Spiele des Jahres
24.04.2026 Handball, SportGleich zwei Aufstiegsduelle
In der Wohler Hofmattenhalle wird es am Samstag doppelt knackig. Es gibt gleich zwei Duelle um den Aufstieg zu erleben. Um 18 Uhr wollen die Frauen der SG Freiamt gegen RG Vaud aus der Westschweiz mit einem Sieg den Aufstieg in die 1. Liga ...
Gleich zwei Aufstiegsduelle
In der Wohler Hofmattenhalle wird es am Samstag doppelt knackig. Es gibt gleich zwei Duelle um den Aufstieg zu erleben. Um 18 Uhr wollen die Frauen der SG Freiamt gegen RG Vaud aus der Westschweiz mit einem Sieg den Aufstieg in die 1. Liga realisieren. Ihr Vorsprung aus dem Hinspiel beträgt drei Tore. Danach (um 20 Uhr) geht es für die SG Wohlen Mutschellen um alles oder nichts. Gegen Möhlin Fricktal hat sie ebenfalls ein Polster von drei Toren. Das Team will es aber nicht eng werden lassen und mit einem Sieg für klare Verhältnisse sorgen.
Es sind für beide Freiämter Teams die Spiele des Jahres. Rückraumspieler Björn Staubli und die Murianer Bischoff-Schwestern geben vor dem Aufstiegskracher Auskunft. --red
Der Zauberlehrling
Aufstiegsspiele: Björn Staubli (SG Wohlen Mutschellen) vor dem Spiel des Jahres (Samstag, 20 Uhr, Hofmatten Wohlen)
Er ist das grösste Talent der SG Wohlen Mutschellen. Doch Björn Staubli wird nächste Saison eine Pause vom Handball einlegen. «Danach ist alles offen», meint der 19-Jährige aus Waltenschwil. Doch zuerst will er im Rückspiel gegen die SG Möhlin Fricktal den Aufstieg in die 1. Liga schaffen. Damit würde sich für ihn ein Kreis schliessen.
Stefan Sprenger
Dieser Typ ist ein Phänomen. Überlegt, wuchtig und unheimlich talentiert auf dem Handballfeld. Daneben ist Björn Staubli für sein junges Alter schon auffällig reif und überlegt. Ein kleiner Rückblick: Im November 2023 sorgte er für eine der coolsten Freiämter Sportgeschichten des Jahres. In seinem ersten Spiel für Handball Wohlen in der 1. Liga ballert er den HC Mutschellen mit 10 Toren fast im Alleingang weg. Ein einzigartiges Debüt, und das als 17-Jähriger. Damals wird er in dieser Zeitung als «Zauberlehrling» bezeichnet.
Ein Moment, der viel verändert
Der Zauberlehrling ist eine Ballade von Johann Wolfgang von Goethe. In jenem Werk probiert der Zauberlehrling einen Zauberspruch seines Meisters aus. Anfänglich ist er stolz auf sein Können, doch bald merkt er, dass ihm die Situation zu viel wird – und er beendet den Zauber. Bei Björn Staubli gibt es Parallelen.
Denn jener Zauber des Handballsports ist bei ihm ein wenig verflogen. Der Waltenschwiler fiel schon seinem Lehrer Michael Winsauer – einst Profifussballer und heutiger Trainer des SC Kriens – durch seine sportlichen Fähigkeiten auf. Da trainierte er längst Handball in Wohlen. Staublis Talent bringt ihn in die Nachwuchsabteilung des HSC Suhr/Aarau. Der Traum einer grossen Karriere entwickelt sich. Während er in den Nachwuchsteams des NLA-Clubs Suhr/Aarau zu eher wenig Spielzeit kommt, holt er sich in der ersten Mannschaft seines Stammvereins Wohlen die nötige Spielpraxis – und auch die Freude. Er spielt parallel bei beiden Vereinen. Im August 2024 folgt eine einschneidende Verletzung.
An einem Vorbereitungsturnier in Tschechien reisst er sich das Kreuzband. «Eine dumme Bewegung und mein Leben hat sich stark verändert», blickt Staubli zurück.
Triathlon, Prüfungen, Grenadier, Australien
Operation statt Training. Physio statt Handball. Kein Teamgefüge, sondern eher einsame Stunden. Und viel Zeit, um nachzudenken – und neue Dinge kennenzulernen. Staubli, der am 5. Mai 20 Jahre alt wird, sagt: «Die Lust auf Handball hat abgenommen.» Im letzten Herbst gibt er dennoch sein Comeback. Er spielt in der 1. Liga beim HSC Suhr/Aarau. «Diese Übung habe ich schnell abgebrochen, das passte mir gar nicht mehr. Ich wollte bei der SG Wohlen Mutschellen spielen.» Hier findet er die Freude wieder. Aber: «Ich habe in meiner Verletzungszeit andere Dinge gefunden, die mir Spass machen», erklärt er. Er geht ins Fitness – und er hat den Triathlon-Sport für sich entdeckt. «Laufen. Schwimmen. Velofahren. Ich mag das sehr. In nahe Zukunft möchte ich einen Triathlon absolvieren.»
Er ist bei Weitem nicht das Einzige, was er in Zukunft vorhat. Staubli macht die Lehre beim Stromversorgungsunternehmen Eniwa in Buchs, Fachrichtung Geomatik. In diesem Sommer hat er Abschlussprüfungen und wird er seine Ausbildung abschliessen. Danach geht er direkt in die Rekrutenschule, ist bei den Grenadiers der Militärpolizei. Nach den Leistungstests kriegt er einen der begehrten Plätze. «Ich wollte eine körperliche und mentale Herausforderung. Ich wollte in der Militärzeit etwas machen, was mich persönlich weiterbringt», erklärt er seinen Entscheid. Im Frühling 2027 geht es in einen längeren Sprachaufenthalt nach Brisbane, Australien. Drei Monate Englisch lernen und fast zwei Monate herumreisen.
«Jetzt muss es klappen»
In der Saison 2026/27 wird er eine Pause vom Handballsport einlegen. «Ein Zwischenjahr», wie Staubli sagt. Und danach? «Ich lasse alles offen. Ich weiss jetzt noch nicht, was in über einem Jahr ist. Wir werden sehen.» Seine Eltern und seine ältere Schwester Céline Staubli (die in der NLB beim LK Zug spielt) «sind jedenfalls zuversichtlich, dass es für mich im Handball weitergeht», wie er lachend erzählt.
Momentan zählt nur eines: «Der Aufstieg in die 1. Liga», sagt Staubli. Er und das Team sind «voll motiviert». In der Meisterschaft ist das Team durchmarschiert. «Es war manchmal fast langweilig. Wir trainierten hart und haben praktisch jeden Gegner dominiert.» Er selbst konnte sein gutes Auge, seine starken Täuschungen und präzisen Würfe des Öfteren unter Beweis stellen. Gegen starke Gegner macht es aber natürlich viel mehr Spass. «Beim ersten Aufstiegsspiel gegen Möhlin am letzten Sonntag hat es wieder richtig Freude gemacht. Es geht um die Wurst, es kommen viele Zuschauer, es war ein geiles Spiel.
Jetzt ist die Vorfreude auf das Heimspiel riesig. Wir sind positiv angespannt. Wir wollen endlich aufsteigen. Jetzt muss es klappen», sagt Staubli.
Im Frühjahr 2024 war er dabei, als Wohlen aus der 1. Liga abstieg. Danach kam der Zusammenschluss mit dem HC Mutschellen. «Wenn wir jetzt aufsteigen, würde sich ein kleiner Kreis schliessen. Und ich kann mit gutem Gewissen in meine Handballpause.» Der Zauberlehrling will seine Kräfte im letzten (und wichtigsten Spiel) des Jahres nochmals allen zeigen.
Präsident tritt ab – und wünscht sich Aufstiege
Aufstiegsspiele zur 1. Liga: HC-Mutschellen-Präsident Pitsch Müller ist hoffnungsvoll vor den Spielen des Jahres
Die Zusammenarbeit zwischen Wohlen und Mutschellen hat viele Vorteile. Aber auch Nachteile. So finden beide Aufstiegsspiele (der Männer und der Frauen) in Wohlen statt. HC-Mutschellen-Präsident Pitsch Müller sieht es gelassen – und plant seinen Abschied.
«Es ist definitiv ein wichtiger Tag. Die Aufstiege sind von enormer Bedeutung und haben viel Einfluss auf die Zukunft», sagt Pitsch Müller, Präsident des HC Mutschellen. Vor zwei Jahren begann die Zusammenarbeit mit Handball Wohlen. Noch länger bei der SG Freiamt, den Frauen (wo auch Muri mitwirkt).
«Gemeinsam sind wir stärker»
«Die Flaggschiffe fahren voraus. Es sind Leuchttürme für den Handball im Freiamt. Und deshalb ist dieser Aufstieg auch so wichtig.» Man habe darauf hingearbeitet, in die 1. Liga zu kommen. «Das ist nicht nur wichtig für die Aktivteams, sondern auch für den Nachwuchs.» Für beide Teams sieht es bislang gut aus mit dem Aufstieg, denn sie konnten die Hinspiele am letzten Wochenende gewinnen. Die Frauen der SG Freiamt mit 28:25 gegen Vaud, die Männer der SG Wohlen Mutschellen gegen Möhlin Fricktal mit 32:29.
Beide Spiele in Wohlen – nervt das die Mutscheller?
Die Rückspiele finden an diesem Samstag um 18 Uhr (Frauen) und 20 Uhr (Männer) statt. Beide Partien sind in der Wohler Hofmattenhalle. Stört es Mutschellen-Oberhaupt Pitsch Müller, dass die Burkertsmatt nicht Heimstätte dieser besonderen Spiele ist? «Nein. Es ist egal. Es ist eine Zusammenarbeit. Wir teilen ja alle Heimspiele während der Saison so gerecht wie möglich auf.» Die Kooperation mit Wohlen sieht er als «sehr gewinnbringend und angenehm» an. Denn: «Gemeinsam sind wir stärker und können viel mehr erreichen als alleine.» Falls es mit den Aufstiegen klappt, nennt er (kurzfristig) das Ziel Klassenerhalt in der 1. Liga. «Die SG Wohlen Mutschellen kann eine Liga höher bestehen. Es wird zudem noch weitere Spieler geben, die uns nächste Saison bei diesem Ziel unterstützen werden. Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wir nehmen Schritt für Schritt. Dieses Team ist sehr jung. Und wir haben auch einen Trainer, der auf diese Talente setzt. Und diesen Weg wollen wir weitergehen.»
Rücktritt an seiner 27. Generalversammlung
Am Samstag geht Pitsch Müller davon aus, dass die Halle voll sein wird. «Schon in Möhlin hatten wir eigentlich ein Heimspiel. Ich hoffe, die Leute kommen, um unsere Frauen und Männer zu unterstützen.»
Pitsch Müller wirkt nach wie vor hoch motiviert. Und das, obwohl der 56-Jährige schon seit über zwei Jahrzehnten Präsident des HC Mutschellen ist. Müller, dessen Tochter bei den U14-Juniorinnen der SG Freiamt spielt, sagt: «Meine Leidenschaft für den Handball ist ungebrochen. Es ist aber an der Zeit, dass neuer Wind reinkommt.» Und weil er «den bestmöglichen Nachfolger» gefunden hat, wird er im Juni an der Generalversammlung abtreten und an Pascal Baur übergeben (sofern dieser gewählt wird, was aber Formsache ist). Für Müller, der seit Ende der 90er-Jahre Präsident ist (mit einem kurzen Unterbruch), wird es seine 27. GV als Präsident sein. «Ich war nun lange am Ruder. Nun übernehmen neue Kräfte. Der Vorstand ist bestens aufgestellt und motiviert. Ich werde den HC Mutschellen auch weiterhin als helfende Hand unterstützen», sagt Müller. Denn auch er weiss: Seine Erfahrung ist Gold wert. Er hat einen letzten grossen Wunsch, bevor er abtritt: «Dass am Samstag zwei Aufstiege gefeiert werden. Ich bin zuversichtlich, dass dies klappt.» --spr
Schwestern-Power
Aufstiegsspiele: Die Bischoff-Schwestern wollen mit der SG Freiamt in die 1. Liga
Michelle und Céline Bischoff aus Muri lieben den Handballsport. Morgen Samstag (18 Uhr) wollen sie in der Hofmattenhalle Wohlen mit der SG Freiamt den Aufstieg in die 1. Liga packen. «Wir wollen zeigen, was wir können», sagt Céline Bischoff.
Stefan Sprenger
Céline (23) und Michelle (21) Bischoff packen gemeinsam in der Abwehr zu. Die Gegenspielerin wird blockiert (siehe Bild unten). Jene Schwestern-Power braucht es auch am Samstag in der Hofmattenhalle in Wohlen. Dann will die SG Freiamt im Rückspiel gegen das Westschweizer Team RG Vaud den Aufstieg in die 1. Liga klarmachen.
«Bedeutet enorm viel»
Bei der SG Freiamt sind die Bischoff-Schwestern geladen. Für sie ist es wohl das bislang grösste Spiel ihrer noch jungen Karriere. Beide beginnen beim TV Muri früh mit dem Handballsport. Céline im U11, Michelle im U9. «Durch unsere zwei älteren Brüder haben wir zum Handball gefunden», erklärt Michelle Bischoff, die im Sommer ein Studium anfängt. Mittlerweile können sie sich ein Leben ohne Sport nicht mehr vorstellen. «Es bedeutet mir enorm viel. Ich durfte sehr gute Freundinnen finden durch den Handball. Wir machen auch abseits des Feldes viel miteinander. Wir feiern Siege und wir kommen über die Niederlagen hinweg, alles gemeinsam, das schweisst zusammen», sagt Céline Bischoff, die sich im Blauring engagiert und Lehrerin in Affoltern am Albis ist.
Am Samstag wollen sie erst sportliche Bestleistung zeigen und danach gemeinsam feiern. Vorausgesetzt, es klappt mit dem Aufstieg. Doch es sieht gut aus. Das Hinspiel gegen das Westschweizer Team RG Vaud konnte mit 28:25 gewonnen werden. Das Rückspiel könnte man – rein theoretisch – mit zwei Toren verlieren und würde trotzdem den Aufstieg schaffen.
Erfahrung aus letztem Jahr soll sich nicht wiederholen
Doch man will es nicht unnötig spannend machen. Auch weil man schlechte Erfahrungen gemacht hat. In der letzten Saison scheiterte das Team superknapp und nur wegen ein paar Toren Differenz am Aufstieg. «Wir konnten diese Saison nochmals viel dazulernen und sind gewachsen. Es macht unfassbar viel Spass mit diesem Team», sagt Michelle Bischoff. Ihre Schwester Céline sagt: «Wir wollen unser ganzes Können auf den Platz bringen. Unsere Verteidigung muss dabei aktiver sein als im Hinspiel.» Denn man hat trotz grosser Dominanz die Westschweizerinnen, die sehr körperbetont spielen, immer wieder rankommen lassen. Der 28:25-Sieg hätte eigentlich viel höher ausfallen müssen.
Nun will es das Team des Trainerduos Jochen Külling und Matthias Baumgartner (noch) besser machen und für klare Verhältnisse sorgen. «Wir wollen ein Statement setzen für den Frauenhandball im Freiamt. Es ist enorm wichtig für die Entwicklung der SG Freiamt, dass wir in der 1. Liga spielen. So verhindert man auch, dass talentierte Nachwuchsspielerinnen zu anderen Vereinen abwandern», erklärt Céline Bischoff. Auch für sie persönlich wäre ein Aufstieg ein Highlight: «Das Gefühl, dass wir am Samstag unser langes Ziel endlich erreichen können, ist unglaublich.» Michelle Bischoff ergänzt: «Wir wollen uns unbedingt belohnen für all die Arbeit, die wir in dieser Saison für dieses Ziel investiert haben.»
Man spürt: Die Schwestern aus Muri sind voller Vorfreude. Michelle Bischoff sagt: «Wir dürfen solch ein wichtiges Spiel zu Hause bestreiten, vor hoffentlich vielen Fans, die hinter uns stehen. Das ist megatoll.» Unter den Fans sind auch die Eltern, «sie kommen an jedes Spiel, was sehr schön ist».
Am Samstag um 18 Uhr wird die Spielgemeinschaft Freiamt (Wohlen, Muri, Mutschellen) versuchen, den lang ersehnten Aufstieg in die 1. Liga endlich zu packen. «Wir geben alles», versprechen sie.





