die Themen Nachhaltigkeit und Rodungsverbot deckte. «Heute ist das Wort Nachhaltigkeit in aller Munde. Es wird überall verwendet, vielleicht auch, um sich ein gutes Gewissen zu machen.
Erfunden hat es der Forst.» Das Schweizer Waldgesetz sei noch immer eines der strengsten weltweit. Der Wald macht immer noch rund einen Drittel der Fläche der Schweiz aus und ist geschützt. «Dies ist für mich eine typisch schweizerische Haltung: Verantwortung übernehmen, nicht nur für heute, sondern auch für die kommenden Generationen.»
Gemeindeammann Michael Weber indes stellte Redner Eichenberger nicht nur als Förster und Betriebsleiter des Forstbetriebs Region Muri vor, der mit viel Leidenschaft und Herzblut am Werk ist. «Der Lausbube aller Lausbuben des Seetals», meinte Weber. Auch das vermochte Eichenberger zu verifizieren und erzählte von Kindheitserinnerungen, die er mit der Bundesfeier verbinde. Der offiziellen Erlaubnis zum Beispiel, Feuerwerk «und Thönder» abzufeuern. «Inklusive brenzligen Situationen. Heute bin ich froh, noch alle Finger zu haben.»
In Generationen denken
735 Jahre Eidgenossenschaft. «Ein Grund zum Feiern», ist Oliver Eichenberger überzeugt. Obwohl dieses Alter für einige Bäume kein besonders hohes ist. Im Kanton Bern gibt es eine Eibe, deren Alter auf 1500 Jahre geschätzt wird. «Das zeigt: Wer Verantwortung übernimmt, so im Wald, aber auch in der Politik, muss in Generationen denken.» Schliesslich gelte es Sorge zu trage. Zu der Schweiz, zur Natur, zur Kultur und zur Sprache. «Ich habe Mühe damit, wenn wir unsere schöne Mundartsprache mit englischen Wörtern durchsetzen.» Weekend statt Wochenende, chillen statt sich ausruhen.
Aber Eichenberger weiss auch: «Wahrscheinlich kann ich mich als Bünzlischweizer nicht mehr vor allem verschliessen. Vielleicht muss man offener sein oder anders anfangen zu denken, um sich nicht verrückt zu machen.» Für seine Gedanken erntete Eichenberger vom Boswiler Publikum viel Applaus – und vom Gemeindeammann gab es einen Geschenkkorb. «Vom Bünzli-Gemeindeammann zum Bünzli-Förster», meinte dieser lachend.
Die Bundesfeier organisiert hat die Schützengesellschaft. Die rund 250 Besucherinnen und Besucher konnten sich mit allerlei Köstlichkeiten eindecken – vom Grill, aber auch mit selbst Gebackenem. Und bei den hohen Temperaturen natürlich auch mit reichlich kühlenden Getränken.

