Rohedelsteine bekamen Glanz
07.07.2026 Muri, SchuleWürdig-stimmungsvolle Abschlussfeier der Bezirksschule im Festsaal Muri
Nach drei Jahren an der Bezirksschule beginnt für rund 80 Jugendliche ein neuer Lebensabschnitt. Der Übergang wurde im Festsaal gefeiert.
Thomas ...
Würdig-stimmungsvolle Abschlussfeier der Bezirksschule im Festsaal Muri
Nach drei Jahren an der Bezirksschule beginnt für rund 80 Jugendliche ein neuer Lebensabschnitt. Der Übergang wurde im Festsaal gefeiert.
Thomas Stöckli
Schulleiter Peter Hochuli machte es in seiner Anrede deutlich, um was es an diesem Abend ging: «Liebe Schülerinnen und Schüler», sprach er den Abschlussjahrgang zu Beginn noch an. Im Laufe der Veranstaltung wechselte er zu «Fast-Ehemalige», zum Schluss sprach er sie dann als «liebe Ehemalige» an. «Endlich!», dürfte es manchen durch den Kopf geschossen sein. «Schade!», derweil bei anderen. Und bei vielen wohl auch beides.
Individuell und als Klasse weiterentwickelt
Auf jeden Fall bildete sie den Übergang von einer Lebensphase in die nächste, die Abschlussfeier der Bezirksschulabgänger im Festsaal Muri. Nach den Sommerferien wird rund die Hälfte der bisherigen Dritt-Bez-Schülerinnen und -Schüler eine Berufslehre antreten. Die andere Hälfte geht an weiterführende Schulen. Wege trennen sich, neue Türen gehen auf. Doch vorerst wurde die Gelegenheit genutzt, noch einmal richtig gemeinsam zu feiern, erst beim offiziellen Festakt, später beim Apéro und schliesslich im sommerlich milden Klosterhof.
Für ihren Abschluss haben sich die jungen Frauen und Männer richtig in Schale geworfen. In festlichen Roben und edlen Anzügen präsentierten sie sich der versammelten Eltern- und Lehrerschaft. In ihren Präsentationen liessen sie erahnen, wie sie sich individuell und als Klasse weiterentwickelt haben. Von «Rohedelsteinen», als die sie vor knapp drei Jahren begrüsst worden waren, haben sie sich weiterentwickelt, auch durch «gegenseitiges Reiben und Schleifen», wie es Isabelle Bütler, Klassenlehrerin der 3c, formulierte. «Fertig geschliffen seid ihr noch nicht», so Caroline Plattner, Klassenlehrerin der 3b, aber «Glanz und schöne Seiten» seien sichtbar. Und auch Peter Hochuli griff das Bild nochmals auf: «Edelsteine entstehen nicht trotz, sondern wegen Druck und Reibung.»
Beeindruckendes Kreativpotenzial
Allem voran beeindruckten die Jugendlichen an diesem Abend mit ihrem Kreativpotenzial. Die Gala war geprägt von gesanglichen Highlights – erwähnt sei insbesondere das Opernsolo von Fjolla – aber auch Tanz, Humor und gestalterischer Einfallsreichtum trugen zum gelungenen Gesamtprogramm bei.
Den Anfang in die Klassenpräsentationen machte die 3a. «Eine ruhige Klasse», wie sich die Schülerinnen und Schüler selbst einschätzen. Detailliertere Infos sollte das Quiz liefern, dem sich ihre Lehrerinnen Vivienne Villiger und Monica Drigo stellten. Sie sollten bestimmte Eigenschaften jeweils einer Schülerin oder einem Schüler zuordnen.
Das Publikum erfuhr so unter anderem, dass Finn die Stimmungskanone der Klasse war, dass Yaël über das ansteckendste Lachen verfügt und dass Lydia in den drei Jahren die markanteste Entwicklung durchgemacht hat. «Ich lasse euch nicht gerne gehen», richtete sich Klassenlehrer Erich Hausherr abschliessend an seine 3a. Und nicht nur er habe sich jeweils auf die Lektionen gefreut, sondern auch seine Lehrerkolleginnen und -kollegen.
Übernachtung in der Aula bleibt in Erinnerung
Ungleich temperamentvoller ging es mit der Klasse 3c weiter, mit einer «Macarena»-Choreografie: Während die Mädchen tanzten, legten die Jungs den Rhythmus vor, alle mit Blumenkränzen geschmückt. «Wir haben viele Zusammenschisse bekommen», bringen die Schülerinnen und Schüler die Auswirkung ihres Temperaments selbst auf den Punkt. Weiter ist die Rede vom «Todesblick» ihrer Klassenlehrerin. Sogleich tönt es aber wieder versöhnlicher: So sei Isabelle Bütler immer für sie da gewesen, habe die Nerven behalten und Aussergewöhnliches organisiert.
In Erinnerung bleibt den Jugendlichen etwa die gemeinsame Übernachtung in der Aula. Auch die Lehrerin erinnert sich daran gerne zurück. Als sich um 3 Uhr eine Diskussion entwickelt habe, habe sie zwar geschimpft, bei sich aber gedacht: «Schön, dass sie es so gut miteinander haben.» Überhaupt habe sie der Klasse nie lange böse sein können: «Die Epoche mit euch war geprägt von Lachen – und das Lachen ist eines meiner Lieblingshobbys», richtete sich die Klassenlehrerin direkt an ihre – nun ehemaligen – Schülerinnen und Schüler.
Lachen, diskutieren und anpacken
«Mit Lächeln im Gesicht und Wehmut im Herzen» schliesst die Klasse 3d ein Kapitel ab. Auch sie nutzte die Bühne, um etwas über sich selbst zu teilen. Etwa, dass Chiara gerne immer mal wieder mit einer anderen Haarfarbe auftauchte, dass Leandro eine ebenso poetische wie humoristische Ader hat und Ariane überzeugt ist, den grössten Bizeps zu haben.
Klassenlehrerin Karin Klöckl blickte zurück auf eine Zeit, geprägt von Erfolgserlebnissen, Rückschlägen und entstandenen Freundschaften. Sie sprach von einer «Klasse, die lachen, diskutieren und anpacken» konnte. Weiter charakterisiert sie die 3d als «optimistisch, neugierig, offen und authentisch». Kurz: «Ich konnte mich auf euch verlassen.»
Kreative Ausreden und zuweilen Sand im Getriebe
Den Abschluss machte die 3b. Die Klasse, welche die Bez Muri in Bundesbern vertreten hat, durch ihre Teilnahme am Planspiel «SpielPolitik!» Mit einem Teilerfolg, wie nun publik wurde: So fand der Gegenvorschlag zu ihrer Initiative «Bessere psychologische Unterstützung für Jugendliche» in der Schlussabstimmung der teilnehmenden Klassen eine Mehrheit.
Wobei der Weg zum Erfolg keineswegs gradlinig verlief. Caroline Plattner zeichnet das Bild einer Grossbaustelle, mit Lärm, fehlendem Material, kreativen Ausreden und ab und zu auch Sand im Getriebe. Wobei die Rückschläge erfahrungsgemäss am lehrreichsten seien: «Sand im Getriebe bremst zwar, aber schleift auch», betont die Klassenlehrerin. «Ich wünsche euch, dass ihr an den Herausforderungen wachst und euch eure Ecken und Kanten bewahrt», wandte sie sich direkt an die Schülerinnen und Schüler.
Standing Ovations für den Schulleiter
Nicht nur für die Dritt-Bezler war es Zeit, Abschied zu nehmen. Auch für Peter Hochuli steht nach den Sommerferien ein neuer Lebensabschnitt an. «Er hat einfach etwas länger gebraucht», verglich Gesamtschulleiter Thomas Weber scherzhaft. Hochuli verabschiedet sich in die Pension. Nebst Weber würdigte auch Gemeinderat Herbert Meier das ausserordentliche Engagement von Hochuli, das Publikum stimmte mit einer Standing Ovation zu. Weiter wurden Karin Klöckl für 30 Jahre sowie Gerd Schuster für 15 Jahre Treue zur Bez Muri gewürdigt.
Beste Abschlüsse wurden gewürdigt
Doch dann rückte Hochuli schnell wieder die Jugendlichen ins Rampenlicht. So wurden die Schülerinnen und Schüler mit den besten Abschlüssen geehrt, allen voran Carina Pally (3b), Maylea Weyermann (3c) und Muriel Herzberg (3d), welche einen Notenschnitt von 5,5 erreichten. Doch nicht nur sie haben es toll gemacht, hielt Peter Hochuli fest.
«Ab morgen ist euer weiterer Bildungsweg freiwillig», so Hochuli. «Ich wünsche euch von Herzen viel Vergnügen und Erfolg. Und ich wünsche euch, dass ihr eure Ziele erreichen könnt.» Und dann war er da, der grosse Moment: «Tschüss zäme, liebe Ehemalige», besiegelte Hochuli offiziell das Ende der Schulzeit: «Macht’s gut und gebt euch Sorge.»



